Kälte, Herzinfarkt

Kälte und Herzinfarkt: Krankenhausaufnahmen steigen im Winter um 15–20 Prozent

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sinkende Temperaturen erhöhen Herz-Kreislauf-Risiken; Fachleute raten gefährdeten Menschen zu Schutz vor Kälte und moderater Bewegung.
Eine mit Frost bedeckte Parkbank an einem kalten, nebligen Herbsttag in einer winterlichen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem Einsetzen der kalten Jahreszeit verzeichnen klinische Einrichtungen und Notaufnahmen regelmäßig eine deutliche Zunahme kardiovaskulärer Notfälle. Klinische Berichte weisen vor allem bei sinkenden Außentemperaturen auf eine saisonale Häufung von akuten Herzinfarkten sowie Aortendissektionen hin und heben die Dringlichkeit einer präzisen Differenzialdiagnose hervor.

Kardiologische Fachabteilungen und Rettungsdienste registrieren traditionell bereits mit den ersten Frösten steigende Fallzahlen. In der kalten Jahreszeit klettern die Krankenhausaufnahmen aufgrund von Verschlechterungen der koronaren Herzkrankheit, akuten Angina-pectoris-Anfällen und Myokardinfarkten um 15–20 Prozent.

Physiologische Mechanismen der Gefäßbelastung

Niedrige Temperaturen setzen den menschlichen Kreislauf unter erheblichen Stress. Kälteeinwirkung führt zu einer reflexartigen Verengung der peripheren Blutgefäße sowie zu Koronarspasmen, wodurch der Blutdruck und die Herzarbeit steigen. Gleichzeitig verändert sich das Gerinnungsverhalten des Blutes: Die Viskosität nimmt zu, da die Werte von Fibrinogen und Thrombozyten ansteigen, was die allgemeine Thromboseneigung verstärkt.

Diese physiologischen Reaktionen erhöhen das Risiko für Durchblutungsstörungen, Angina pectoris, Herzinfarkte und Schlaganfälle beträchtlich. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Personen mit bestehenden Herzerkrankungen, Patientinnen und Patienten nach einem früheren Infarkt oder Schlaganfall sowie Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie, Hyperlipidämie oder Adipositas. Auch Raucher und Menschen mit ausgeprägtem Bewegungsmangel weisen ein erhöhtes Risiko auf.

Warnsignale und akute Differenzialdiagnose

Bei akutem Koronarsyndrom treten charakteristische Beschwerden auf. Ein zentrales Warnzeichen ist drückender Brustschmerz, der über fünf bis zehn Minuten in Ruhe oder nach der Einnahme von Nitroglycerin anhält.

Häufig äußern sich die Symptome als Druck-, Enge- oder Schweregefühl im Brustkorb sowie Schmerzen, die über mehrere Minuten anhalten und in den linken Arm, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen können. Begleitend treten oftmals Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit, Schwindel sowie eine ungewöhnliche Müdigkeit auf.

In der klinischen Versorgung erfolgt die Diagnostik primär über Elektrokardiogramme (EKG), Laborbestimmungen kardialer Marker wie Troponin und gegebenenfalls über eine Koronarangiographie.

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Die therapeutischen Maßnahmen reichen von medikamentösen Interventionen über die perkutane Koronarintervention (PCI) mit Stent-Implantation bis hin zur Koronararterien-Bypass-Operation (CABG). Bei Verdachtsmomenten gilt die strikte Anweisung, unverzüglich den Notruf zu wählen.

Statistische Zusammenhänge und Temperaturabfälle

Dass die Außentemperatur direkten Einfluss auf akute Notfälle hat, belegen Untersuchungen der Semmelweis-Universität, der Technischen Universität Budapest und des Ungarischen Rettungsdienstes.

Deren Auswertungen zeigen, dass jeder Rückgang der Durchschnittstemperatur um 1 °C mit einem Anstieg der außerklinischen Herzstillstände um 1,4 Prozent pro Tag einhergeht. Im Winter verzeichneten die Institutionen fast 18 Prozent mehr derartige Ereignisse als in den Sommermonaten.

Ein täglicher Temperaturabfall von mehr als 5 °C gilt demnach als kritisches Warnsignal. Die gesundheitlichen Auswirkungen eines solchen Kälteeinbruchs treten nicht immer unmittelbar auf, sondern können sich mit einer Verzögerung von bis zu drei Tagen manifestieren.

Schutzmaßnahmen für Risikogruppen

Mediziner empfehlen gefährdeten Personen konkrete Verhaltensregeln zur Risikominimierung. Dazu zählt eine kurze Akklimatisierung von ein bis zwei Minuten im Hausflur vor dem Verlassen von Gebäuden, das Bedecken von Mund und Nase mit einem Schal sowie das ausschließliche Atmen durch die Nase bei kalter Luft. Das Tragen schwerer Lasten in der Kälte sollte ebenso unterbleiben wie der Konsum von Alkohol zum vermeintlichen Aufwärmen.

Allgemein raten Fachleute zu fünf grundlegenden Maßnahmen: Warmhalten, Rauchstopp, eine herzgesunde Ernährung, die konsequente Kontrolle von Grunderkrankungen und moderate Bewegung.

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Menschen mit Bluthochdruck wird zu regelmäßigen häuslichen Messungen geraten; bei anhaltendem Anstieg sollte die medikamentöse Therapie in ärztlicher Absprache angepasst werden. Plötzliche intensive Kraftanstrengungen bei Kälte, etwa das Schneeschaufeln, sind strikt zu vermeiden.

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