KI-Agenten-Chaos: 42% des Codes mit kritischen Schwachstellen
17.06.2026 - 10:25:36 | boerse-global.de
Ein halbes Dutzend Technologiekonzerne und Sicherheitsfirmen haben am Dienstag und Mittwoch neue Plattformen vorgestellt, die das Chaos autonomer KI-Agenten in Unternehmen in den Griff bekommen sollen. Die koordinierte Produktoffensive zielt auf wachsende Sicherheitslücken in KI-generiertem Code und die mangelnde Kontrolle über eigenständig agierende Software-Roboter.
Die neue EU-KI-Verordnung stellt Unternehmen vor komplexe Herausforderungen bei der Kennzeichnung und Risikodokumentation von KI-Systemen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihrer Rechts- und IT-Abteilung den notwendigen Überblick über alle Fristen und Pflichten. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Kontrollverlust droht: 42 Prozent des Codes stammen aus der KI
Das Problem ist gewaltig: Rund 42 Prozent des heutigen Programmiercodes wird bereits von Künstlicher Intelligenz erzeugt. Doch Sicherheitsforscher von AppSec Santa schlagen Alarm – ein Viertel dieses Codes enthält kritische Schwachstellen. „Agent Sprawl“ nennen Experten das Phänomen, wenn hunderte autonome KI-Assistenten unkontrolliert in Unternehmensnetzen agieren.
Thoughtworks reagiert darauf mit der Plattform Agent/works, die am Dienstag auf dem Databricks Data + AI Summit vorgestellt wurde. Das System bietet eine zentrale Steuerungsebene und ein Register für alle KI-Agenten – über verschiedene Cloud-Umgebungen hinweg. „Wir ermöglichen nachweisbare Compliance und agentspezierische Berechtigungen“, erklärte das Unternehmen.
Eine Fortune-500-Firma reduziert 2000 Richtlinien auf 20
Trust3 AI präsentierte zeitgleich eine Data-Governance-Plattform, die als zentrale Richtlinien-Verwaltung für Umgebungen wie Snowflake und Spark dient. Der Erfolg spricht für sich: Ein Fortune-500-Kunde schaffte es, rund 2.000 Katalogrichtlinien durch 20 dynamische Regeln zu ersetzen – eine hundertfache Reduktion der Komplexität.
Konecta steuert mit Kolibri eine offene Orchestrierungsplattform bei, die Google Cloud und Salesforce unterstützt. Vorgefertigte Anwendungen für technischen Support und Rechnungsmanagement sollen den Sprung vom Pilotprojekt zur Produktion beschleunigen.
Sicherheitsebene für autonome Agenten
Mehrere Firmen bringen spezielle „Trust Layers“ auf den Markt, die die Identität von KI-Agenten verifizieren. Beyond Identity launchte Ceros – eine Sicherheitsplattform, die einen fünf-dimensionalen Identitätsvektor nutzt: Nutzer, Gerät, App und Konfiguration werden erfasst, um Sitzungen zu protokollieren und Angriffe wie Prompt-Injection oder API-Key-Diebstahl zu verhindern.
Drata erweiterte sein Trust-Management um KI-Agenten-Governance. Der Bedarf ist enorm: Sicherheitsanfragen zu KI stiegen in den letzten neun Monaten um 30 Prozent, während 89 Prozent der Organisationen nicht nachweisen können, was ihre KI-Agenten konkret tun. Dratas neue Werkzeuge nutzen Inline-Sensoren, die Agenten erkennen und Richtlinienverstöße in Echtzeit blockieren.
Weitere Sicherheitslaunches am Dienstag:
- Rein Security: Eine Plattform mit Sichtbarkeit bis auf Code-Ebene, bereits im Einsatz bei Kunden wie Dun & Bradstreet
- AppViewX: Private Preview von Agent Identity Security, überwacht Agenten nach EU-AI-Act und NIST-Rahmenwerk
- Strivacity: Neue „Know Your Agent“-Verifikation auf Basis von OAuth 2.1
- Mitiga Labs: Kostenloses Tool Skillgate, das Konfigurationsdateien auf Risiken wie Remote-Code-Ausführung scannt
Da die EU-KI-Verordnung bereits unmittelbar gilt, müssen Unternehmen jetzt klären, welche ihrer Systeme als Hochrisiko eingestuft werden. Dieser kostenlose Report erläutert die neuen Regeln und hilft Verantwortlichen, rechtlich auf der sicheren Seite zu bleiben. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act sichern
Europa zieht nach: Regulierte Branchen im Fokus
Der europäische Anbieter Onix brachte Wingspan auf den Markt – speziell für stark regulierte Sektoren wie Gesundheitswesen und Finanzen. Die Plattform nutzt „Semantic Twin“-Technologie für Governance und verspricht, manuelle Modernisierungsaufwände um bis zu 80 Prozent zu reduzieren.
Gryphon AI ist ab sofort über den Google Cloud Marketplace verfügbar. Die Plattform überwacht Kontaktzentren in Echtzeit und stellt die Einhaltung von Compliance-Vorgaben sicher – sowohl für menschliche als auch für KI-gesteuerte Interaktionen.
HPE und Xiaomi: Vom Rechenzentrum bis zum Smartphone
Auf der Infrastruktur-Seite erweiterte Hewlett Packard Enterprise seine KI-Factory-Plattform um neue NVIDIA-Integrationen. Die Updates unterstützen das NVIDIA Agent Toolkit und Nemotron-Modelle. HPEs Zerto-Software wurde zudem aktualisiert, um schadhafte Agenten-Aktionen zu erkennen, während neue Speicherlösungen die Token-Antwortzeiten drastisch verkürzen sollen.
Im Konsumentenbereich zog Xiaomi am Mittwoch nach: Der offizielle Launch des MiMo Claw AI Agent bringt die Software auf alle Geräte. Angetrieben vom MiMo-V2.5-Pro-Modell, integriert der Agent Kingsoft Office und unterstützt über 1.000 Tool-Aufrufe pro Sitzung. Die tägliche Gratisnutzung wurde von einer auf vier Stunden erhöht – ein deutliches Zeichen, dass der Wettlauf um die KI-Assistenten der Zukunft erst richtig beginnt.
