Keramik-Kühlung, Graz

Keramik-Kühlung: TU Graz senkt Raumtemperatur um 7 Grad

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Steigende Kühlgradtage zwingen Städte und Arbeitgeber zum Handeln. Keramikwände und Solar-Klimaanlagen bieten innovative Lösungen gegen die Überhitzung.

Hitzeschutz in Städten: Neue Kühltechnologien und Arbeitgeberpflichten im Überblick
Modernes, klimatisiertes Büro mit ergonomischem Arbeitsplatz und grünen Architekturelementen zur Hitzeprävention. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Kühlbedarf in Städten explodiert – doch neue Technologien und clevere Kombinationen versprechen Abhilfe. Wir zeigen, was wirklich hilft.

Hitzeatlas belegt: Städte werden zu Backöfen

Die Zahlen sind eindeutig: Ein 2025 veröffentlichter Hitzeatlas für Österreich dokumentiert einen rasanten Anstieg der Kühlgradtage. Lag der Wert 1980 noch bei mageren 1,44, kletterte er bis 2025 auf 25,39. Besonders betroffen: Ballungsräume wie Wien, Linz-Wels und Klagenfurt-Villach sowie das Wiener Umland und Burgenland.

Das Hauptproblem: Die nächtliche Abkühlung bleibt aus. Gebäude und Infrastruktur heizen sich auf, der Energiebedarf für Klimatisierung steigt – und damit auch der Druck auf Arbeitgeber, ihre Büros und Produktionshallen kühl zu halten.

Arbeitgeber in der Pflicht: Diese Regeln gelten

Die Vorgaben sind klar definiert. Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 schreibt vor: Bereits ab 26 Grad Celsius Raumtemperatur sollten erste Kühlmaßnahmen greifen. Ab 30 Grad muss der Arbeitgeber aktiv werden und etwa Getränke bereitstellen. Räume mit mehr als 35 Grad gelten ohne Schutzmaßnahmen schlicht als ungeeignete Arbeitsräume.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema Hitzeschutz befasst, sollte auch die rechtlichen Rahmenbedingungen der allgemeinen Arbeitssicherheit kennen. Dieser kostenlose Report liefert praxiserprobte Hilfsmittel, die vor Aufsichtsbehörden standhalten. Rechtssichere Gefährdungsbeurteilung: Vorlagen und Checklisten jetzt herunterladen

Auch draußen ändert sich etwas: Seit 2026 greift eine Hitzeschutzverordnung für Arbeiten im Freien ab einer gefühlten Warnstufe von etwa 30 bis 34 Grad. Die Gewerkschaft vida fordert besonders im Verkehrssektor verlässliche Kühlung und Wasser. Kritik gibt es allerdings: Freie Dienstnehmer wie Fahrradboten fallen bislang durchs Raster.

3D-Druck gegen die Hitze: Kühle Wand aus Keramik

Forscher der TU Graz verfolgen einen ungewöhnlichen Ansatz: eine kühlende Wand aus 3D-gedruckten Keramikwürfeln mit 23 Zentimetern Kantenlänge. Das Prinzip: Die poröse Struktur nimmt Wasser auf und gibt es kontrolliert ab – Verdunstungskühlung ohne Stromfresser.

In Praxistests in einem Dachgeschoss sank die Temperatur in der Umgebung der Wand um knapp 7 Grad. Ein Prototyp (zwei mal zwei Meter) steht bereits am Campus Neue Technik in der Grazer Stremayrgasse. Das Projekt fördert das aws-Programm „Proof of Concept“. Neben Ton experimentieren die Forscher um Milena Stavric mit Pilzmyzel und Schlamm aus dem Neusiedler See – Nachhaltigkeit inklusive.

Anzeige

Für Verantwortliche im Arbeitsschutz sind klare Strukturen bei der Bewertung von Arbeitsumgebungen essenziell, um rechtliche Risiken zu vermeiden. Mit diesen kostenlosen Vorlagen sparen Sie Zeit und erstellen Gefährdungsbeurteilungen, die sofort behördlich anerkannt werden. Kostenlose Vorlagen und Checklisten zur Gefährdungsbeurteilung sichern

Solar-Klimaanlage: Balkonkraftwerk macht's möglich

Für Bestandsgebäude bleibt die Split-Klimaanlage die Standardlösung. Clever wird's in Kombination mit Photovoltaik: Der höchste Kühlbedarf fällt genau dann an, wenn die Sonne am stärksten scheint – und die Solaranlage am meisten Strom liefert. Die laufenden Kosten sinken so im Sommer nahezu auf null.

Ein Beispiel: Ein 800-Watt-Balkonkraftwerk deckt den Tagesbedarf einer Standard-Klimaanlage bei dreieinhalb Stunden Laufzeit komplett. Nebenbei entlastet die Kopplung die Stromnetze bei sommerlichen Spitzenlasten. Und die Forschung arbeitet schon an der nächsten Generation: Festkörperkühlung soll künftig noch effizienter arbeiten.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 69916494 |