Kalte, Progression

Kalte Progression: 62% der Deutschen fordern automatischen Ausgleich

Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

62 Prozent der Deutschen fordern laut Civey-Umfrage einen automatischen Inflationsausgleich. Die Koalition plant Entlastungen von zehn Milliarden Euro bis 2028.

Steuerreform 2027: Umfrage zeigt klare Mehrheit für automatischen Abbau der kalten Progression
Ein moderner Schreibtisch mit Steuerunterlagen, einem Füller und einem Taschenrechner vor einem hellen Bürofenster. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der deutschen Steuerpolitik hat die Diskussion über den Umgang mit der sogenannten kalten Progression Mitte August 2026 eine neue Dynamik erhalten. Eine im Auftrag der FDP durchgeführte Civey-Umfrage, die im Zeitraum vom 12. bis zum 14. August 2026 unter 5.000 Bürgern erhoben wurde, verdeutlicht ein klares Meinungsbild in der Bevölkerung.

Demnach sprachen sich 62 % der Befragten für einen automatischen Abbau der kalten Progression aus, während lediglich 18 % eine solche Maßnahme ablehnten. Weitere 20 % der Teilnehmer gaben an, keine dezidierte Meinung zu diesem Thema zu haben.

Forderungen nach strukturellen Tarifänderungen

Vor dem Hintergrund dieser Umfrageergebnisse forderte FDP-Generalsekretär Martin Hagen eine grundlegende Reform des Steuersystems. Er plädierte dafür, die Tarifstufen sowie den steuerlichen Freibetrag fest an die Inflationsrate zu koppeln. Den aktuellen Entwurf des Bundesfinanzministeriums kritisierte Hagen als unzureichend, da dieser keinen vollständigen Ausgleich der inflationsbedingten Mehrbelastung vorsehe.

Anzeige

Wer sich mit den Auswirkungen der Steuerpolitik auf die eigene Liquidität befasst, sollte auch das Potenzial von Abschreibungen kennen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer durch gezielte AfA-Regelungen ihre Steuerlast mindern können. Abschreibungs-Leitfaden von A-Z kostenlos herunterladen

Nach Vorstellungen des FDP-Generalsekretärs könne ein Vier-Stufen-Tarif mit Sätzen von 15, 25, 35 und 42 % die Belastung der Steuerzahler effektiv senken. Hagen bezeichnete das gegenwärtige Steuersystem als eine Wachstumsbremse für die deutsche Wirtschaft. Auch FDP-Chef Kubicki äußerte deutliche Kritik und sprach im Zusammenhang mit der aktuellen Steuerpolitik von einem gebrochenen Versprechen gegenüber den Bürgern.

Eckpunkte des Einkommensteuerreformgesetzes 2027

Der aktuelle Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums für ein „Einkommensteuerreformgesetz 2027“ sieht unter der Leitung von Finanzminister Klingbeil ein Entlastungsvolumen von insgesamt 10 Milliarden Euro bis zum Jahr 2028 vor. Für das Jahr 2027 ist eine Entlastung in Höhe von 2,635 Milliarden Euro projektiert, die unter Berücksichtigung des Kinderfreibetrags auf 3,175 Milliarden Euro ansteigen soll.

Trotz dieser geplanten Maßnahmen wird die kalte Progression im Rahmen der amtierenden schwarz-roten Regierung erstmals seit 2016 nicht vollständig ausgeglichen.

Berechnungen des Bundesfinanzministeriums verdeutlichen die Auswirkungen für verschiedene Einkommensgruppen: Ein Single mit einem Bruttoeinkommen von 50.000 Euro erhält demnach 114 Euro weniger Entlastung als bei einem vollständigen Ausgleich, während die Differenz bei einem Bruttoeinkommen von 80.000 Euro liegt.

Zudem sieht der Entwurf Anpassungen bei den Steuersätzen für Spitzenverdiener vor:
* Der Grenzwert für den Spitzensteuersatz soll 2027 auf 70.600 Euro steigen (aktuell 69.879 Euro).
* Der Eckwert für die sogenannte Reichensteuer wird von 278.000 Euro auf 250.000 Euro gesenkt.
* Ab einem Einkommen von 280.000 Euro soll ein neuer Steuersatz von 47 % greifen, was einer zusätzlichen Belastung von 2 % entspricht.

Anzeige

Während die Politik über Tarifstufen streitet, verschenken viele Steuerzahler durch falsch genutzte Abschreibungen bereits heute bares Geld. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie Sie die degressive AfA und Sonderabschreibungen für Ihren maximalen Vorteil nutzen. Kostenlosen Steuer-Ratgeber jetzt sichern

Fiskalische Diskrepanzen und politischer Konflikt

Die Notwendigkeit für weitergehende Entlastungen wird durch Daten der Deutschen Bundesbank unterstrichen, die für das Jahr 2026 von einer Mehrbelastung bei der Einkommensteuer in Höhe von 8,2 Milliarden Euro ausgeht.

Während das Bundesfinanzministerium für das Jahr 2028 Entlastungen von 2,7 Milliarden Euro plant, beziffern Experten den eigentlichen Bedarf für einen vollständigen Ausgleich der kalten Progression in diesem Zeitraum auf 8,5 Milliarden Euro.

Innerhalb der Koalition führt die Ausgestaltung der Reform zu Spannungen. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese wies die Kritik der Union zurück und betonte, dass Finanzminister Klingbeil lediglich die Reform umsetze, auf die man sich zuvor geeinigt habe.

Wiese forderte zudem ein Machtwort von Bundeskanzler Merz, um die anhaltende Kritik aus den Reihen der Union zu beenden. Der Entwurf fokussiere sich bewusst auf Entlastungen für Familien sowie kleine und mittlere Einkommen, wobei die Gegenfinanzierung maßgeblich durch die höhere Besteuerung von Spitzenverdienern und Personengesellschaften erfolgen soll.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 69954217 |