Jugendliche und soziale Medien: Studie mit 4.011 zeigt Angst-Zusammenhang
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 09:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie seelische Verfassung von Kindern und Jugendlichen rückt verstärkt in den Fokus gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Debatten. Vor diesem Hintergrund hat die Plattform #NDRfragt gemeinsam mit der Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ eine Erhebung zum Thema mentale Gesundheit junger Menschen gestartet.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich bis Montag, den 2. November 2026, um 6 Uhr an der Befragung beteiligen; die Auswertung der Ergebnisse ist für Ende November 2026 angekündigt. Dem NDR zufolge sind auf der hauseigenen Plattform inzwischen mehr als 72.000 Menschen aus Norddeutschland registriert.
Hohe Fallzahlen und regionale Schwerpunkte
Die Befragung greift eine Problematik auf, die von bundesweiten Behörden und regionalen Einrichtungen seit Längerem dokumentiert wird. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums leidet etwa jedes fünfte Kind in Deutschland an einer psychischen Erkrankung.
Zudem nehmen drei Viertel aller seelischen Erkrankungen bereits im Jugendalter ihren Anfang. Das NDR Regionalstudio Lübeck informierte in diesem Zusammenhang über spezifische Herausforderungen für die mentale Gesundheit Heranwachsender in den Kreisen Ostholstein und Herzogtum Lauenburg.
Auch in der LWL-Tagesklinik Meschede machen sich zunehmende psychische Krisen junger Menschen bemerkbar; dortiger ärztlicher Einschätzung nach spielen dabei Nachwirkungen der Corona-Pandemie sowie Einflüsse sozialer Medien eine Rolle.
Dauerstress und Erschöpfung sind oft Signale eines überlasteten Nervensystems, die bereits in jungen Jahren ernst genommen werden sollten. Dieser kostenlose Ratgeber erklärt, wie Sie durch gezielte Übungen Ihr inneres Gleichgewicht stärken und die Selbstheilungskräfte aktivieren. Kostenlosen Vagus-Ratgeber jetzt herunterladen
Die Relevanz präventiver Erhebungen unterstreichen auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach starben im Jahr 2025 in Deutschland 11.334 Menschen durch Suizid, was einem Anstieg um 962 Fälle oder 9,27 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Für das Jahr 2025 wurden zudem geschätzt weit mehr als 100.000 Suizidversuche registriert, und mehr als 68.000 Menschen verloren einen Angehörigen oder Nahestehenden durch Suizid. Seit 2021 steigen die Gesamtzahlen wieder an, mit einem Zuwachs von rund 23 % innerhalb von vier Jahren.
Bei der Verteilung nach Geschlechtern entfielen im Jahr 2025 7.846 Fälle auf Männer und 3.488 auf Frauen. Dabei stiegen die Suizide bei Frauen seit 2020 um 54 %, während der Anstieg bei Männern bei 13 % lag. Auch die Todesfälle durch Selbstvergiftung bei Frauen nahmen von 1.073 im Jahr 2024 auf 1.593 im Jahr 2025 zu.
Wer sich mit belastenden Situationen und Stress im Alltag konfrontiert sieht, benötigt oft schnelle und wirksame Strategien zur Entlastung. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie mit wenigen Minuten täglicher Übung aktiv Stress abbauen und Ihre psychische Widerstandskraft fördern können. Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Stressreduktion sichern
Die höchsten Suizidraten verzeichnete das Statistische Bundesamt 2025 in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Bremen, während die niedrigsten Raten im Saarland und in Nordrhein-Westfalen gemessen wurden.
Internationale Befunde und Versorgungsengpässe
Die norddeutsche Umfrage fügt sich in ein breites Spektrum internationaler Beobachtungen ein. Auf einem regionalen Treffen der European Psychiatric Association (EPA) in Neapel wurde unter Verweis auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervorgehoben, dass bis zur Hälfte der psychischen Störungen bereits vor dem 14. Lebensjahr und drei von vier bis zum 24. Lebensjahr auftreten.
Suizid gelte zudem als dritthäufigste Todesursache bei 15- bis 29-Jährigen. Eine am 17. Oktober 2026 veröffentlichte Studie des Karolinska Institutet und des norwegischen Folkhälsoinstitutet mit 4.011 Jugendlichen aus Südost-Norwegen verdeutlichte ferner, dass insbesondere Vergleiche mit anderen Personen auf Plattformen sozialer Medien mit Angst- und Depressionssymptomen einhergehen.
Gleichzeitig bleibt der Zugang zu professioneller Unterstützung vielerorts angespannt. Eine Untersuchung von WHO Europe unter rund 26.000 jungen Erwachsenen in 29 europäischen Staaten zeigte, dass etwa ein Drittel der Hilfesuchenden keine adäquate Unterstützung erhielt. In Deutschland berichten Medien wie die WAZ über monatelange Wartelisten für Therapieplätze bei Kindern und Jugendlichen.
Um Betroffenen während der Wartezeit beizustehen, initiieren Fachkräfte ergänzende Informationsangebote: So gestalten die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen Samra Fazlic und Mila Ould Yahoui ein Podcast-Format, das Wege zur Überbrückung der Wartezeiten aufzeigen soll.
