Arbeitsplatz, Ungarn

KI am Arbeitsplatz: 67 Prozent in Ungarn nutzen private Tools statt Firmenlösungen

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 23:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
PwC Ungarn zeigt eine Lücke zwischen KI-Nutzung und betrieblicher Unterstützung; zugleich berichten viele Anwender von Zeitersparnissen.
Ein moderner, aufgeräumter Arbeitsplatz in einem minimalistischen Büro mit natürlichem Tageslicht und neutralen Farben. Illustration mit AI erstellt.

In ungarischen Unternehmen greift ein Großteil der Beschäftigten beim Einsatz von künstlicher Intelligenz auf frei zugängliche Werkzeuge zurück, anstatt betrieblich bereitgestellte Lösungen zu verwenden.

Wie aus einem Bericht vom 5. November 2026 über eine Umfrage von PwC Ungarn hervorgeht, nutzen 67 Prozent derjenigen, die im Beruf künstliche Intelligenz anwenden, regelmäßig oder gelegentlich persönliche, kostenlose oder nicht für Unternehmen vorgesehene Programme. Lediglich 27 Prozent erhalten von ihrem Arbeitgeber ein offizielles Firmen-Tool.

Ausgeprägte Schulungslücken und fehlende Richtlinien

Der Umfrage zufolge agiert die Mehrheit der Anwender ohne organisatorische Leitplanken. 54 Prozent der Befragten erhalten keinerlei Anleitung durch ihren Arbeitgeber. Zudem geben 42 Prozent der Arbeitsnutzer von KI an, dass in ihrem Unternehmen keine entsprechende Nutzungsrichtlinie existiert oder ihnen diese zumindest nicht bekannt ist. Weitere 7 Prozent setzen KI-Werkzeuge sogar trotz eines bestehenden betrieblichen Verbots ein.

Gleichzeitig offenbaren die Erhebungen ein deutliches Defizit bei der Qualifizierung der Belegschaften: 86 Prozent der Anwender nahmen im vorherigen Jahr an keinerlei KI-Schulung teil.

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Improvisierter Datenschutz und Zeitersparnis

Bei Unsicherheiten im Umgang mit der Technologie behelfen sich viele Arbeitnehmer auf eigene Faust. Laut PwC Ungarn greifen 32 Prozent der Nutzer in solchen Fällen zur Datenanonymisierung, während 30 Prozent fiktive Beispiele verwenden. Ein Viertel der Beschäftigten verzichtet bei Zweifeln vollständig auf den Einsatz, und lediglich 9 Prozent weichen auf ein genehmigtes Firmen-Tool aus.

Die Technologie wird in den Betrieben bislang selten strukturiert eingeführt: 70 Prozent der Anwender nutzen Programme ad hoc, während nur 3 Prozent von einer organisierten Team-Nutzung berichten. Inhaltlich steht vor allem die Informationssuche im Vordergrund, die von 73 Prozent genannt wird, gefolgt von Übersetzungsarbeiten mit 47 Prozent.

Für die Nutzer zahlt sich die Verwendung dennoch messbar aus: 78 Prozent der befragten Arbeitsnutzer sparen mindestens 10 Prozent ihrer Arbeitszeit, 38 Prozent berichten sogar von Einsparungen von mindestens 30 Prozent.

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Über alle Altersgruppen hinweg verwenden 47 Prozent der digital aktiven Internetnutzer in Ungarn künstliche Intelligenz. Bei der Generation Z sowie der Generation Y liegt der Anteil bei 56 bis 57 Prozent, während es bei den Babyboomern 35 Prozent sind.

Steigende Anforderungen durch EU-Regulierung

Die ungarischen Befunde stehen in einem Spannungsfeld mit den regulatorischen Vorgaben der Europäischen Union. Gemäß dem europäischen KI-Gesetz gilt die Pflicht zur Förderung der KI-Kompetenz bereits seit dem 2. Februar 2025. Seit dem 2. August 2026 liegt die Durchsetzung dieser Bestimmungen bei den nationalen Marktüberwachungsbehörden; zeitgleich traten die Transparenzpflichten nach Artikel 50 in Kraft.

Die Umsetzungsfrist für Hochrisikosysteme nach Anhang III, zu denen unter anderem automatisierte Systeme für das Bewerber-Screening gehören, wurde auf den 2. Dezember 2027 verschoben.

Vergleichbare Muster auf internationalen Märkten

Die Diskrepanz zwischen offizieller IT-Ausstattung und tatsächlicher Praxis zeigt sich auch in anderen Regionen. Eine Umfrage von Microsoft ergab, dass 71 Prozent der befragten Beschäftigten im Vereinigten Königreich nicht genehmigte Verbraucher-KI-Tools für die Arbeit nutzten, 51 Prozent davon auf wöchentlicher Basis.

Eine Erhebung von Ricoh unter 2.017 Vollzeitkräften in den USA und Kanada zeigte zudem, dass 45 Prozent der Mitarbeiter mindestens monatlich unautorisierte Tools verwenden.

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