Katastrophenvorsorge, Deutschen

Katastrophenvorsorge: Nur ein Viertel der Deutschen ist ausreichend vorbereitet

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schulungen, technische Hilfen und Mobilitätstrainings stärken die Vorbereitung älterer Menschen auf Notfälle und Herausforderungen im Alltag.

Notfallvorsorge im Alter: Kurse, Hausnotruf und Alltagstrainings
Ein heller, leerer Schulungsraum in einem Gemeindezentrum mit einem medizinischen Übungsmodell auf einem Tisch. Illustration mit AI erstellt.

Zahlreiche Bildungseinrichtungen und Trainingszentren verstärken derzeit ihr Angebot an gezielten Schulungen, um ältere Menschen auf den Umgang mit Notfällen vorzubereiten.

Das Spektrum reicht von der Vorsorge gegen extreme Wetterereignisse und Stromausfälle bis hin zu Mobilitätstrainings und medizinischer Erstversorgung. Angesichts einer komplexer werdenden Sicherheitslage gewinnen diese präventiven Maßnahmen zunehmend an Bedeutung für die individuelle Resilienz im Alter.

Gezielte Krisenhilfe und medizinische Erstversorgung

Im saarländischen Gersheim bieten die Kreisvolkshochschule Saarpfalz-Kreis und das DRK St. Ingbert spezielle Krisenhilfe-Module an, die sich an Bürger ab 13 Jahren richten.

Ein zentrales Element ist das Modul zur Vorbeugung und Reaktion, das am 27. Oktober in der Gemeinschaftsschule Gersheim durchgeführt wird. In drei Unterrichtseinheiten lernen die Teilnehmer grundlegende Verhaltensweisen für Krisensituationen kennen und erhalten im Anschluss ein Zertifikat.

Ergänzend dazu ist für den 3. und 5. November ein Kurs zur medizinischen Erstversorgung geplant. Diese Schulung umfasst sechs Unterrichtseinheiten und vermittelt Kenntnisse, die über die klassische Erste Hilfe hinausgehen. Auch hierfür ist eine Anmeldung erforderlich.

Die Notwendigkeit solcher Kenntnisse wird auch durch Berichte des DRK-Kreisverbands Ravensburg unterstrichen. Dort werden in regelmäßigen Kursen Basismaßnahmen wie die stabile Seitenlage, die Helmabnahme bei Unfällen sowie die Wiederbelebung trainiert, wobei der Fokus stets auf dem Eigenschutz und dem korrekten Absetzen des Notrufs liegt.

Technologische Assistenzsysteme und häusliche Sicherheit

Ein wesentlicher Baustein der Seniorensicherheit ist die technologische Unterstützung im Alltag. Nach Angaben der Johanniter nutzen deutschlandweit bereits mehr als 300.000 Kundinnen und Kunden den Hausnotruf der Organisation. Das System bietet eine Erreichbarkeit an 365 Tagen im Jahr und verfügt in der mobilen Variante über GPS-Ortung sowie eine Freisprechfunktion.

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Interessenten haben bis zum 2. November 2026 die Möglichkeit, diesen Dienst in einer vierwöchigen Testphase kostenfrei zu erproben. Die Finanzierung der Basisabsicherung kann bei anerkannter Pflegebedürftigkeit vollständig von der Pflegekasse übernommen werden. Das Angebot ist zudem ohne Mindestlaufzeit monatlich kündbar, was die Hürden für den Einstieg in die technische Vorsorge senken soll.

Expertenwarnungen und gesellschaftliche Vorsorgedefizite

Trotz der Vielzahl an Angeboten mahnen Experten eine höhere Eigenverantwortung an. Malteser-Präsident Martin Schelleis wies jüngst auf eine verschärfte Bedrohungslage hin, die unter anderem durch Blackouts, Anschläge oder den Einsatz von Drohnen geprägt sei. Er verwies darauf, dass laut aktuellen Erhebungen lediglich ein Viertel der Deutschen ausreichend für den Katastrophenfall vorsorgt.

Schelleis empfiehlt eine konsequente persönliche Vorbereitung und führt als Beispiel einen ständig bereitgehaltenen 80-Liter-Rucksack für Notfälle an.

Diese Thematik wird auch im öffentlichen Raum adressiert. So findet am 9. Oktober ein Katastrophenschutz-Tag in Langensteinbach statt. Während am Vormittag 24 Schulklassen über die Zusammenarbeit von Rettungsorganisationen bei Überschwemmungen oder flächendeckenden Stromausfällen informiert werden, öffnet die Veranstaltung am Nachmittag ihre Pforten für die allgemeine Bevölkerung.

Mobilität und soziale Kompetenzschulungen

Neben der akuten Krisenvorsorge rücken praktische Alltagstrainings in den Vordergrund. In der Stadt Landsberg wurde im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche bereits zum zweiten Mal ein Bustraining für Senioren durchgeführt. Dabei übten 16 Teilnehmende am Bahnhof das sichere Ein- und Aussteigen mit dem Rollator sowie das gelenkschonende Verlassen des Fahrzeugs. In Köln bieten Netzwerke zudem kostenfreie Kurse zur Sturzprävention an, um die Sicherheit im häuslichen Umfeld zu erhöhen.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Umgang mit demenziellen Erkrankungen. In Kärnten wird nach einer erfolgreichen Pilotphase in Villach und Velden eine spezielle Demenzkompetenz-Schulung für Polizeikräfte ausgeweitet. In den kommenden zwei Jahren sollen rund 160 Beamte an neun Dienststellen geschult werden, um die rund 10.000 im Bundesland lebenden Betroffenen besser identifizieren und deeskalierend mit ihnen kommunizieren zu können.

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Schließlich gewinnen auch Angebote zur psychosozialen Begleitung an Breite. Die Initiative Letzte-Hilfe Deutschland bietet bundesweit vierstündige Kurse an, in denen Laien lernen, Sterbende zu begleiten. Seit dem ersten Kurs im Jahr 2015 in Schleswig ist das Netzwerk auf 6.000 Kursleitende in Deutschland angewachsen und mittlerweile in fast 20 Ländern aktiv.

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