KI-Agenten: 86% nutzen sie, aber nur 34% vertrauen ihnen
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 10:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
86 Prozent der Firmen setzen inzwischen auf KI-Agenten, aber nur ein Drittel vertraut ihnen wirklich. Die Kluft zwischen technischer Umsetzung und Sicherheit wächst.
Die Zeiten der Experimente sind vorbei. Immer mehr Unternehmen bringen KI-Agenten in den Produktivbetrieb – doch die Begeisterung über die Effizienzgewinne wird von gravierenden Sicherheitslücken überschattet. Eine aktuelle Forrester-Studie unter mehr als 400 IT-Entscheidern zeigt: Während 86 Prozent der Firmen die Pilotphase hinter sich gelassen haben, vertrauen nur 34 Prozent ihren autonomen Systemen tatsächlich.
Agentisches Chaos statt kontrollierter Einsatz
Die Studie zeichnet ein alarmierendes Bild: 77 Prozent der befragten Unternehmen befinden sich demnach in einem Zustand des „agentischen Chaos". Sie bringen KI-Agenten in die Produktion, obwohl sie deren Zuverlässigkeit nicht wirklich trauen. Die finanziellen Folgen sind messbar: Firmen ohne ausreichende Kontrollmechanismen berichten von durchschnittlich 2,1 Millionen Euro an zusätzlichen Kosten.
Ganz anders sieht es bei den Vorreitern aus. Das obere Viertel der Unternehmen – jene mit „agentischer Kontrolle" – meldet deutlich höhere Vertrauenswerte. Ihr Erfolgsrezept? Der Einsatz von Integrationsplattformen (iPaaS) und robustem API-Management. 86 Prozent dieser Spitzengruppe sehen darin den entscheidenden Faktor für die Einsatzbereitschaft.
Neue Plattformen für Entwickler und Fachabteilungen
Der Markt für KI-Agenten boomt – und das Angebot wird breiter. Tencent Cloud hat am 21. Juli seine Agent Development Platform 4.0 vorgestellt. Das Update bringt einen einheitlichen Einstiegspunkt namens Smart Desk sowie einen speziellen Modus für autonomes Programmieren. Mehr als 150 vorkonfigurierte Fähigkeiten für Finanzen, Fertigung und Einzelhandel sollen die Skalierung erleichtern.
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Parallel dazu zielt das Startup PropulsionAI auf eine ganz andere Zielgruppe: Nicht-Techniker. Die Plattform Fay ermöglicht es Fachabteilungen, KI-Workflows per natürlicher Sprache zu erstellen. Slack, Gmail und Jira sind bereits angebunden. Das Unternehmen, das aus einem kalifornischen Uni-Accelerator stammt, verspricht eine Implementierung in nur fünf Tagen.
Und auch der Schweizer Anbieter Squirro mischt mit: Am 20. Juli veröffentlichte das Unternehmen 13 vorgefertigte KI-Agenten für Personalabteilungen, Rechtsabteilungen und den Vertrieb. Zu zu den Kunden zählen große europäische Finanzinstitute und Industriekonzerne.
Tech-Giganten auf Standardisierungskurs
Die großen Technologiekonzerne ziehen an einem Strang – zumindest was die Architektur angeht. Branchenbeobachter berichten, dass Amazon, Microsoft und Google auf gemeinsame Protokolle zusteuern. Ziel: KI-Agenten sollen zwischen verschiedenen Plattformen portabel und interoperabel werden.
OpenAI meldet derweil einen Meilenstein: Die KI-Agenten des Unternehmens haben diesen Monat die Marke von zehn Millionen Nutzern geknackt. Auslöser war der Start einer speziellen Arbeitsplattform, die komplexe Büroaufgaben wie Tabellenkalkulationen, Präsentationen und Programmierarbeiten übernimmt.
Auch strategische Partnerschaften treiben die Entwicklung voran. Intel und Google Cloud haben am 16. Juli ihre Zusammenarbeit ausgeweitet. Der mehrjährige Vertrag sieht vor, die Gemini Enterprise-Plattform in der gesamten Intel-Belegschaft einzuführen. Erste Pilotprojekte in Marketing und Kommunikation laufen bereits.
Produktivitätssprünge – aber um welchen Preis?
Die Effizienzgewinne sind beeindruckend. SAP meldet in seinem Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026, dass Bosch-Entwickler ihre Produktivität mit KI-Tools um 20 Prozent steigern konnten. Der Textilkonzern LC Waikiki verkürzte seine Personalprozesse um bis zu 60 Prozent. Und für bestimmte Flughafenabläufe reduzierte sich der Verwaltungsaufwand durch spezialisierte Agenten um 90 Prozent.
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Doch die Kehrseite der Medaille ist gravierend. Eine Umfrage unter mehr als 100 Unternehmen vom Juni 2026 offenbart: 54 Prozent haben bereits einen Sicherheitsvorfall mit KI-Agenten erlebt oder knapp vermieden. Die Ursache liegt oft in mangelhaftem Identitätsmanagement. Nur 32 Prozent der Firmen geben jedem Agenten eine eigene Identität. Fast 70 Prozent teilen Zugangsdaten zwischen automatisierten Systemen. Und lediglich 30 Prozent isolieren risikoreiche Agenten in Sandbox-Umgebungen, um größere Schäden zu verhindern.
Die Frage ist nicht mehr, ob KI-Agenten kommen – sondern ob die Unternehmen bereit sind, sie sicher zu betreiben.
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