KI-Angst, Jungen

KI-Angst bei Jungen: 63% der Gen Z gehen krank zur Arbeit

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie zeigt wachsende KI-Sorgen im Beruf: Junge Beschäftigte fürchten Verdrängung, während Unternehmen weiterhin IT-Fachkräfte suchen.

KI verunsichert Beschäftigte: Besonders junge Talente sehen Risiken
Ein minimalistisches, leeres Büro mit ergonomischen Stühlen und Blick auf eine nächtliche Skyline bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Untersuchungen verdeutlichen eine wachsende Verunsicherung unter Erwerbstätigen hinsichtlich der technologischen Transformation durch Künstliche Intelligenz (KI). Laut dem KI-Monitor der TU Darmstadt und Yougov aus dem Jahr 2026 rechnen 43 % der Befragten mit sehr guten KI-Kenntnissen damit, dass diese Technologie in absehbarer Zeit ihre beruflichen Aufgaben übernehmen werde.

Diese Einschätzung unterstreicht eine paradoxe Entwicklung: Gerade jene Fachkräfte, die über eine hohe Kompetenz im Umgang mit der Technologie verfügen, sehen ihre eigene Position zunehmend gefährdet.

Gefährdete Tätigkeitsfelder und globale Abhängigkeiten

Der Projektleiter Peter Buxmann von der TU Darmstadt wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Sorge vor einer Automatisierung insbesondere digitalisierbare Tätigkeiten betreffe. Hierzu zählen laut seinen Beobachtungen vor allem die Erstellung von Texten, Analysen sowie Programmcodes.

Die Tragweite dieser Entwicklung wird durch eine Studie der OIT untermauert, wonach weltweit rund 67 Millionen junge Menschen in Berufen arbeiten, die als automatisierungsgefährdet eingestuft werden. Die Arbeitslosenquote unter jungen Menschen im Alter von 15 bei 24 Jahren lag laut OIT im Jahr 2023 bei 12,3 % und stieg bis zum Jahr 2025 leicht auf 12,4 % an.

Ein Blick auf das Randstad Arbeitsbarometer 2026 zeigt zudem eine deutliche Abhängigkeit junger Generationen von KI-Werkzeugen. Während im bundesweiten Durchschnitt 19 % der Befragten angaben, ihren Job ohne KI nicht mehr erledigen zu können, lag dieser Wert bei der Generation Z mit 27 % signifikant höher.

Zum Vergleich: Bei den Millennials sind es 22 %, bei der Generation X 16 % und bei den Baby Boomern lediglich 10 %. Im internationalen Vergleich zeigt sich Deutschland jedoch noch zurückhaltend.

In Polen (30 %), Norwegen (31 %), der Schweiz (40 %), Luxemburg (41 %) und insbesondere in Indien (48 %) ist die wahrgenommene Abhängigkeit von KI-Systemen im Berufsalltag bereits deutlich stärker ausgeprägt.

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Diskrepanz zwischen Qualifikation und Marktanforderungen

Ein zentraler Aspekt der aktuellen Arbeitsmarktanalyse ist die Kluft zwischen der Selbsteinschätzung junger Talente und der Wahrnehmung durch Arbeitgeber. Eine CMI-Studie vom Juli 2026 legte offen, dass sich zwar 45 % der Generation Z für den Arbeitsmarkt qualifiziert halten, jedoch nur 6 % der Führungskräfte diese Ansicht teilen.

Diese Skepsis spiegelt sich auch in der Hult-Studie aus dem Jahr 2024 wider, für die 800 HR-Verantwortliche befragt wurden. Demnach gaben 37 % der Personalentscheider an, im Zweifelsfall lieber KI oder Roboter einzusetzen als Hochschulabsolventen. Zudem konstatierten 91 % der Befragten mangelnde Resilienz bei den Berufseinsteigern.

Gleichzeitig verschärft sich die Situation in spezialisierten Sektoren. Laut einer Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2026 gibt es in Deutschland aktuell rund 79.000 offene Stellen für IT-Fachkräfte.

Zwar sank diese Zahl im Vergleich zu 149.000 im Jahr 2023 und 109.000 im Jahr 2025, dennoch sehen 78 % der Unternehmen weiterhin einen Mangel. Als Hauptgrund für Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung nannten 59 % der Betriebe die Gehaltsvorstellungen der Bewerber.

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Psychische Belastung und gesellschaftliche Folgen

Die Angst vor dem beruflichen Abstieg oder dem Verlust des Arbeitsplatzes hat messbare Auswirkungen auf das Wohlbefinden. Eine Umfrage von Indeed und Appinio von Mitte Dezember 2025 ergab, dass knapp die Hälfte der Berufstätigen häufiger krank zur Arbeit erscheint.

In der Generation Z liegt dieser Anteil mit 63 % besonders hoch. Als Gründe wurden neben der hohen Arbeitslast (31,2 %) und Teamloyalität (34,8 %) auch die Angst vor Entlassung (20,8 %) genannt.

Diese Befürchtungen werden durch Daten der Boston Fed gestützt. In Befragungen zwischen Dezember 2024 und Dezember 2025 verdoppelte sich die Sorge um einen KI-bedingten Jobverlust von 5 % auf 10 %.

Zudem erwarteten 60 % der Befragten branchenweite Entlassungen durch KI-Einsatz. Der Jugendforscher Mathias Albert warnte in diesem Kontext bereits vor einer drohenden verlorenen Generation am Arbeitsmarkt und sieht darin einen Nährboden für politischen Extremismus.

Auch der Soziologe Hartmut Rosa gab zu bedenken, dass KI durch die Einschränkung von Handlungsspielräumen populistische Tendenzen verstärken könne, was sich bereits in Bereichen wie der Pflege oder an Universitäten abzeichne.

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