Keratokonus, Frühes

Keratokonus: Frühes Cross-Linking erreicht laut Facharzt 90 bis 95 Prozent Erfolg

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Susvimo ist in der EU für feuchte Makuladegeneration zugelassen; frühe Abklärung kann auch bei Keratokonus und Lidmilben wichtig sein.

Augenerkrankungen: EU-Zulassung und kostenlose Keratokonus-Behandlung
Nahaufnahme eines menschlichen Auges mit Fokus auf die Iris und Wimpern bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Drei aktuelle medizinische Berichte lenken den Blick auf eine gemeinsame Botschaft: Viele Augenerkrankungen bleiben zu lange unerkannt oder werden falsch gedeutet, obwohl frühzeitige Diagnose und Behandlung den Verlauf entscheidend beeinflussen können. Das betrifft die altersbedingte Makuladegeneration ebenso wie Keratokonus und einen häufig übersehenen Milbenbefall am Lidrand.

Neue Zulassung bei feuchter Makuladegeneration

Die EU-Kommission hat dem Wirkstoff Ranibizumab unter dem Namen Susvimo die Zulassung zur Behandlung erwachsener Patienten mit neovaskulärer, also feuchter, altersbedingter Makuladegeneration (nAMD) erteilt, wie arznei-news.de berichtete.

Vorausgegangen war eine Empfehlung des CHMP-Ausschusses der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA im Juli 2026. Die feuchte Form der Makuladegeneration zählt zu den häufigsten Ursachen für schweren Sehverlust im Alter und erfordert in der Regel eine kontinuierliche Behandlung, um ein Fortschreiten zu verhindern. Fachleute betonen seit Langem, dass eine rechtzeitige Diagnose entscheidend ist, um den Sehverlust zu begrenzen.

Milbenbefall am Lidrand wird häufig übersehen

Parallel dazu rückt ein weiteres, oft unterschätztes Problem in den Fokus: der krankhafte Befall mit Demodex-Milben am Lidrand. Die Augenärztin Christina Jacobi geht davon aus, dass rund 55 Prozent der Patientinnen und Patienten in Augenarztpraxen einen krankhaften Demodex-Befall aufweisen, wobei das Risiko mit dem Alter steigt.

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Typische Beschwerden wie Juckreiz, Brennen und schwankendes Sehen werden laut Jacobi oft fälschlich als trockenes Auge oder als andere Lidrandentzündung eingeordnet, was eine gezielte Behandlung verzögert.

Die Diagnose erfolgt nach Jacobis Angaben meist über einen Blick mit der Spaltlampe auf den Wimpernansatz, wobei zylindrische Kollaretten als hochspezifischer Hinweis gelten. Bei anhaltenden Beschwerden rät sie zu einer gezielten Abklärung.

Zur Behandlung empfiehlt sie Teebaumöl-basierte Präparate mit dem Wirkstoff Terpinen-4-ol, die über mindestens vier bis sechs Wochen täglich angewendet werden sollten. Herkömmliches Teebaumöl könne dagegen reizend wirken. In den USA sind seit 2023 Lotilaner-Augentropfen in einer Konzentration von 0,25 Prozent zugelassen, in der EU steht eine entsprechende Zulassung bislang aus.

Kostenlose Cross-Linking-Behandlung gegen Keratokonus

Am Atatürk-Universitätskrankenhaus in Erzurum wird Patienten mit Keratokonus eine kostenlose Cross-Linking-Behandlung angeboten, die das Fortschreiten der Erkrankung bremsen und so das Risiko einer späteren Hornhauttransplantation senken soll, wie sondakika.com und milliyet.com.tr berichteten.

Nach Angaben von Doç. Dr. Mustafa Y?ld?r?m wurden im vergangenen Jahr rund 40 Patienten behandelt, aktuell nehme die Klinik wöchentlich zwei bis drei neue Patienten auf. Der Eingriff erfolgt unter lokaler Betäubung und dauert nach seinen Angaben etwa 30 Minuten.

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Y?ld?r?m zufolge beginnt Keratokonus meist im Teenageralter und schreitet nach dem 30. Lebensjahr in der Regel nicht weiter fort. Als Warnzeichen nennt er häufiges Augenreiben, Allergien und rasch wechselnde Brillenwerte.

Auch Prof. Dr. An?l Kubalo?lu warnt, dass unbehandelter Keratokonus zu starkem Sehverlust und im schlimmsten Fall zu einer Hornhauttransplantation führen kann. Bei Verdacht empfiehlt er eine gründliche Untersuchung samt Hornhauttopografie.

Als Warnzeichen führt er häufiges Augenreiben, rasch wechselnde Brillenwerte, zunehmenden Astigmatismus sowie schlechtes Sehen trotz Brille an. Cross-Linking bremse zwar das Fortschreiten der Erkrankung, beseitige aber nicht zwingend bereits bestehende Sehfehler, sodass Brille oder Kontaktlinsen weiterhin nötig sein könnten.

Je nach Zustand der Hornhaut und Krankheitsstadium kämen zusätzlich Speziallinsen, intrakorneale Ringe, topografiegeführte Lasereingriffe oder eine Transplantation infrage. Bei früher Behandlung nennt Kubalo?lu für Cross-Linking eine Erfolgsrate von 90 bis 95 Prozent.

Gemeinsamer Nenner: Zeit ist ein entscheidender Faktor

Ob feuchte Makuladegeneration, Keratokonus oder Milbenbefall am Lidrand – in allen drei Bereichen zeigt sich, dass frühzeitige Diagnostik die Behandlungsoptionen erweitert und das Risiko schwerer Folgeschäden verringert.

Für Betroffene mit anhaltenden oder untypischen Augenbeschwerden empfehlen die zitierten Fachleute übereinstimmend, ungeklärte Symptome fachärztlich abklären zu lassen, statt sie vorschnell gängigen Diagnosen wie trockenem Auge zuzuordnen.

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