Keyless-Systeme: ADAC warnt vor 84% anfälligen Fahrzeugen
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 20:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Automobilclub ADAC hat eine Warnung vor erheblichen Sicherheitsrisiken bei schlüssellosen Zugangssystemen für Kraftfahrzeuge veröffentlicht. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass eine Vielzahl von Fahrzeugen weiterhin durch sogenannte Funkverlängerungen für Diebstähle anfällig ist.
In einer langfristigen Bilanz über zehn Jahre wurde deutlich, dass bei fast der Hälfte von 850 getesteten Fahrzeugen das Öffnen per Funkverlängerung gelang, während bei rund einem Drittel sogar der Motorstart möglich war.
Massive Sicherheitsmängel bei der Funkübertragung
Die detaillierte Auswertung des ADAC belegt das Ausmaß der Schwachstellen: Von den 850 untersuchten Fahrzeugen mit Keyless-System konnten 710 Modelle – dies entspricht einer Quote von 84 Prozent – mittels einer Funkverlängerung unbefugt geöffnet werden.
In 682 Fällen war es den Testern zudem möglich, das Fahrzeug im Anschluss zu starten. Diese als Relay-Angriff bekannte Methode ermöglicht es Dieben, das Signal des Fahrzeugschlüssels abzugreifen und über eine längere Distanz zum Auto zu leiten, um ein rechtmäßiges Entriegeln vorzutäuschen.
Trotz der bekannten Problematik identifizierte der ADAC insgesamt 17 Automobilmarken, deren Systeme als komplett angreifbar eingestuft werden. In diesem Zusammenhang wurde Kritik an Herstellern wie Aiways, Alfa Romeo, Alpine, BYD, Chevrolet und DS laut.
Ebenfalls betroffen sind Modelle von Fiat, Honda, Infiniti, Isuzu, Jeep, KGM/Ssangyong, Lynk&Co, MG sowie Opel. Bei diesen Marken fehle es an einem wirksamen Schutz gegen die Überlistung der Funktechnik.
UWB-Technologie als wirksamer Schutzmechanismus
Als derzeit einzig sichere Lösung gilt laut ADAC die Verwendung der Ultra-Wideband-Technologie (UWB). Diese Technik nutzt eine präzise Laufzeitmessung des Funksignals, wodurch das Fahrzeug erkennt, ob sich der Schlüssel tatsächlich in unmittelbarer Nähe befindet. Eine künstliche Verlängerung des Signals führt bei UWB-Systemen nicht zur Entriegelung.
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Bisher sind jedoch lediglich 68 der 850 getesteten Fahrzeuge mit diesem Schutz ausgestattet. Erste Implementierungen der UWB-Technik finden sich bereits seit dem Jahr 2018 bei Jaguar Land Rover sowie seit 2019 bei Audi und Volkswagen.
Mittlerweile setzen auch Marken wie BMW, Cupra, Hyundai, Kia, Mercedes, Seat und Skoda die Technologie in verschiedenen Modellen ein. Der ADAC empfiehlt Autokäufern ausdrücklich, auf die Verfügbarkeit von UWB zu achten, da alternative Sicherheitsvorkehrungen wie integrierte Bewegungssensoren im Schlüssel als weniger sicher eingestuft werden.
Wirtschaftlicher Schaden durch Autodiebstähle nimmt zu
Die Relevanz sicherer Schließsysteme wird durch die aktuelle Kriminalstatistik unterstrichen. Für das Jahr 2024 wurden in Deutschland insgesamt 14.162 Autodiebstähle registriert. Der daraus resultierende wirtschaftliche Schaden beläuft sich auf eine Summe von über 290 Millionen Euro.
Besonders drastisch stellt sich die Situation in Berlin dar. Dort wurden 3.855 Diebstähle verzeichnet, was einer Quote von 39 entwendeten Fahrzeugen pro 10.000 versicherte Pkw entspricht. Im bundesweiten Durchschnitt liegt dieser Wert lediglich bei 3 Fahrzeugen pro 10.000 versicherte Einheiten.
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Empfehlungen für Fahrzeughalter
Um das Risiko eines Diebstahls zu minimieren, raten Experten betroffenen Autobesitzern zu präventiven Maßnahmen. Sofern das Fahrzeug nicht über UWB-Technik verfügt, kann die Deaktivierung der Keyless-Funktion im Bordmenü eine Option sein. Zudem sollte der Fahrzeugschlüssel im Haus oder in der Wohnung niemals in unmittelbarer Nähe von Außenwänden, Türen oder Fenstern aufbewahrt werden, um das Abgreifen des Funksignals von außen zu erschweren.
