Kaufsucht im Netz: Betroffene verbringen täglich bis zu zehn Stunden online
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 02:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die digitale Bindung zwischen Social-Media-Nutzenden und reichweitenstarken Online-Persönlichkeiten rückt verstärkt in den Fokus des Verbraucherschutzes. In der dritten Staffel des Storytelling-Podcasts „dürfen die das?“ beleuchtet die Verbraucherzentrale Berlin das Phänomen unter dem Titel „Para, Sozial“.
Das Format, das vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gefördert wird, widmet sich der Frage, wie scheinbar persönliche Beziehungen im Netz das Konsumverhalten, finanzielle Entscheidungen und das psychische Wohlbefinden von Followern beeinflussen, wie aus einem Bericht der Organisation vom 8. Oktober 2026 hervorgeht.
Parasoziale Dynamiken und der Einfluss digitaler Vorbilder
Im Zentrum der Podcast-Reihe, die von Host Yasmin Polat moderiert wird, stehen parasoziale Beziehungen. Dabei bauen Nutzende eine einseitige, emotionale Bindung zu Influencern auf, die von Betroffenen als vertraute Freundschaft wahrgenommen werden kann. Dieser psychologische Mechanismus wird im Marketing gezielt genutzt, um Vertrauen zu schaffen und Kaufentscheidungen zu lenken.
Die Veröffentlichung der Staffel ist auf vier reguläre Folgen im Zwei-Wochen-Takt ausgelegt, die jeweils donnerstags um 17 Uhr erscheinen. Ergänzt wird die Reihe Anfang Dezember durch eine Bonusfolge, die sich gezielt mit dem Weihnachtsgeschäft auseinandersetzt.
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Neben herkömmlichen Profilen thematisiert die Produktion auch den zunehmenden Einsatz von KI-Influencern, deren algorithmisch gesteuerte Inszenierung neuartige Herausforderungen für Transparenz und Verbraucherschutz aufwirft.
Risiken zwischen Kaufsucht und verdeckten Betrugsmustern
Die Verknüpfung von emotionaler Bindung und kommerziellen Interessen birgt erhebliche Risiken für Konsumentinnen und Konsumenten. Besonders deutlich zeigt sich dies bei problematischen Nutzungsgewohnheiten und Impulskäufen im Internet.
Nach Erkenntnissen von Prof. Dr. Astrid Müller von der Medizinischen Hochschule Hannover browsten Kaufsucht-Patientinnen und -Patienten zwischen sechs und zehn Stunden täglich im Netz, was die Rolle permanenter digitaler Reize bei der Entstehung von Abhängigkeiten unterstreicht.
Zudem verschwimmen im Netz häufig die Grenzen zwischen scheinbar authentischen Empfehlungen und gezielter Täuschung. Marian Kulig vom Projekt Faktencheck Finanzen der Verbraucherzentrale NRW wies darauf hin, dass die eigentliche Abzocke erst im Privaten stattfinde.
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Was öffentlich als freundschaftlicher Ratschlag oder exklusiver Tipp inszeniert wird, verlagere sich für den eigentlichen Abschluss oft in geschlossene oder private Kanäle, in denen Betroffene einem erhöhten Druck ausgesetzt sind und rechtliche Schutzmechanismen schwerer greifen.
Konsumreflexion im digitalen Alltag
Das Aufklärungsprojekt der Verbraucherzentrale Berlin setzt darauf, die psychologischen und ökonomischen Mechanismen hinter solchen Dynamiken sichtbar zu machen.
Angesichts von Betrugsmaschen, Suchtpotenzialen und automatisierten Marketingmethoden wird die kritische Reflexion des eigenen Medien- und Konsumverhaltens zu einem wesentlichen Schutzfaktor. Ziel ist es, Konsumenten dafür zu sensibilisieren, digitale Angebote distanzierter zu betrachten und finanzielle Fehlentscheidungen frühzeitig zu vermeiden.

