Kamera-Brillen: EU verbietet sexuelle Deepfakes ab Dezember 2026
Veröffentlicht: 29.06.2026 um 23:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die polizeiliche Kriminalprävention schlägt Alarm: Intelligente Brillen mit Kamerafunktion werden zunehmend für heimliche Aufnahmen missbraucht. Die Betroffenen landen ohne ihr Wissen in sozialen Netzwerken – mit potenziell verheerenden Folgen wie Bloßstellung, Beleidigung oder Belästigung. Der Warnhinweis kommt nicht von ungefähr: Der Markt für die tragbare Technologie boomt.
Markt für Smart Glasses wächst rasant
Die Verkaufszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Meta setzte 2025 rund sieben Millionen Einheiten seiner in Kooperation mit Oakley und Ray-Ban produzierten Smart Glasses ab – zu Preisen ab etwa 300 US-Dollar. Auch der Schweizer Händler Digitec Galaxus verzeichnete im Mai 2026 ein Absatzplus von 44 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn.
Und der Trend setzt sich fort. Google und Samsung planen den Marktstart von Android-XR-Geräten für den Herbst 2026. Apple wird voraussichtlich 2027 nachziehen. Kamerabestückte Brillen entwickeln sich damit zum Massenmarktprodukt.
Datenschutz-Skandale erschüttern die Branche
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Die Technologie hat bereits ihre Schattenseiten gezeigt. Bei Meta flog ein Skandal auf: Ein kenianischer Subunternehmer hatte intime Bilder gesichtet, die von der KI der Brillen verarbeitet wurden. Die Folge: rund 1.000 Entlassungen und die Auflösung des Vertrags. Zudem entdeckten Experten im Quellcode einer App Hinweise auf eine Gesichtserkennungsfunktion namens „Name Tag“. Meta entfernte die Funktion nach Recherchen.
Auch im Alltag mehren sich die Vorfälle. Privatpersonen fotografierten Bundestrainer Julian Nagelsmann ohne Erlaubnis und boten die Bilder Medien zum Kauf an. In Bremen nahm die Polizei Ende Juni einen Mann fest, der Frauen im Hauptbahnhof heimlich unter die Kleidung gefilmt hatte.
Städte reagieren mit Verboten
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Erste deutsche Kommunen ziehen die Notbremse. Sie verbieten Smart Glasses in öffentlichen Einrichtungen wie Freibädern – der Schutz der Intimsphäre hat Priorität. Auch die Justiz wird aktiv: Das Amtsgericht Hannover erklärte digitale Türspione in Wohneigentumsanlagen für unzulässig, wenn sie Gemeinschaftsflächen erfassen und Material speichern oder übertragen.
Auf europäischer Ebene greifen bald schärfere Regeln. Die EU-Mitgliedsländer haben einem Verbot für KI-Anwendungen zugestimmt, die sexualisierte Deepfakes erstellen. Die Regelung tritt Anfang Dezember 2026 in Kraft und wird vom EU-KI-Amt überwacht. Ausgenommen sind lediglich satirische Darstellungen. Ziel: Die missbräuchliche Erstellung realistischer Bilder von Intimbereichen und sexuellen Handlungen unterbinden.
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