Keyless-Go-Diebstahl, Autos

Keyless-Go-Diebstahl: 85% der Autos knacken sich selbst

26.05.2026 - 07:30:15 | boerse-global.de

ADAC-Test zeigt: 85 Prozent der Keyless-Fahrzeuge sind anfällig für Relay-Attacken. Versicherungen verweigern oft die Zahlung.

Keyless-Go-Diebstahl: 85% der Autos knacken sich selbst - Foto: über boerse-global.de
Keyless-Go-Diebstahl: 85% der Autos knacken sich selbst - Foto: über boerse-global.de

Aktuelle Untersuchungen des ADAC zeigen: Rund 85 Prozent der getesteten Fahrzeuge lassen sich mit einfachen technischen Tricks knacken. Die Täter hinterlassen keine Spuren. Für die Besitzer wird das zum Problem – vor allem mit der Versicherung.

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Die Funklücke, die jeder ausnutzen kann

Die Methode ist simpel, aber effektiv. Bei einer Relay-Attacke fangen Kriminelle das Funksignal des Schlüssels ab, der irgendwo im Haus liegt, und leiten es zum Auto weiter. Der Wagen denkt, der Besitzer stehe direkt daneben – und schließt auf. Kein Fenster wird eingeschlagen, kein Schloss geknackt.

Der ADAC hat über 800 Modelle getestet. Das Ergebnis: Bei 85 Prozent funktioniert der Trick. In Soest wurde erst vor Kurzem ein elf Monate alter Pkw auf genau diese Weise gestohlen. Die Polizei NRW bestätigt: Keinerlei Aufbruchsspuren.

Auch international gibt es spektakuläre Fälle. Ende Januar 2026 wurde ein BMW in der Nähe von Venedig leergeräumt – in nur 20 Minuten. Der Besitzer war kurz weg, die Täter erbeuteten Elektronik im Wert von rund 11.000 Euro: Tablet, Kamera, Musikanlage.

Wenn die Versicherung nicht zahlen will

Fehlende Einbruchsspuren bedeuten oft: keine Versicherungsleistung. Viele Gesellschaften verweigern die Regulierung, weil die klassischen Beweise fehlen. Genau das passierte dem BMW-Halter in Italien. Die VHV lehnte ab – kein Einbruch nachweisbar.

Die Wende brachte der Fahrzeug-Fehlerspeicher. BMW las die Daten aus und belegte: Das Auto war ordnungsgemäß verschlossen worden. Erst daraufhin lenkte die Versicherung ein – teilweise. Von 140.000 Euro Schadenersatz zahlte sie gerade mal 4.200 Euro. Eine Quote von drei Prozent.

Der Fall zeigt: Selbst mit Kaskoversicherung bleibt ein enormes finanzielles Risiko.

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Organisierte Banden – vom Diebstahl zur Demontage

Kriminelle Netzwerke haben sich spezialisiert. Am Flughafen Orio al Serio in Bergamo kam es in den letzten Wochen zu einer Serie von Angriffen auf Luxusautos von BMW, Mercedes und Audi. Die Täter stahlen die Fahrzeuge nicht – sie demontierten sie vor Ort. Die Ersatzteile gehen in den Schwarzmarkt. Die Schäden: bis zu 35.000 Euro pro Fall. Der Flughafen hat inzwischen private Sicherheitsdienste für die Nächte engagiert.

Auch die Elektromobilität ist betroffen. In der Nacht zum 25. Mai 2026 wurden in Katlenburg-Lindau (Niedersachsen) sechs Ladekabel von drei Ladesäulen abgetrennt und gestohlen. Die Polizei Northeim ermittelt.

Selbst die Polizei selbst ist nicht immun. In Neapel wurden am 25. Mai vier Personen festgenommen – darunter drei Polizisten. Sie sollen Fahrzeuge als gestohlen gemeldet haben, um Versicherungsentschädigungen zu kassieren. Die Autos waren in Wirklichkeit unversehrt.

So schützen Sie sich vor Keyless-Diebstahl

Die Polizei und Automobilclubs empfehlen eine Kombination aus technischen und mechanischen Maßnahmen. Das Wichtigste: das Funksignal blockieren.

  • Signalblockierung: Bewahren Sie Schlüssel nicht in der Nähe von Türen oder Fenstern auf. Funkabschirmende Hüllen oder Boxen verhindern das Abgreifen.
  • Deaktivierung: Viele Modelle erlauben, die Keyless-Funktion temporär auszuschalten – über das Fahrzeugmenü oder eine Tastenkombination am Schlüssel.
  • Mechanische Sicherungen: Lenkradkrallen oder Parkkrallen schrecken ab. Sie kosten Zeit – und Zeit ist der Feind der Täter.
  • Parkplatzwahl: Abgeschlossene Garagen oder gut beleuchtete, belebte Plätze sind sicherer.

Und: Lassen Sie keine Wertsachen sichtbar im Auto. Ein Vorfall in Frankenthal (21. bis 24. Mai) zeigt, warum: Unbekannte schlugen die Scheibe eines Transporters ein, durchsuchten den Wagen – und fanden nichts. Sie suchten gezielt nach hochwertiger Beute.

Was die Industrie jetzt tun muss

Die Automobilhersteller stehen unter Druck. Neuere Modelle haben Bewegungssensoren im Schlüssel, die das Funksignal bei Nichtbenutzung abschalten. Aber der Großteil der Bestandsfahrzeuge bleibt verwundbar.

Branchenanalysten fordern die verpflichtende Einführung von Ultra-Wideband-Technologie (UWB). Sie misst die Laufzeit des Signals und erkennt so, ob der Schlüssel wirklich in der Nähe ist – oder ob das Signal künstlich verlängert wurde.

Bis dahin bleibt das Risiko bei den Verbrauchern. Die juristische Aufarbeitung wird die Gerichte beschäftigen. Die Beweislast liegt oft beim Versicherten. Die Dokumentation durch fahrzeuginterne Protokolle könnte sich als entscheidendes Instrument erweisen – wie der Fall des BMW in Italien gezeigt hat.

Die Professionalität der Täter erfordert Wachsamkeit und Eigenvorsorge. Von der Verfolgungsjagd mit einem in Berlin gestohlenen Range Rover in Dresden bis zu den organisierten Demontagen in Italien: Die Kriminalität ist einen Schritt voraus.

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