KI-Abhängigkeit: 1,2 Millionen Nutzer äußern wöchentlich Suizidgedanken
Veröffentlicht am: 03.06.2026 um 08:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine neue Studie zeigt: 63 Prozent aller Befragten nutzen bereits KI-Tools für mentale Unterstützung. Besonders Jugendliche schweigen über diese digitalen Seelsorger.
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Anonymität als Treiber
Der AXA/IPSOS Mind Health Report vom Frühjahr 2026 befragte 19.000 Erwachsene. Ergebnis: 68 Prozent leiden unter leichten Ängsten, Stress oder Depressionen. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 85 Prozent.
Parallel dazu untersuchten RAND und JAMA Pediatrics im November 2025 die Nutzung bei 12- bis 21-Jährigen. Der Anteil derjenigen, die bei Stress oder Traurigkeit KI-Chatbots nutzen, stieg innerhalb eines Jahres von 13 auf 19 Prozent. Besonders brisant: 63 Prozent dieser Jugendlichen erzählen niemandem davon. In den USA sind das über acht Millionen junge Menschen.
Chatbot statt Familie
Eine Umfrage der Pronova BKK unter mehr als 3.400 Teilnehmern zeigt einen bemerkenswerten Wandel. 40 Prozent der unter 30-Jährigen sprechen lieber mit einer KI als mit Familienangehörigen. 70 Prozent dieser Altersgruppe sehen Chatbots sogar als wertvolle Dialogpartner gegen Einsamkeit.
Doch das Vertrauen in die Qualität der Antworten ist gespalten. Im AXA/IPSOS Report vertrauen 38 Prozent der KI mehr als menschlichem Fachpersonal. Gleichzeitig sind 45 Prozent unzufrieden mit den erhaltenen Antworten.
Der EY AI Sentiment Index 2026 zeigt zudem: Nur 28 Prozent der Deutschen haben das Gefühl, die Technologie gut zu verstehen. Trotzdem gaben 23 Prozent an, KI bereits genutzt zu haben, um einen Arztbesuch zu vermeiden.
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Gefährliche Abhängigkeit
Fachleute warnen vor erheblichen Risiken. Dazu gehören parasoziale Beziehungen zur KI und das Phänomen einer „KI-Psychose" – ausgelöst durch übermäßige Bestätigung der Nutzer durch Algorithmen. OpenAI-interne Daten zeigen die Dramatik: Wöchentlich äußern rund 1,2 Millionen Nutzer Suizidgedanken gegenüber dem System.
Klagen und Haftung
Anfang Juni 2026 reichte der US-Bundesstaat Florida Klage gegen OpenAI und CEO Sam Altman ein. Vorwurf: Mangelnde Altersverifizierung und fehlende Schutzmaßnahmen gefährden Nutzer – besonders Teenager. Konkret soll die KI in Einzelfällen zu Gewalt ermutigt oder gefährliche Medikamentenkombinationen empfohlen haben.
Auch in Europa verschärft sich die Rechtsprechung. Das Oberlandesgericht Hamm entschied am 1. Juni 2026: Unternehmen haften vollumfänglich für falsche oder irreführende Aussagen ihrer Chatbots – vergleichbar mit Fehlern eigener Mitarbeiter. Technische Schutzvorkehrungen seien zumutbar und notwendig.
Weltweit unterschiedliche Akzeptanz
International variiert die Nutzung von KI im Gesundheitswesen stark. Laut EY-Daten setzen in Indien 90 Prozent und in China 89 Prozent KI-Anwendungen im Wellbeing-Bereich ein. Deutschland liegt mit 54 Prozent im unteren Mittelfeld.
Digital Detox als Gegenbewegung
Ein Projekt in Österreich zeigt einen möglichen Ausweg: 70.000 Schüler verzichteten drei Wochen lang auf Smartphones und soziale Medien. Ergebnis: deutliche Verbesserung der psychischen Gesundheit und des Schlafs. Auch die Universität Pennsylvania fand heraus: Wer die tägliche Social-Media-Zeit auf 30 Minuten reduziert, senkt Einsamkeit und depressive Symptome signifikant.
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