Kaffee-Studie aus Cork: Auch entkoffeinierte Varianten beeinflussen die Stimmung
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 20:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen die komplexe Beziehung zwischen Ernährungsgewohnheiten und dem menschlichen Wohlbefinden. Im Zentrum der Forschung steht dabei zunehmend die sogenannte Mikrobiota-Darm-Hirn-Achse.
Eine im April 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Studie des University College Cork und von APC Microbiome Ireland liefert dazu neue Erkenntnisse. Die Untersuchung zeigt, dass der Konsum von Kaffee das Darm-Mikrobiom signifikant verändert und positive Auswirkungen auf die Stimmung sowie die kognitive Leistungsfähigkeit haben kann.
Methodik und Teilnehmerkreis der Untersuchung
Die Forschungsarbeit wurde unter der Leitung von Prof. John Cryan und Dr. Serena Boscaini durchgeführt. Für die Erhebung rekrutierte das Team zwischen September 2021 und Januar 2023 insgesamt 63 gesunde Teilnehmer aus Irland. In die endgültige Auswertung gingen die Daten von 62 gesunden Erwachsenen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren ein.
Diese Gruppe setzte sich zu gleichen Teilen aus 31 regelmäßigen Kaffeetrinkern, die täglich 3 bis 5 Tassen konsumierten, und 31 Nichttrinkern zusammen. Die Kaffeemenge der Konsumenten entsprach dabei der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfohlenen Obergrenze von bis zu 400 mg Koffein pro Tag.
Der Studienaufbau sah zunächst eine 14-tägige Phase der vollständigen Kaffee-Abstinenz vor. Analysen von Stuhl- und Urinproben belegten nach diesem Zeitraum eine signifikante Veränderung der Darmmetabolite. Im Anschluss erfolgte eine 21-tägige, verblindete Wiedereinführungsphase. Hierbei erhielt eine Hälfte der Probanden koffeinhaltigen Kaffee, während die andere Hälfte mit einer entkoffeinierten Variante versorgt wurde.
Auswirkungen auf Stimmung und kognitive Leistungen
Nach der Wiedereinführung des Heißgetränks beobachteten die Forscher in beiden Gruppen – unabhängig vom Koffeingehalt – geringere Werte für wahrgenommenen Stress, Depressionen und Impulsivität. Es zeigte sich jedoch, dass koffeinierter und entkoffeinierter Kaffee unterschiedliche spezifische Effekte erzielten.
In der Gruppe, die koffeinhaltigen Kaffee konsumierte, stellten die Wissenschaftler eine gesteigerte Vigilanz und Aufmerksamkeit sowie eine Verringerung von Angstzuständen fest. Zudem wurde ein geringeres Entzündungsrisiko konstatiert.
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Interessante Ergebnisse lieferte die Untersuchung der Teilnehmer, die entkoffeinierten Kaffee erhielten. In dieser Gruppe verringerte sich die Fehlerquote im sogenannten PAL-Test, einem etablierten Verfahren zur Messung von Lern- und Gedächtnisleistungen.
Darüber hinaus verbesserten sich die Schlafqualität sowie das Niveau der körperlichen Aktivität, während die emotionale Reaktivität abnahm. Ein signifikanter Unterschied beim Cortisolspiegel konnte zwischen den Gruppen hingegen nicht festgestellt werden.
Veränderungen der Darmflora und Wirkmechanismen
Die Studie dokumentiert tiefgreifende Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Darmflora. Mit der Rückkehr zum Kaffeekonsum stieg die Präsenz der Bakterienarten Eggerthella sp. und Cryptobacterium curtum an. Diese Mikroorganismen stehen in engem Zusammenhang mit der Produktion von Magen- und Gallensäure.
Ein Anstieg der Bakteriengruppe Firmicutes wurde insbesondere bei Frauen mit positiven Emotionen assoziiert. Bereits zu Beginn der Untersuchung wiesen regelmäßige Kaffeetrinker ein deutlich anderes Mikrobiom auf als Nichttrinker, wobei letztere in einigen Gedächtnistests zunächst besser abschnitten.
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Prof. John Cryan betonte im Rahmen der Veröffentlichung, dass Kaffee als komplexer diätetischer Faktor zu betrachten sei, dessen Wirkung weit über das enthaltene Koffein hinausgehe. Als potenzielle Wirkmechanismen werden in der Fachwelt neben Polyphenolen auch Diterpene und weitere bioaktive Substanzen diskutiert.
Einordnung und Limitationen
Trotz der detaillierten Ergebnisse verweisen die Autoren der Studie auf methodische Einschränkungen. Dazu gehören die vergleichsweise kleine Stichprobengröße – insbesondere in der Gruppe der Entkoffeiniert-Trinker mit etwa 15 bis 16 Personen – sowie die relativ kurzen Zeitspannen der einzelnen Studienphasen.
Ein abschließender Kausalitätsnachweis konnte im Rahmen dieses Formats noch nicht erbracht werden. Die Untersuchung wurde finanziell vom Institute for Scientific Information on Coffee unterstützt. Die Ergebnisse unterstreichen dennoch die Bedeutung der Ernährung für die psychische Gesundheit und die Rolle des Mikrobioms als Vermittler dieser Effekte.
