Schulen, Kultusministerkonferenz

KI an Schulen: Kultusministerkonferenz erkennt sie als Kernkompetenz an

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 04:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die KMK stärkt den Einsatz von KI im Unterricht, lässt praktische Vorgaben aber offen; Umfragen zeigen verbreitete Nutzung und Unsicherheit.
Ein leerer, sonnendurchfluteter Klassenraum mit ordentlich aufgestellten hölzernen Schulbänken und leeren Heften. Illustration mit AI erstellt.

Die Kultusministerkonferenz hat sich auf einen neuen Rahmen verständigt, der Künstliche Intelligenz als Kernkompetenz an Schulen anerkennt. Lehrkräfte erhalten durch die Einigung mehr Flexibilität beim Einsatz von KI-Werkzeugen, um Lernergebnisse gezielt zu verbessern.

Der Beschluss der Bildungsminister datiert auf Mitte Oktober 2026, verzichtet allerdings auf konkrete Vorgaben zur praktischen Einbindung in den Unterricht sowie in Prüfungsverfahren.

Unsicherheit und breite Nutzung im Schulalltag

Die Neuausrichtung trifft auf eine Schulpraxis, in der KI-Anwendungen längst verbreitet sind, verbindliche Richtlinien jedoch oft fehlen. Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom unter 501 Lehrkräften der Sekundarstufen I und II in Deutschland verdeutlicht dieses Spannungsfeld: Während 58 Prozent der Pädagogen KI für schulische Zwecke nutzen, berichten lediglich 57 Prozent von klaren Regeln an ihrer Schule.

Zudem fühlen sich 51 Prozent von der Technologie überfordert, und 70 Prozent halten die Nutzung durch Schülerinnen und Schüler für kaum kontrollierbar.

Gleichzeitig greift die Technologie tief in die Bewertung von Schülerleistungen ein. Nach Angaben des Bitkom setzten 7 Prozent der befragten Lehrkräfte KI zur Benotung ein, ohne das Ergebnis zu kontrollieren. 20 Prozent nutzen die Programme zur Kontrolle von Aufgaben und Prüfungen, während 12 Prozent KI-Tools in Prüfungen bewusst erlauben.

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Die Forderung nach Regulierung ist groß: 92 Prozent der Lehrkräfte verlangen eine Kennzeichnungspflicht für den Einsatz von KI. Die Hälfte wünscht sich Entlastung bei Routineaufgaben, und 19 Prozent rechnen mit einer grundlegenden Wandlung ihrer beruflichen Rolle.

Auch Zahlen des Bayerischen Philologenverbands belegen die hohe Dynamik: Dort gaben 80 Prozent der Lehrkräfte an, KI-Werkzeuge für berufliche Zwecke zu verwenden. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen greift das Personal laut dem dortigen Philologenverband überwiegend auf kommerzielle Chatbots zurück, während die offiziellen Angebote des Landes kaum bekannt seien.

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Hohe Akzeptanz bei Schülern und neue Landesinitiativen

Auf Schülerseite gehört generative KI bereits zum Standardrepertoire beim Lernen. Eine vom hessischen Kultusministerium unterstützte Onlinebefragung der Landesschüler*innenvertretung Hessen, die von März bis Juni 2026 vom Institut IMC Aachen durchgeführt wurde und 15.978 Schüler ab Klasse 5 erfasste, ergab eine intensive Nutzung: 64 Prozent verwenden KI für Erläuterungen zu Unterrichtsthemen, 54 Prozent für Hausaufgaben und 49 Prozent für Textzusammenfassungen. 22 Prozent gaben an, Hausaufgaben komplett von Algorithmen erledigen zu lassen.

Zugleich besteht Informationsbedarf: Zwar waren 5 Prozent der Befragten innerhalb von zwölf Monaten von Cybermobbing betroffen und 15 Prozent kennen Betroffene, doch nur 16 Prozent fühlen sich von Lehrkräften ausreichend über Phänomene wie Deepfakes und digitales Mobbing aufgeklärt. 23 Prozent wurden dazu im Unterricht nie informiert.

Einzelne Bundesländer reagieren bereits mit Anpassungen ihrer Lehrpläne. Hessen kündigte für das Schuljahr 2027/2028 ein neues Pflichtfach „KI und Digitale Welt“ ab Klasse 5 an, das in den Klassenstufen 5 und 6 auch Aspekte der Finanz- und Verbraucherbildung beinhaltet.

Laut dem aktuellen Informatik-Monitor der Gesellschaft für Informatik bestehen zwischen den Ländern jedoch erhebliche Unterschiede beim Pflichtunterricht in Informatik: Während Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und das Saarland auf sechs Wochenstunden über die gesamte Schullaufbahn kommen, liegen Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bei lediglich zwei Stunden. Das von der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der KMK formulierte Ziel von mindestens sechs Wochenstunden stößt laut den Autoren des Monitors vor allem am Mangel an qualifizierten Fachlehrkräften an seine Grenzen.

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