Kassenstruktur, Linnemann

Kassenstruktur: Linnemann bringt höchstens 20 Krankenkassen ins Gespräch

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 17:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein AOK-Nordost-Beirat empfiehlt Investitionen, bessere Dateninfrastrukturen und rechtliche Anpassungen für den KI-Einsatz im Gesundheitswesen.
Ein minimalistischer, moderner Krankenhausflur mit klaren Linien und hellem, natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, Daniela Teichert, hat die Notwendigkeit einer beschleunigten digitalen Transformation und des gezielten Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) in der gesetzlichen Krankenversicherung hervorgehoben. Durch die Begrenzung der Verwaltungsausgaben würden die anfallenden Aufgaben für die Kassen künftig nicht leichter zu bewältigen sein.

KI müsse daher genutzt werden, um aus bestehenden Versorgungsdaten zu lernen und Abläufe zu optimieren. Das Ziel sei es, im Sinne der Versicherten deutlich proaktiver zu agieren. Teichert äußerte sich am 2. November 2026 bei einer Veranstaltung anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Wissenschaftlichen Beirats für digitale Transformation ihrer Kasse.

Empfehlungen für den KI-Einsatz im Gesundheitssektor

Die AOK Nordost hatte das Expertengremium Ende 2016 als eine der ersten gesetzlichen Krankenkassen ins Leben gerufen. Dirk Heckmann, Geschäftsführer des Beirats, betonte bei der Jubiläumsveranstaltung, dass der Einsatz von KI erhebliche Chancen für das Gesundheitswesen biete.

Aus den Beratungen des Gremiums ging der Leitfaden „Kompass KI im Gesundheitswesen 2026“ hervor. Darin fordern die Experten verstärkte Investitionen, den zügigen Ausbau verlässlicher Dateninfrastrukturen sowie gezielte Maßnahmen in der Aus- und Weiterbildung.

Zudem seien eine fundierte Begleitforschung sowie Anpassungen im Haftungsrecht und bei behördlichen Zulassungsverfahren erforderlich, um KI-Anwendungen rechtssicher in die Regelversorgung zu integrieren.

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Debatte um Kassenstrukturen und Digitalisierung

Die Forderung nach mehr digitaler Effizienz trifft auf eine gesundheitspolitische Debatte über die künftige Kassenlandschaft. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann strebt strukturelle Anpassungen bei den gesetzlichen Kassen an. Er erklärte in einem Interview, dass es ihm nicht allein um die Größe der Institutionen gehe, sondern darum, was Kassen im digitalen Zeitalter leisten müssten.

Da Datenverarbeitung und KI dabei eine entscheidende Rolle spielten, müssten sich auch die Kassenstrukturen verändern. Im August 2026 hatte Linnemann eine Reduzierung auf maximal 20 Kassen ins Gespräch gebracht.

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Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands gab es Anfang 2026 knapp 93 gesetzliche Krankenkassen. Konkrete Vorschläge der Politik werden für Ende Dezember 2026 erwartet, wenn der Bericht einer eingesetzten Finanzkommission vorliegt.

Branchenexperten mahnen jedoch zu einer differenzierten Betrachtung. Die Gesundheitsökonomin Annika Herr gab zu bedenken, dass die Versichertenzahl allein kein verlässlicher Gradmesser für die digitale Leistungsfähigkeit einer Kasse sei. Dies zeigt sich auch bei spezialisierten IT-Dienstleistern: Von 68 Betriebskrankenkassen, die vom IT-Dienstleister Bitmarck versorgt werden, zählen 55 höchstens 250.000 Versicherte.

Zudem verwies GKV-Chef Oliver Blatt darauf, dass die Verwaltungskosten lediglich rund vier Prozent der Gesamtausgaben der Kassen ausmachen. Gesetzliche Schwellenwerte für Mindestgrößen oder verpflichtende Zusammenschlüsse sind bislang rechtlich nicht verankert: Nach Paragraf 155 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch erfolgen Kassenfusionen grundsätzlich auf freiwilliger Basis, was für strukturelle Eingriffe gesonderte Gesetzesanpassungen erfordern würde.

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