KI-Aktien: Kospi fällt um 8,6 Prozent, Nikkei gibt nach
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMarktverluste treffen Südkoreas Tech-Schwergewichte
- Der südkoreanische Kospi notierte am Donnerstag zuletzt 8,6 Prozent im Minus.
- Samsung und SK Hynix verloren zeitweise jeweils mehr als neun Prozent.
- Der Nikkei 225 fiel um 4,9 Prozent auf 64.425 Punkte.
Asiatische Börsen reagieren auf Inflations- und KI-Sorgen
Eine überraschend hohe US-Inflation hat an den Börsen Asiens zu kräftigen Kursverlusten vor allem bei KI- und IT-Aktien geführt. Investoren sorgen sich angesichts des Risikos eines weiter steigenden US-Leitzinses um die hohen Bewertungen von KI-Unternehmen.
Kospi verliert 8,6 Prozent
Besonders stark geriet der südkoreanische Kospi unter Druck. Der Leitindex notierte am Donnerstag zuletzt 8,6 Prozent im Minus und liegt damit mittlerweile mehr als ein Drittel unter seinem Allzeithoch vom Juni.
Die Verluste wurden von den großen Technologiewerten getragen. Die Aktien des Smartphonekonzerns Samsung und des Chipherstellers SK Hynix lagen zeitweise jeweils mehr als neun Prozent im Minus. Beide Unternehmen sind mit Abstand die größten Firmen im Kospi.
Finanzierung belastet KI-Sektor
Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sah keine klassischen Gewinnmitnahmen, sondern Sorgen vor einer massiven Korrektur. Die Finanzierungsprobleme des KI-Unternehmens CoreWeave und die steigende US-Inflation verstärkten nach Einschätzung der Analystin Hebe Chen die Bedenken über höhere Kreditkosten und die Nachhaltigkeit der KI-Ausgaben.
Der Aktienkurs von CoreWeave war am Vorabend in New York eingebrochen. Zuvor hatte auch Broadcom-Chef Hock Tan vor Finanzierungsproblemen beim Ausbau Künstlicher Intelligenz gewarnt.
Nikkei fällt um 4,9 Prozent
Auch der japanische Leitindex Nikkei 225 gab deutlich nach. Er knickte um 4,9 Prozent auf 64.425 Punkte ein; ebenfalls zu den größten Verlierern gehörten Unternehmen aus der Technologiebranche.
Die Börse in Taiwan gab ebenfalls nach. Der Hang-Seng-Index in Hongkong fiel um 1,4 Prozent, während der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Werten an Chinas Festlandbörsen um mehr als zwei Prozent nachgab.
Der Kursrutsch zeigt, wie empfindlich asiatische Technologiebörsen derzeit auf Änderungen bei Zins- und Finanzierungserwartungen reagieren. Steigende US-Inflation kann die Renditen von Staatsanleihen erhöhen und damit Kapital verteuern. Für hoch bewertete Unternehmen, deren Geschäftsmodelle stark auf künftige Investitionen und Gewinne setzen, verschlechtert sich dadurch die Bewertungsgrundlage.
Besonders eng ist die Verbindung zwischen dem Ausverkauf und dem Ausbau von Rechenzentren. KI-Unternehmen finanzieren einen Teil ihrer Expansion über Fremdkapital; höhere Zinsen erhöhen deshalb die Kosten für neue Anlagen und können die erwartete Rentabilität belasten. Das betrifft nicht nur Softwareanbieter, sondern die gesamte Lieferkette von Speicherchips und Prozessoren bis zu Maschinen für die Halbleiterfertigung.
Bewertungen treffen auf reale Nachfrage
Die Börsenbewegung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Nachfrage nach KI-Infrastruktur eingebrochen ist. Der am 14. Oktober veröffentlichte Bericht über den niederländischen Ausrüster ASML verwies auf starke Auftragseingänge und eine Nachfrage, die das geplante Angebot für 2027 und 2028 übersteigen könnte. Zugleich erhöhen hohe Bewertungen, Verschuldung und die Konkurrenz um Kapital die Schwankungsanfälligkeit des Sektors.
Für Anleger und Unternehmen in Deutschland ist der Vorgang vor allem als globales Signal relevant: Kursverluste in Seoul, Tokio, Taiwan und Hongkong können über internationale Fonds und die Bewertung europäischer Zulieferer ausstrahlen. Die nächsten Bewegungen dürften davon abhängen, ob sich die Inflation als vorübergehender Schub erweist, wie sich die US-Zinserwartungen entwickeln und ob die kommenden Quartalszahlen die hohen Investitionen rechtfertigen.
