Kaffee: Kardiologen geben grünes Licht für 400 mg täglich
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer im August 2026 im Fachjournal Circulation veröffentlichten Stellungnahme mit dem Titel „Caffeine and Cardiovascular Disease“ hat die American Heart Association (AHA) umfassende Leitlinien zum Umgang mit koffeinhaltigen Getränken vorgelegt. Die Analyse, die unter der Leitung von Gregory M. Marcus von der University of California, San Francisco (UCSF) erstellt wurde, bewertet einen täglichen Konsum von bis zu 400 Milligramm Koffein für gesunde Erwachsene als sicher. Dies entspricht einer Menge von etwa drei bis fünf Tassen Filterkaffee.
Präventive Potenziale und gesundheitliche Vorteile
Die Experten der AHA weisen darauf hin, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit einem verringerten Risiko für verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert sein kann. Den vorliegenden Beobachtungsstudien zufolge könne die Aufnahme von bis zu fünf Tassen (je circa 237 Milliliter) täglich das Risiko für Schlaganfälle, Herzinsuffizienz und koronare Herzkrankheiten senken. Auch positive Effekte in Bezug auf Vorhofflimmern und Typ-2-Diabetes wurden dokumentiert.
Gregory M. Marcus zeigte sich angesichts der Auswertungen überrascht von der Konsistenz dieser schützenden Effekte. Da ähnliche Vorteile teilweise auch bei entkoffeiniertem Kaffee beobachtet wurden, gehen die Forscher davon aus, dass nicht allein das Koffein, sondern auch andere Inhaltsstoffe für die Wirkungen verantwortlich sind. So tragen etwa Flavonoide zur Verbesserung des HDL-Cholesterinspiegels bei, senken das LDL-Cholesterin und fördern die Gefäßdilatation.
Der Einfluss der Zubereitungsmethode
Ein wesentlicher Faktor für die kardiologische Bewertung ist die Art der Zubereitung. Die Stellungnahme der AHA hebt hervor, dass gefilterter Kaffee – etwa aus Drip- oder Pour-over-Verfahren – gesundheitlich vorteilhafter einzustufen ist als ungefilterte Varianten wie Espresso, French Press oder türkischer Kaffee. Ungefilterter Kaffee enthält höhere Mengen an Cafestol, einer Substanz, die das LDL-Cholesterin erhöhen kann. Durch den Einsatz von Papierfiltern wird dieser Inhaltsstoff jedoch effektiv reduziert.
Zudem wird darauf verwiesen, dass Instantkaffee grundsätzlich niedrige Diterpengehalte aufweist. Die AHA warnt jedoch davor, die gesundheitlichen Vorteile durch Zusätze wie Zucker, Sahne oder Sirup zu beeinträchtigen. Ein niedrigeres Risiko für Herzschwäche und Schlaganfälle sei insbesondere mit dem regelmäßigen Konsum von schwarzem Kaffee ohne solche Zusätze verbunden.
Klinische Einordnung und individuelle Reaktionen
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Trotz der allgemeinen Sicherheitsgrenze betont die AHA, dass keine allgemeingültige Empfehlung ausgesprochen werden kann, da die individuelle Reaktion auf Koffein variiert. Die genetische Veranlagung, insbesondere das Gen CYP1A2, beeinflusst maßgeblich, wie schnell der Körper Koffein abbauen kann. Ein interessantes Detail der Forschung betrifft das sogenannte Blutdruck-Paradox: Während ein moderater Konsum von einer bis drei Tassen täglich bei gesunden Personen mit einem leicht erhöhten Hypertonie-Risiko verbunden sein kann, wurde bei einem Konsum von mehr als drei Tassen ein niedrigeres Risiko festgestellt.
Besondere Vorsicht mahnen die Experten bei Energydrinks und koffeinhaltigen Shots an. Diese Produkte enthalten oft das Drei- bis Zehnfache an Koffein im Vergleich zu Kaffee und können den Blutdruck sowie das Risiko für Herzrhythmusstörungen signifikant erhöhen.
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Empfehlungen für Patienten mit Bluthochdruck
Ergänzende klinische Hinweise für spezifische Patientengruppen lieferte Prof. Dr. Pham Manh Hung vom Krankenhaus 19-8 im August 2026. Für Menschen mit gut eingestellter Hypertonie sei ein moderater Konsum von ein bis zwei Tassen täglich (entspricht etwa 200 bis 300 Milligramm Koffein) vertretbar. Koffein erhöhe den Blutdruck kurzfristig für ein bis drei Stunden. Bei regelmäßigen Trinkern betrage dieser Anstieg systolisch etwa 5 mmHg, während er bei Gelegenheitstrinkern bis zu 10 mmHg erreichen könne.
Prof. Dr. Hung empfiehlt Hypertonikern dennoch, die tägliche Zufuhr unter 200 Milligramm zu halten und den Konsum idealerweise auf den Vormittag zwischen 9 und 11 Uhr zu beschränken. Nach 15 oder 16 Uhr sollte kein Koffein mehr aufgenommen werden, um den Schlaf nicht zu stören. Zudem sollten Medikamente grundsätzlich mit Wasser und nicht mit Kaffee eingenommen werden. Während bei ACE-Hemmern oder Kalziumkanalblockern keine relevanten Beeinträchtigungen zu erwarten seien, könne Koffein die Wirkung von Betablockern beeinflussen, weshalb hier eine engmaschige Überwachung oder eine Reduktion des Konsums ratsam sei.
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