Kaffee, Herz-Kreislauf-Risiko

Kaffee: 31% weniger Herz-Kreislauf-Risiko bei regelmäßigem Konsum

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 01:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungen verknüpfen Kaffee mit Zellschutz und geringeren Gesundheitsrisiken, belegen aber keine längere Lebensdauer beim Menschen durch Koffein.

Koffein und Langlebigkeit: Was Zellforschung und Studien zeigen
Mikroskopische Aufnahme von Hefezellen unter Laborbedingungen mit Fokus auf zelluläre Strukturen. Illustration mit AI erstellt.

In der Forschung zu altersbedingten Erkrankungen und Langlebigkeit rücken die molekularen Wirkmechanismen von Koffein verstärkt in den Fokus. Untersuchungen des Zellalterungs-Labors der Queen Mary University of London unter der Leitung von John-Patrick Alao lieferten im Jahr 2025 detaillierte Einblicke in die zelluläre Reaktion auf den Wirkstoff.

Wie in der Fachzeitschrift Microbial Cell (DOI 10.15698/mic2025.06.852) dargelegt, aktiviert Koffein den sogenannten AMPK-Energiesensor in Hefezellen. Dieser Prozess begünstige die Stressbewältigung, die DNA-Reparatur sowie die Kontrolle des Zellwachstums.

Molekulare Schalter und evolutionäre Grundlagen

Die Forschungsergebnisse der Queen Mary University verdeutlichen, dass die Aktivierung von AMPK über die spezifischen Proteine Ssp1, Ssp2 und Amk2 erfolgt. Dieser Mechanismus beeinflusst maßgeblich den Zellzyklus, den Umgang mit DNA-Schäden und die allgemeine Lebensdauer der untersuchten Organismen.

Interessanterweise geschieht diese Wirkung indirekt über AMPK und nicht über den TOR-Pfad, der in früheren Studien mit der Koffeinwirkung in Verbindung gebracht wurde. Die Wissenschaftler betonten, dass es sich bei dem AMPK-Mechanismus um ein über 500 Millionen Jahre altes System handelt.

Dr. Charalampos Rallis erläuterte dazu, dass Koffein dabei helfe, diesen zentralen zellulären Schalter umzulegen. Dr. John-Patrick Alao sieht in diesen Erkenntnissen eine wichtige Grundlage für künftige Therapien gegen altersbedingte Krankheiten.

Die Forschung ordnet sich in ein Feld ein, in dem auch Wirkstoffe wie Metformin und Rapamycin auf ihre lebensverlängernden Potenziale hin untersucht werden. Es wurde jedoch klargestellt, dass ein Nachweis über eine verlängerte Lebensdauer beim Menschen allein durch diesen Mechanismus bislang nicht vorliegt. Zudem könne Koffein bei bereits bestehendem genotoxischem Stress DNA-Schäden unter Umständen sogar verstärken.

Epidemiologische Beobachtungen und statistische Relevanz

Ergänzend zu den zellbiologischen Untersuchungen liefern großangelegte Studien Hinweise auf die Auswirkungen von Kaffeekonsum auf die menschliche Gesundheit. Eine im Jahr 2025 veröffentlichte Untersuchung der Harvard University und der Tulane University, an der über 40.000 US-Teilnehmer beteiligt waren, zeigte signifikante Korrelationen.

Personen, die morgens Kaffee trinken, weisen demnach ein um 16 Prozent geringeres Gesamtsterberisiko sowie ein um 31 Prozent reduziertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf als Nicht-Kaffeetrinker. Dieser Effekt erwies sich als weitgehend unabhängig von der konsumierten Menge, sofern es sich um mindestens zwei bis drei Tassen handelte.

Weitere Daten des King’s College London deuten darauf hin, dass Kaffeetrinker eine im Schnitt rund fünf Jahre längere Lebenserwartung haben könnten. Eine im Fachmagazin BMJ Mental Health veröffentlichte Studie untersuchte zudem den Zusammenhang bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen und stellte fest, dass ein moderater Konsum von drei bis vierte Tassen pro Tag das biologische Altern durch eine Stabilisierung der Telomere verlangsamen könnte.

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Einfluss der Zubereitung und Verzehrempfehlungen

Die gesundheitlichen Auswirkungen scheinen auch von der Art der Zubereitung abzuhängen. Laut NPJ Science of Food ist die Verwendung von Filterkaffee mit niedrigeren Werten bei der biologischen Alterungsbeschleunigung (Age-Acceleration-Scores) assoziiert, während Instantkaffee tendenziell höhere Werte aufweist.

In der Fachzeitschrift JAMA Internal Medicine wurde zudem berichtet, dass Chlorogensäure als einer der Hauptwirkstoffe gilt und positive Effekte selbst bei Personen auftreten, die Koffein genetisch bedingt nur langsam verstoffwechseln.

Fachleute raten für gesunde Erwachsene zu einer maximalen Tagesdosis von rund 400 Milligramm Koffein, was etwa vier Tassen entspricht. Schwarzer Kaffee sei aufgrund seines geringen Kaloriengehalts von 2 bis 3 Kilokalorien pro 100 Milliliter und seines Reichtums an Polyphenolen vorteilhaft.

Die Zugabe von Milch könne die Bioverfügbarkeit von Antioxidantien senken, da Milchproteine wie Kasein diese binden. Da die Halbwertszeit von Koffein zwischen drei und sieben Stunden liegt, wird ein Konsumstopp gegen 13:00 oder 14:00 Uhr empfohlen, um die Schlafqualität nicht zu beeinträchtigen.

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Weitere Faktoren der Langlebigkeit

Abseits des Kaffeekonsums untersuchen Institute wie die FAU Erlangen-Nürnberg grundlegende biologische Prozesse des Alterns. In Kooperation mit dem ISTA Klosterneuburg wurde im Journal Science eine Studie zu langlebigen RNA-Molekülen (LL-RNA) in Gehirnneuronen veröffentlicht, die die Integrität des Chromatins regulieren.

Hinsichtlich der Lebensweise betonte Prof. Daniela S. Jopp von der Universität Lausanne auf Basis von Studien mit Hundertjährigen, dass neben biologischen Faktoren vor allem Resilienz und stetige Alltagsbewegung entscheidend seien.

Eine primär pflanzliche Ernährung mit wenig Fleisch sowie das Prinzip der Mäßigung in allen Lebensbereichen stellten wesentliche Gemeinsamkeiten langlebiger Menschen dar. Ähnlich hatte bereits Juleen Zierath vom Karolinska-Institut darauf hingewiesen, dass Koffein zwar zelluläre Prozesse stimulieren könne, körperliche Bewegung jedoch nicht ersetze.

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