Ketamin-Wirkung, Frauengehirne

Ketamin-Wirkung: Frauengehirne reagieren anders auf Depression-Therapie

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 03:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Forschung zeigt: Ketamin wirkt geschlechtsabhängig und Immunmarker könnten den Therapieerfolg bei Depressionen vorhersagen.

Neue Ketamin-Studien: Geschlecht und Immunstatus beeinflussen Wirkung
Abstrakte Darstellung neuronaler Netzwerke und synaptischer Verbindungen in einem modernen neurowissenschaftlichen Labor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Zwei aktuelle Studien zeigen: Die Wirkung von Ketamin hängt stärker von biologischen Faktoren ab als bislang gedacht. Forscher entdeckten geschlechtsspezifische Mechanismen und Immunmarker, die den Behandlungserfolg vorhersagen könnten.

Weibliches Gehirn reagiert anders auf Ketamin

Eine am 31. Juli in Science Advances veröffentlichte Studie des Institute of Science and Technology Austria (ISTA) und des Allen Institute liefert neue Einblicke in die Erholungsmechanismen nach einer Ketamin-Narkose. Die Forscher um Venturino und Siegert fanden heraus: Mikroglia – die Immunzellen des Gehirns – spielen bei weiblichen Mäusen eine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau neuronaler Netzwerke.

Nach der Ketamin-Verabreichung stieg bei weiblichen Tieren der Spiegel des Stresshormons Corticosteron. Das Hormon aktiviert in den Mikroglia das Gen Fkbp5 beziehungsweise das Protein FKBP51. In der Folge bauen die Immunzellen Teile der extrazellulären Matrix ab – das fördert die synaptische Umgestaltung und damit die neuronale Plastizität. Bei männlichen Tieren ließ sich dieser Prozess nicht beobachten.

Die Forscher bestätigten die Relevanz der Mechanismen durch Gegenproben: Entfernten sie die Mikroglia oder führten eine Adrenalektomie durch, blieb der Plastizitätseffekt aus. FKBP51 identifizierten sie als potenzielles therapeutisches Ziel für geschlechtsspezifische Depressionstherapien.

Immun-Biomarker sagen Behandlungserfolg voraus

Parallel dazu veröffentlichten Forscher des MD Anderson Cancer Center am 30. Juli in Molecular Psychiatry Ergebnisse zu neuroimmunen Pfaden, die sowohl bei Ketamin als auch bei Psychedelika aktiviert werden. Die Analyse zeigt: Patienten, die positiv auf eine Ketamin-Behandlung ansprechen, weisen bereits vor der Therapie spezifische Immunmarker auf.

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Zu den zentralen Befunden gehört eine niedrigere Aktivität des Proteins IL-15 sowie höhere B-Zell-Signale vor Behandlungsbeginn. Nach der Therapie kehrten sich diese Verhältnisse um. Eine begleitende klinische Studie mit 30 Teilnehmern untersuchte den Einsatz des Antikörpers Tocilizumab: 54 Prozent der Probanden erreichten eine Remission, in der Placebogruppe waren es 31 Prozent. Die Forscher hoffen, mit diesen Immun-Biomarkern künftig die Wirksamkeit von Depressionsbehandlungen vorhersagen und personalisieren zu können.

Dosierungsfrage: Flexibel statt fix

Neben den molekularbiologischen Grundlagen rückt auch die praktische Anwendung in den Fokus. Eine im März vorgelegte Dissertation an der Universität Groningen analysierte die Wirksamkeit von oralem Esketamin bei hartnäckigen Depressionen. Die Untersuchung von über 200 Patienten seit 2017 ergab: Eine feste niedrige Dosierung war nicht effektiver als ein Placebo. Eine flexible höhere Dosierung zeigte dagegen signifikante Erfolge. Als häufige Nebenwirkungen dokumentierten die Forscher Dissoziation, Schwindel und Übelkeit.

Sicherheit: Überwachung ist Pflicht

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Experten mahnten bereits Anfang 2025 zur Vorsicht bei der Anwendung. Ein Fachvertreter für Anästhesiologie wies darauf hin, dass Ketamin die Atmung unterdrücken und starke Sedierung verursachen kann – besonders in Kombination mit Alkohol oder anderen Beruhigungsmitteln. Für den Einsatz in der Psychiatrie sei eine fachgerechte Überwachung durch qualifiziertes Personal zwingend erforderlich.

Die Forschungsarbeiten aus dem Juli deuten darauf hin: Die biologische Antwort auf Ketamin hängt weit stärker von individuellen Faktoren wie Geschlecht und Immunstatus ab, als die klinische Praxis bislang berücksichtigt.

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