Kaffee, Darmflora

Kaffee und Darmflora: Bestimmtes Bakterium kommt bis zu achtmal häufiger vor

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 00:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden Ernährung, Schlafrhythmen und Lebensumstände mit der Zusammensetzung des Darmmikrobioms und möglichen Stoffwechseleffekten.
Nahaufnahme von frischem, gesundem Gemüse und Vollkornprodukten auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen zunehmend, wie eng Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Schlaf, körperliche Aktivität und Essenszeiten mit der Zusammensetzung des menschlichen Darmmikrobioms verknüpft sind. Die mikrobielle Besiedlung des Darms reagiert empfindlich auf tägliche Gewohnheiten, was weitreichende Konsequenzen für den Stoffwechsel und das Immunsystem haben kann.

Ernährungsmuster steuern bakterielle Vielfalt und Stoffwechsel

Eine im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung um J. Peled analysierte Krankenhauspatienten nach einer Antibiotika-Behandlung. Demnach führte eine zuckerreiche Kost zu einer verlängerten Dysbiose des Mikrobioms sowie zu einem verstärkten Wachstum pathogener kommensaler Bakterien.

Betroffene Patienten wiesen eine geringere Vielfalt auf und waren häufiger von Enterokokken besiedelt. In ergänzenden Mausexperimenten verstärkte Saccharose diese mikrobiellen Veränderungen und verlangsamte die Rückkehr zum Ausgangszustand nach Behandlungsende. Für gesicherte Erkenntnisse seien jedoch kontrollierte Humanstudien erforderlich.

Einen weiteren Einblick in Stoffwechseleffekte liefert ein Rechenmodell namens DAMM der Arizona State University. Die Untersuchung mit 17 gesunden Erwachsenen zeigte, dass eine westliche Ernährung zu durchschnittlich 116 Kilokalorien pro Tag mehr Aufnahme führte als eine ballaststoffreiche Kost.

Kurzkettige Fettsäuren steuerten rund 140 Kilokalorien täglich bei, was 7,4 Prozent der verwertbaren Energie entsprach. Rund 85 Prozent der Energie stammten aus dem oberen und 15 Prozent aus dem unteren Verdauungstrakt.

Auch die Wechselwirkung mit dem Immunsystem wird erforscht. Eine 2026 im Fachjournal Science publizierte Untersuchung unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Biologie Tübingen zeigte im Rahmen der µHEAT-Studie, dass das Darmmikrobiom die Fieberreaktion nach mRNA-Impfungen gegen SARS-CoV-2 beeinflussen kann.

Personen mit stärkerem Fieber wiesen vor der Impfung eine erhöhte Aktivität bakterieller Flagellin-Gene auf. Eine pflanzliche Ernährung war mit schwächeren Fieberreaktionen assoziiert, während eine fettreiche westliche Ernährung bei Mäusen Entzündungen verstärkte.

Anzeige

Wer sich mit den Auswirkungen von Ernährung auf den Körper befasst, sollte auch die Rolle verborgener Entzündungen kennen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie mit gezielten Lebensmitteln Ihr Wohlbefinden steigern und Entzündungen natürlich lindern können. 12 natürliche Entzündungs-Killer entdecken

Der Stellenwert von Polyphenolen und traditioneller Kost

Positive Einflüsse werden bestimmten sekundären Pflanzenstoffen zugeschrieben. Extra natives Olivenöl enthält Polyphenole wie Hydroxytyrosol, Oleuropein und Oleocanthal. Ein höherer Konsum wird mit mehr Bifidobakterien und Faecalibacterium prausnitzii in Verbindung gebracht.

Daten der PREDIMED-Studie verweisen zudem auf ein günstigeres Krankheitsrisiko bei olivenölreicher Kost. Zwar ist eine konkrete mikrobielle Wirkdosis wissenschaftlich nicht festgelegt, in der mediterranen Tradition werden jedoch zwei bis vier Esslöffel täglich genutzt.

Auch Kaffeekonsum korreliert mit mikrobiellen Veränderungen. Laut dem Epidemiologen Tim Spector besitzen Kaffeetrinker ein diverseres Mikrobiom als Nichttrinker.

Eine Studie in Nature Microbiology mit über 22.000 Teilnehmenden zeigte, dass das Bakterium Lawsonibacter asaccharolyticus bei Kaffeekonsumenten sechs- bis achtmal häufiger vorkommt, was auch bei entkoffeiniertem Kaffee beobachtet wurde.

Anzeige

Was Gelenkschmerzen, Blutzuckerspitzen und ständige Müdigkeit gemeinsam haben, ist oft eine Frage der richtigen Nährstoffbalance. Ein spezialisierter Leitfaden bietet jetzt fundierte Tipps, wie Sie durch die tägliche Ernährung Ihre Vitalität zurückgewinnen. Kostenlosen Ratgeber für antientzündliche Ernährung sichern

Eine spanische Studie aus dem Jahr 2025 mit 1.001 Erwachsenen am Krankenhaus Vall d'Hebron bestätigte eine Assoziation zwischen Kaffeekonsum und Mikrobiotazusammensetzung.

Wie stark moderne Lebensweisen die mikrobielle Vielfalt reduziert haben, illustriert eine Stanford-Studie in Nature: Bei den bolivianischen Tsimane und tansanischen Hadza wurden 1200 gemeinsame Mikrobenspezies identifiziert. Rund 60 Prozent dieser Stämme fehlen in industrialisierten Gesellschaften. Ein Vergleich aus dem Jahr 2023 ergab bei Kaliforniern durchschnittlich 277 Mikrobenspezies, während Angehörige der Hadza auf 730 kamen.

Einflussfaktoren greifen bereits im Kindesalter: Eine Studie des RIKEN-Instituts vom 14. Oktober 2026 in Pediatric Research an 903 Zweijährigen und 684 Vierjährigen zeigte, dass ältere Geschwister mit dem Mikrobiom-Typ korrelieren. Kinder mit älteren Geschwistern wiesen seltener den Typ 1 auf, der durch die niedrigste Diversität und den geringsten Propionsäuregehalt gekennzeichnet ist.

Ruhephasen und Mahlzeitentaktung

Neben der Nahrungsauswahl beeinflussen zeitliche Rhythmen den Körper. Eine Auswertung in Nature Health über 4.793 Nächte mittels Wearables ergab, dass eine höhere Ballaststoffdichte und vielfältigere pflanzliche Ernährung mit geringfügig mehr Tief- und REM-Schlaf sowie einer niedrigeren nächtlichen Herzfrequenz einhergingen.

Allerdings waren die Effekte mit weniger als einem Prozentpunkt Zuwachs klein. Wer in den sechs Stunden vor dem Zubettgehen einen größeren Teil der Tagesenergie aufnahm, schlief zwar einige Minuten länger, wies aber einen leicht erhöhten Nachtpuls auf.

Umfassende Beobachtungsdaten liefert zudem die UK-Biobank-Studie an 95.559 Erwachsenen über durchschnittlich 8,9 Jahre: Ein längerer REM-Schlaf war statistisch mit einem geringeren Risiko für 83 von über 1.000 untersuchten Krankheiten assoziiert. Die geringsten Risiken zeigten sich bei einer Schlafdauer von sechs bis acht Stunden.

Für die Erhaltung der Darmgesundheit empfiehlt Professor Alexei Moskaljow vom Institut für Biologie des Alterns am Petrowski-Zentrum, wöchentlich mindestens 30 verschiedene pflanzliche Lebensmittel zu verzehren. Die Kombination aus fermentierten Produkten wie Sauerkraut oder Kefir und Ballaststoffen könne Entzündungsmarker senken, während ultraverarbeitete Produkte, Schlafmangel und chronischer Stress die Darmbarriere schwächten.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70345229 |