Jugendliche, Druck

Jugendliche unter Druck: Mentalo-Studie zeigt Erfolgsdruck bei 87 Prozent

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 02:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsergebnisse verknüpfen schulischen und sozialen Druck mit psychischen Belastungen; Fachleute fordern bessere Unterstützung und Versorgung.

Psychische Belastung junger Menschen: Studien zeigen Druck und Handlungsbedarf
Ein leerer, minimalistischer Klassenraum mit leeren Holztischen in natürlichem Morgenlicht und langen Schatten. Illustration mit AI erstellt.

Trotz ständiger digitaler Vernetzung stehen junge Menschen vermehrt unter erheblichem Druck. Fachleute und Betroffene weisen darauf hin, dass schulische und gesellschaftliche Erwartungshaltungen sowie persönliche Überforderung das seelische Wohlbefinden von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunehmend beeinträchtigen. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen und Berichte aus der Praxis verdeutlichen die vielschichtigen Hintergründe dieser Entwicklung.

Studiendaten zeichnen ein deutliches Bild der Belastungen

Die Dimension der Belastungen belegen aktuelle epidemiologische Daten. In der 2024 gestarteten Mentalo-Studie des französischen Forschungsinstituts Inserm und der Universität Paris Cité, an der mehr als 20.000 Personen im Alter von 11 bis 24 Jahren teilnahmen und die am 8. Oktober 2026 vorgestellt wurde, gab nur etwa die Hälfte der Befragten an, sich psychisch gut zu fühlen.

Fast ein Drittel wies ein Risiko für moderate bis schwere anxio-depressive Belastungen auf. Dabei zeigten sich geschlechtsspezifische Unterschiede: Während sich 60 Prozent der Jungen psychisch gut fühlten, waren es bei den Mädchen lediglich 40 Prozent.

Bei Schülerinnen der Sekundarstufe I sank dieser Wert von 66 Prozent im Jahr 2024 auf 37 Prozent im Jahr 2026. Den Befunden zufolge spürten 87 Prozent der Teilnehmenden Erfolgsdruck und 40 Prozent Einsamkeit. Die beteiligte Forscherin Karine Chevreul führte dies auf starken Druck durch Schule und soziale Netzwerke zurück, nicht auf mangelnde persönliche Resilienz.

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Belastende Lebensereignisse wirken oft langfristig nach. Die internationale IMAGEN-Kohortenstudie mit 2.161 Jugendlichen aus Deutschland, Frankreich, Irland und dem Vereinigten Königreich untersuchte Entwicklungsverläufe im Alter von 14, 16, 19 und 23 Jahren.

Bei hoher kumulativer Belastung stieg der Anteil von Jugendlichen mit Suizidgedanken von 8,0 Prozent vor Studienbeginn auf 11,3 Prozent im Alter von 14 Jahren und erreichte mit 16 Jahren 13,4 Prozent, bevor er im Alter von 19 Jahren bei 11,0 Prozent lag. Familiäre Ereignisse erwiesen sich dabei als stärkere Prädiktoren als alle anderen untersuchten Faktoren zusammen.

Zugleich spielt das subjektive Zeitempfinden eine zentrale Rolle. Eine Untersuchung der University of Colorado Boulder mit 646 Studierenden ergab, dass stark empfundener Zeitdruck mit mehr Angstsymptomen und schlechteren Studienleistungen einherging, während eine straff verplante Zeit allein nicht zwingend schädlich war, sondern mitunter sogar mit besseren Leistungen korrelierte.

Differenzierter Blick auf Mediennutzung und Alltag

Häufig wird die digitale Mediennutzung als Ursache herangezogen, doch die empirische Befundlage verlangt Differenzierung. Eine am 8. Oktober 2026 publizierte Untersuchung mit 21.797 schwedischen Zwillingen zeigte zwar bei Jugendlichen mit mehr als sechs Stunden interaktiver Bildschirmnutzung pro Tag häufiger psychische Beschwerden als bei höchstens zwei Stunden.

Im Zwillingsvergleich schwächten sich diese Zusammenhänge jedoch deutlich ab und erwiesen sich nach methodischen Korrekturen als nicht mehr statistisch gesichert. Ein eindeutiger kausaler Zusammenhang ließ sich daraus nicht ableiten.

Aus klinischer Sicht warnen Fachleute dennoch vor Begleitfolgen wie Schlafmangel. Eine Psychologin an einer Fachambulanz berichtete von einem Zuwachs der Erstgespräche um 60 Prozent binnen eines Jahres, betonte jedoch, dass dies nicht automatisch mehr Neuerkrankungen belege.

Bei Verdacht auf Aufmerksamkeitsdefizite bestätige sich dieser in ihrer Erwachsenenambulanz bei weniger als der Hälfte der Fälle. Gleichzeitig betragen die Wartezeiten bis zum ersten Behandlungstermin rund 20 Wochen und für eine Diagnostik mehr als sechs Monate. Sie empfiehlt vor dem Schlafen bildschirmfreie Zeiten, da Schlafmangel die Konzentration nachweislich mindere.

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Handlungsbedarf an Schulen und in der Versorgung

Auch die Situation im Bildungsbereich verschärft den Druck. Im Deutschen Schulbarometer 2026 der Robert Bosch Stiftung gaben 46 Prozent der Lehrkräfte das Verhalten von Schülerinnen und Schülern als größte berufliche Belastung an – nach 35 Prozent im Jahr 2024 und 42 Prozent im Jahr 2025. Eine Meta-Analyse von 32 Studien mit 110.482 Jugendlichen verdeutlichte derweil, dass eine stärkere Verbundenheit mit der eigenen Schule mit signifikant weniger depressiven Symptomen verknüpft ist.

Angesichts dieser Lage wächst der Handlungsdruck auf Institutionen. Die Bundesjugendvertretung verlangt flächendeckende, kassenfinanzierte Therapie- und Anlaufstellen; da das Hilfsprojekt „Gesund aus der Krise“ im Juni 2027 ausläuft, müsse eine dauerhafte Versorgung bis Ende 2026 geregelt sein.

Verbände betonen, dass bloße Nutzungsverbote zu kurz greifen und vielmehr strukturierte Entlastung, Medienkompetenz und ein zügiger Zugang zu professioneller Unterstützung notwendig sind.

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