KHK-Reha, Cochrane-Analyse

KHK-Reha: Cochrane-Analyse sieht ein Drittel weniger Klinikeinweisungen

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Metaanalysen zeigen weniger Klinikeinweisungen und Infarkte durch Bewegungstherapie; die Bundesärztekammer fordert eine stärkere Verankerung der Reha.

KHK-Reha: Bewegung senkt Klinikaufnahmen und Herzinfarktrisiko
Ein leerer, sonnendurchfluteter Parkweg in einer Grünanlage, der zu Bewegung und körperlicher Aktivität einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Strukturierte Bewegungsprogramme spielen in der kardiologischen Nachsorge eine entscheidende Rolle. Eine umfassende Metaanalyse der Cochrane Collaboration, veröffentlicht in Glasgow in der Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, belegt den präventiven Wert bewegungsbasierter Maßnahmen bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK).

Die Auswertung verdeutlicht, dass gezielte Bewegungstherapien sowohl die Zahl erneuter stationärer Aufnahmen als auch das Risiko schwerer Folgeereignisse spürbar reduzieren.

Deutliche Senkung von Infarktrisiken und Klinikeinweisungen

Laut den Ergebnissen der Cochrane-Arbeit verringert eine bewegungsbasierte Rehabilitation bei KHK die Rate an Krankenhauseinweisungen um ein Drittel. Das Risiko für erneute Herzinfarkte sinkt demnach um mehr als ein Viertel. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist zudem, dass diese Schutzwirkungen langfristig erhalten bleiben. Gleichzeitig bestätigten die Autoren erneut die generelle Sicherheit von ärztlich begleitetem Koronarsport.

Ergänzt werden diese Erkenntnisse durch Daten aus der CROS-III-Revision, die im European Heart Journal Open erschien. Die dortige Metaanalyse von 29 Untersuchungen mit insgesamt 308.514 Patienten ermittelte nach einem akuten Koronarsyndrom eine Hazard Ratio von 0,64 sowie nach einer Bypass-Operation einen Wert von 0,65. Dies entsprach einer um rund 36 beziehungsweise 35 Prozent niedrigeren Mortalitätsrate bei Patienten, die an einer Rehabilitation teilnahmen.

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Auch bei kardiovaskulären Todesfällen, nicht-tödlichen Schlaganfällen und Krankenhausaufnahmen zeigten sich günstigere Verläufe, wenngleich die Autoren betonen, dass es sich hierbei um statistische Assoziationen und nicht um nachgewiesene Kausalitäten handelt.

Ein Cochrane-Review randomisierter Studien aus dem September 2026 verzeichnete zwar ebenfalls weniger Infarkte und Hospitalisierungen, stufte den reinen Mortalitätsvorteil jedoch als geringer und unsicherer ein.

Forderungen nach struktureller Stärkung der Reha-Medizin

Vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Datenlage rückte auch die gesundheitspolitische Bedeutung kardiologischer Nachsorgeprogramme in den Fokus. In einem Positionspapier mit dem Titel „Reha stärkt Resilienz“ forderte die Bundesärztekammer im Rahmen einer Fachveranstaltung in Berlin, die Rehabilitationsmedizin verbindlicher in der Regelversorgung zu etablieren.

Susanne Johna, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, mahnte an, Rehabilitationsmaßnahmen als strategische Investition statt als nachgelagerten Kostenfaktor zu betrachten.

Das Papier benennt vier zentrale Handlungsfelder:
- die frühzeitige Erkennung von Rehabilitationsbedarfen bereits auf Akutstationen,
- den Ausbau bedarfsgerechter, wohnortnaher sowie mobiler Angebote für ältere Menschen zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit,
- maßgeschneiderte Konzepte für multimorbide Betroffene,
- die Stärkung von Traumarehabilitation, Katastrophenschutz und Fachkräftequalifizierung im Rahmen der Krisenvorsorge.

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Prognosemodelle zur Trainingswirkung

Parallel zur Systemebene untersuchen Wissenschaftler Methoden zur individuellen Optimierung von Bewegungstherapien. Eine im Journal of Sport and Health Science veröffentlichte Studie der Universität Witten/Herdecke, der DRV Clinic Königsfeld und des Instituts FORTH nutzte Machine-Learning-Verfahren, um das Ansprechen auf Standardprogramme vorherzusagen.

In einer Untersuchung von 353 KHK-Patienten nach Infarkt, Angioplastie oder Bypass erreichte ein Random-Forest-Modell eine Vorhersagegenauigkeit von 77 Prozent für klinisch relevante Verbesserungen der maximalen Sauerstoffaufnahme.

Als wichtigste Prädiktoren erwiesen sich hierbei die Atmungseffizienz und die arterielle Steifigkeit bei Reha-Beginn, ergänzt um Einflüsse von Medikationen wie Angiotensin-II-Rezeptorblockern und Kalziumkanalblockern. Solche Ansätze verdeutlichen das Potenzial, Bewegungsprogramme künftig noch gezielter an das individuelle Profil der Erkrankten anzupassen.

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