KI-Agenten, Office

KI-Agenten erobern Office: Oracle und Microsoft setzen neue Standards

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 17:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Oracle launcht AI Agent Studio, Microsoft führt Bezahlmodell ein. Open-Source-Alternativen und Sicherheitsrisiken prägen den Wettlauf um KI-Assistenten.

Oracle und Microsoft treiben KI-Agenten in Unternehmen voran
Moderner Arbeitsplatz mit Laptop und digitalen Datenvisualisierungen zur KI-gesteuerten Büroautomatisierung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Große Softwarekonzerne und junge Startups bringen Werkzeuge auf den Markt, die KI-Agenten befähigen, eigenständig komplexe Aufgaben in professionellen Anwendungen auszuführen. Oracle und Microsoft haben dabei in den vergangenen Tagen die deutlichsten Zeichen gesetzt.

Oracle startet KI-Studio für Unternehmen

Am 20. Juli präsentierte Oracle sein AI Agent Studio für Fusion Applications. Die Plattform erlaubt es Unternehmen, KI-Agenten direkt in ihre Geschäftsprozesse einzubetten. Besonders bemerkenswert: Ein integrierter Agentic Applications Builder ermöglicht es selbst Mitarbeitern ohne Programmierkenntnisse, per natürlicher Sprache eigene Agenten zu erstellen.

Diese digitalen Helfer sollen komplexe interne Abläufe übernehmen – etwa die Priorisierung von Forderungseintreibungen oder die automatisierte Bearbeitung von Angebotsanfragen in der Lieferkette. Oracle betont, dass die neuen Werkzeuge auf bestehenden Sicherheitsprotokollen aufbauen, darunter rollenbasierte Authentifizierung und vollständige Prüfpfade.

Microsoft setzt auf Bezahlmodell pro Nutzung

Bereits Mitte Juni hatte Microsoft seinen Copilot Cowork weltweit eingeführt. Anders als herkömmliche Assistenten handelt es sich um einen sogenannten „metered agent" – einen KI-Assistenten, der für länger laufende Aufgaben über mehrere Anwendungen hinweg konzipiert ist. Die Abrechnung erfolgt über ein Kredit-System: Jeder Copilot Credit kostet einen Cent.

Die Resonanz in der Wirtschaft ist beachtlich: Über die Hälfte der Fortune-500-Unternehmen nahm laut Microsoft an der Testphase teil. Das spricht für ein enormes Interesse an der neuen Technologie – und für die Bereitschaft, dafür zu bezahlen.

Kostenlose Alternativen setzen die Konkurrenz unter Druck

Doch nicht alle setzen auf Bezahlmodelle. Am 21. Juli veröffentlichte iOfficeAI mit OfficeCLI ein Open-Source-Tool, das KI-Agenten den direkten Zugriff auf Office-Dateien ermöglicht – ohne dass Microsoft Office lokal installiert sein muss. Das Tool unterstützt über 350 Excel-Funktionen und erlaubt Agenten wie Claude oder GitHub Copilot, Dokumente, Tabellen und Präsentationen zu erstellen und zu bearbeiten.

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Parallel dazu macht xAI Druck: Der Grok-KI-Assistent steht seit Ende Juni als kostenloses Add-in für Microsoft-Anwendungen zur Verfügung. Nach PowerPoint (16. Juni) und Excel (22. Juni) können Nutzer nun Formeln und Szenario-Analysen per natürlicher Sprache erstellen – ohne dafür zu bezahlen. Ein direkter Angriff auf Microsofts kostenpflichtige Copilot-Angebote.

Spezialisierte Agenten für Juristen und Ingenieure

Der Trend erfasst auch hochspezialisierte Branchen. Die Legal-Tech-Plattform Project Fortress kündigte für den Sommer 2026 Funktionen an, die Outlook-Agenten für E-Mail-Management und Zeiterfassung sowie Word-Plugins mit kanzleispezifischen Vorlagen umfassen.

Noch ambitionierter ist Overrule aus Indien: Das Unternehmen launchte am 20. Juli ein KI-Betriebssystem speziell für Anwälte am Obersten Gerichtshof. Mit einer Datenbank von über 17.000 Gesetzen und Urteilen soll die Zeit für juristische Entwürfe von drei Tagen auf 30 Minuten sinken.

Für die Ingenieurswelt hat MathWorks ein Open-Source-Toolkit veröffentlicht. Der MATLAB Agentic Toolkit erlaubt KI-Agenten, MATLAB-Code zu schreiben und auszuführen – und damit innerhalb validierter Arbeitsabläufe eigenständig technische Ergebnisse zu erzielen.

Sicherheitsrisiken wachsen mit der Verbreitung

Doch die neue Freiheit birgt Gefahren. Je mehr Agenten im Namen von Menschen handelnd, desto drängender wird die Frage nach Kontrolle. Eine aktuelle Studie von Okta zeigt: 91 Prozent der Organisationen setzen KI-Agenten ein, aber nur zehn Prozent verfügen über eine ausgereifte Governance.

CyberArk ergänzt: Maschinen-Identitäten übersteigen menschliche Identitäten mittlerweile im Verhältnis 80 zu 1. Fast die Hälfte dieser nicht-menschlichen Entitäten besitzt privilegierte Zugriffsrechte – ein Albtraum für Sicherheitsverantwortliche.

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Neo startet mit 100 Millionen Dollar

In diese Lücke stößt das Startup Neo, das am 20. Juli aus der Stealth-Phase trat. Mit 100 Millionen Euro Startkapital – gegründet von Veteranen der Sicherheitsfirmen SentinelOne und Wiz – will das Unternehmen KI-Agenten inventarisieren und ihr Verhalten überwachen. Ziel: Verhindern, dass Agenten ihre erlaubten Befugnisse überschreiten.

Die Prognosen sind eindeutig: Gartner sagt voraus, dass agentische Anwendungen bis Ende 2026 rund 40 Prozent aller Unternehmenssoftware ausmachen werden. Der Wettlauf um die Kontrolle dieser neuen digitalen Arbeiter hat gerade erst begonnen.

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