Kaltes Wasser und Blutdruck: Studie misst Anstieg um bis zu 48,16 mmHg
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Regulierung des Blutdrucks hängt eng mit dem Flüssigkeitshaushalt und der Zufuhr von Mineralstoffen zusammen. Während die Reduktion von Natrium seit Langem als Standardmaßnahme gilt, zeichnen wissenschaftliche Untersuchungen ein differenziertes Bild: Sowohl Dehydrierung als auch kurzfristige Trinkmengen beeinflussen die Gefäße direkt, während die tatsächliche Salzbelastung vor allem aus verarbeiteten Lebensmitteln stammt.
Mechanismen der Hydratation und Gefäßregulation
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr trägt maßgeblich zur Blutdruckstabilität bei. Dr. Luke Laffin, Kardiologe an der Cleveland Clinic, erklärt, dass Dehydrierung den Blutdruck entweder absenken oder über eine steigende Natriumkonzentration sowie die Ausschüttung des gefäßverengenden Hormons Vasopressin ansteigen lassen kann.
Diesen Zusammenhang stützt eine im Fachjournal Nephrology Dialysis Transplantation veröffentlichte Auswertung von 126 Teilnehmern. Im Rahmen des kontrollierten Mars500-Protokolls stieg der systolische Blutdruck bei sechs gesunden Männern infolge reduzierter Flüssigkeitszufuhr und hoher Urinkonzentration über 205 Tage im Durchschnitt um 8 mmHg.
Im SSIS-Protokoll mit 79 gesunden Erwachsenen und 47 Patienten mit essenzieller Hypertonie fiel die 24-Stunden-Natriumausscheidung in beiden Gruppen ähnlich aus. Dies deutet darauf hin, dass Wassermangel und die Aktivierung von Vasopressin sowie Angiotensin II treibende Faktoren sind. Zudem kann Flüssigkeitsmangel über eine Aktivierung des Sympathikus den Druck erhöhen.
Akute Effekte und Richtwerte für die Trinkmenge
Flüssigkeitsaufnahme wirkt sich jedoch auch unmittelbar auf den Kreislauf aus. Eine in Circulation publizierte Untersuchung an elf gesunden älteren Erwachsenen zeigte nach dem Trinken von 480 ml Wasser einen durchschnittlichen systolischen Anstieg um 11 mmHg. Bei Patienten mit schwer gestörter autonomer Funktion stieg der Wert 30 bis 35 Minuten danach sogar um 33 bis 37 mmHg.
Auch die Wassertemperatur spielt eine Rolle. Laut einer Studie in Frontiers in Neurology verzeichneten neun Frauen mit einem Durchschnittsalter von 71 Jahren nach 200 ml Wasser bei 28 °C einen systolischen Anstieg um 21,84 mmHg. Bei 4 °C kaltem Wasser betrug das Plus 41,53 mmHg und bei kaltem kohlensäurehaltigem Wasser 48,16 mmHg.
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Bei 13 jüngeren Erwachsenen im Durchschnittsalter von 20 Jahren lagen die Steigerungen bei 15,31, 22,56 beziehungsweise 32,6 mmHg. Die Koreanische Gesellschaft für Hypertonie empfiehlt aus diesem Grund, den Blutdruck vor dem Trinken zu messen.
Als grobe Orientierung für gesunde Erwachsene gelten sechs bis acht Gläser Wasser täglich mit jeweils rund 240 ml. Die französische Behörde Anses empfiehlt 1,5 bis 2 Liter pro Tag, während das US National Institute of Sciences inklusive Nahrung Richtwerte von etwa 2,7 Litern für Frauen und 3,7 Litern für Männer angibt.
Natriumquellen: Risiken verarbeiteter Lebensmittel
Neben der Trinkmenge bleibt die Salzzufuhr ein wesentlicher Faktor. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen weniger als 2.000 mg Natrium pro Tag, was unter 5 g Salz entspricht. Der weltweite Schnitt lag 2021 laut WHO jedoch bei 4.278 mg pro Tag.
Dr. Vincent Valinducq verweist darauf, dass französische Erwachsene im Schnitt 9 g Salz täglich aufnehmen – rund 80 Prozent davon entfallen auf verarbeitete Produkte und nur 20 Prozent auf das Nachsalzen.
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Dr. Dien Kurtanti von der Ikatan Dokter Indonesia betont, dass Mineralwasser mit einem Natriumgehalt von etwa 46 mg pro Liter kaum ins Gewicht fällt. Bei zwei Litern täglich nehme man lediglich 92 mg Natrium auf, was weit unter der bei Bluthochdruck empfohlenen Maximalzufuhr von 1.200 mg pro Tag liege.
Der Fokus müsse daher auf Fertiglebensmitteln liegen. Hohe Natriumwerte ab 2.300 mg täglich fördern Wassereinlagerungen und erhöhen das Blutvolumen, während übermäßige Zufuhr ab 3.500 mg mit schwerer Retention und Hypertonie im Stadium 2 assoziiert wird.
Bei bestehenden Vorerkrankungen erfordert das Flüssigkeitsmanagement Vorsicht: Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) raten bei schwerer Herzinsuffizienz oder Hyponatriämie zu einer Begrenzung auf 1,5 bis 2 Liter täglich.
Gleichzeitig belegte eine im Oktober 2026 auf den AHA Hypertension Scientific Sessions vorgestellte Sekundäranalyse der GoFresh-Studien, dass eine kaliumreiche Kost bei gleichzeitiger Einnahme gängiger Blutdruckmedikamente nicht zu gefährlichen Kaliumspitzen führte. Kalium fungiert im Körper als physiologischer Gegenspieler, der die Natriumausscheidung unterstützt.
