Kassen, Streit

Kassen gegen Ärzte: Streit um Wartezeiten betrifft 75 Millionen Versicherte

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 11:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Kassenverband weist Warnungen vor längeren Wartezeiten zurück; Ärztevertreter sehen die Terminversorgung durch geplante Einschnitte gefährdet.
Ein moderner, leerer Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit medizinischen Geräten und einer Untersuchungsliege. Illustration mit AI erstellt.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen hat Vorhaltungen aus der Ärzteschaft scharf zurückgewiesen und den Medizinern vorgeworfen, gesetzlich Versicherten mit Warnungen vor längeren Wartezeiten unnötige Angst zu machen.

Anlass der Auseinandersetzung ist das geplante Sparpaket der Bundesregierung für das Gesundheitswesen, mit dem Einsparungen erzielt werden sollen, da sowohl den Kranken- als auch den Pflegekassen finanzielle Mittel fehlen.

Streit um Bonuszahlungen und Honorare

Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Kassen-Spitzenverbands, Stefanie Stoff-Ahnis, trat der Darstellung entgegen, dass künftig weniger Arzttermine zur Verfügung stünden, weil die Bezahlung sinke. Diese Behauptung treffe nicht zu. Es würden keine ärztlichen Honorare gekürzt, sondern lediglich Bonuszahlungen für besonders schnell vergebene Termine gestrichen.

Diese Zulagen hätten ihren Zweck verfehlt und Wartezeiten in der Praxis nicht verkürzt. Stoff-Ahnis bezeichnete die Warnungen der Ärztefunktionäre als Affront gegenüber den 75 Millionen gesetzlich Versicherten im Land.

Zur Untermauerung ihrer Position verwies die Kassenvertreterin auf die wirtschaftliche Lage der Praxen sowie die jüngsten Honorarabschlüsse. Bei den Honorarverhandlungen für das Jahr 2027 steigt die Vergütung ärztlicher Leistungen um 2,2 Prozent beziehungsweise um eine Milliarde Euro.

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Gesetzlich Versicherte finanzieren damit weiterhin rund 50 Milliarden Euro an ärztlichen Honoraren. Zudem liege der durchschnittliche Reinertrag der Praxen vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungen bei deutlich über 200.000 Euro pro Jahr. Vorwürfe, es gebe Honorarkürzungen, bezeichnen die Krankenkassen angesichts dieser Zahlen als falsch.

Ärztevertreter warnen vor spürbaren Engpässen

Aufseiten der Mediziner wird die Reform der Bundesregierung hingegen vehement kritisiert. Kassenärzte-Chef Andreas Gassen hatte davor gewarnt, gesetzlich Versicherte müssten sich künftig auf deutlich längere Wartezeiten einstellen.

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Nach Darstellung von Gassen habe die Bundesregierung durch die Kürzung von Finanzmitteln für die ambulante Versorgung mehr als 50 Millionen Termine gestrichen. Die bestehende Terminnot werde sich dadurch weiter verschärfen. Die Kassenärzte lehnen die geplante Streichung der Bonuszahlungen ab und sehen die zeitnahe Terminvergabe für Patienten gefährdet.

Die Auseinandersetzung um die Ausgestaltung der Sparpläne beschränkt sich nicht nur auf den verbalen Schlagabtausch zwischen Kassen und Standesvertretern. Auch in der Öffentlichkeit formiert sich Gegenwind: Am 24. Oktober 2026 demonstrierten in Hamburg Hunderte Menschen gegen die geplante Gesundheitsreform.

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