Kanarischer Holunder: Extrakt hemmt Schmerzen im Tierversuch stärker als Ibuprofen
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.dePflanzliche Wirkstoffe rücken in der pharmazeutischen Forschung zunehmend in den Fokus, wenn es um Alternativen oder Ergänzungen zu synthetischen Schmerz- und Entzündungshemmern geht.
Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit der Universidad de La Laguna im Fachjournal Ars Pharmaceutica, über die die Universität in einem Bericht vom 03.11.2026 informierte, analysierte 18 Studien zu 13 endemischen Pflanzenarten der Kanarischen Inseln. Das Ergebnis der Auswertung zeigt, dass sämtliche der untersuchten Arten analgetische oder antiinflammatorische Eigenschaften aufweisen.
Hohe Hemmwerte bei kanarischen Pflanzenextrakten
Besonders deutliche Effekte zeigten sich bei mehreren spezifischen Arten im Vergleich zu etablierten Standardmedikamenten. Für den kanarischen Holunder (Sambucus palmensis) ermittelten die Forscher, dass ein wässriger Extrakt im Tierversuch eine Schmerzhemmung von 89,04 Prozent erreichte. Das Vergleichsmedikament Ibuprofen kam im selben Versuchsaufbau auf 73,97 Prozent.
Bei Smilax canariensis verzeichnete ein Methanolextrakt eine Schmerzhemmungsrate von 76,67 Prozent, während das nichtsteroidale Antirheumatikum Piroxicam bei 59,56 Prozent lag. Auch für Sideritis candicans var. eriocephala wurde ein beachtliches Ergebnis dokumentiert: Eine Chloroformfraktion erzielte 73,24 Prozent Hemmung, wohingegen Ibuprofen in dieser Versuchsreihe 37,94 Prozent erreichte.
Differenzierte Resultate ergaben sich bei weiteren Vertretern der untersuchten Flora. Ein wässriger Extrakt aus Neochamalea pulverulenta wies eine Hemmung von 95,90 Prozent auf, während Ibuprofen hier einen Wert von nahe 100 Prozent verzeichnete.
Schwächer als Ibuprofen schnitten hingegen die Arten Hypericum canariense, Hypericum glandulosum und Hypericum reflexum ab. Neben der Wirksamkeit hob die Auswertung der Universidad de La Laguna zudem die Vielseitigkeit der Gewächse hervor: Bei 69,2 Prozent der untersuchten Arten lässt sich mehr als ein Pflanzenteil nutzen.
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Traditionelle Hausmittel und Nadelbaumextrakte im Vergleich
Neben den Laboranalysen isolierter Extrakte spielen pflanzliche Zubereitungen seit langem in der traditionellen Volksheilkunde eine Rolle bei Schmerzen und Beschwerden.
Laut einem Bericht des BR-Ratgebers vom 02.11.2026 entfalten etwa ätherische Öle heimischer Nadelbäume wie Fichte, Waldkiefer und Latsche schleimlösende, abhustenfördernde sowie durchblutungsfördernde Effekte. Eingesetzt werden sie sowohl bei Erkältungen als auch bei Muskel- und Gelenkbeschwerden.
Das Öl der Waldkiefer weist einen Gehalt an Alpha-Pinen von 22 bis 43 Prozent auf. Praktische Zubereitungen umfassen unter anderem ein Fichtennadelbad mit 100 Gramm frischen Nadeln oder 50 Gramm getrockneten Nadeln (mit einer Ziehzeit von 15 statt 10 Minuten) auf zwei Litern Wasser, ergänzt um zehn Tropfen Öl, bei einer empfohlenen Badedauer von rund 20 Minuten.
Zudem lässt sich eine mindestens ein Jahr haltbare Kiefernharzsalbe aus 50 Gramm Harz, 15 Gramm Bienenwachs und 50 Gramm Olivenöl herstellen. Für ein Latschenkiefer-Massageöl mit einer Haltbarkeit von etwa neun Monaten werden 90 Milliliter Johanniskrautöl, neun Tropfen Latschenkiefernöl, neun Tropfen Rosmarinöl und zwei Tropfen Immortellenöl kombiniert.
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Umschläge bei stumpfen Verletzungen und toxikologische Grenzen
Zur Behandlung von Quetschungen empfiehlt ein Bericht des Portals Pflanzenfreunde.com vom 02.11.2026 das Auflegen zerstoßener frischer Blätter von Engelwurz, Weißkohl, Vogelmiere, Frauenmantel oder Sanikel.
Für Kompressen werden verschiedene Aufgüsse beschrieben, darunter Odermennig mit 100 Gramm getrockneten Blättern in einem Liter Wasser (15 Minuten kochen und fünf Minuten ziehen lassen), Ysop mit 120 Gramm blühenden Sprossspitzen (15 Minuten Ziehzeit) oder Ringelblume mit 30 Gramm Blüten auf einen Liter Wasser (ten Minuten Ziehzeit).
Für die innerliche Anwendung nennt der Bericht Myrte mit 20 Gramm Blättern in einem Liter Wasser bei zehn Minuten Ziehzeit, wovon täglich eine Tasse getrunken werden kann.
Gleichzeitig verweist die pflanzliche Erfahrungsheilkunde auf deutliche Grenzen und Risiken. Wegen ihrer Toxizität wird von Anwendungen mit Kleinem Immergrün sowie Gemeiner Schmerwurz abgeraten. Auch von Rezepturen mit Rainfarn – etwa einem Aufguss aus 20 Gramm Blüten beziehungsweise Blättern und einem Teelöffel Salz in einem Liter Wasser – wird aufgrund der Giftigkeit der Pflanze ausdrücklich abgeraten.
