Jugendfitness: 15 Prozent weniger Depressionsrisiko bei schnellerem Lauf
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 19:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine gute kardiorespiratorische Fitness im Jugendalter könnte mit einem geringeren Risiko für spätere depressive Erkrankungen einhergehen. Dies legt eine Untersuchung des Menzies Institute an der University of Tasmania nahe, die im August 2026 online im Fachblatt Journal of Affective Disorders publiziert wurde.
Die Forscher analysierten über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten hinweg, in welchem Maße die körperliche Leistungsfähigkeit von Heranwachsenden mit der psychischen Gesundheit im mittleren Erwachsenenalter korreliert.
Langzeitdaten über mehr als drei Jahrzehnte
Für die Erhebung griffen die Wissenschaftler auf Daten von über 1.000 Australiern zurück. Die Kohorte war erstmals im Jahr 1985 im Alter von 7 bis 15 Jahren untersucht worden; Nachbeobachtungen erfolgten mehr als 30 Jahre später im Alter von 36 bis 49 Jahren. Die mittlere Nachbeobachtungsdauer belief sich auf 32,5 Jahre.
Die Fitness der Teilnehmer wurde in den Ausgangstests über unterschiedliche Übungen bestimmt. Zur Erfassung der Ausdauer und Sprungkraft absolvierten 1.062 Personen einen 1,6-Kilometer-Lauf sowie einen Standweitsprung. Der Durchschnittswert auf der 1,6-Kilometer-Strecke lag bei 8:27 Minuten.
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Eine weitere Teilgruppe von 437 Personen durchlief Tests auf dem Fahrrad sowie Messungen der Handkraft. Im Verlauf der gesamten Nachbeobachtungszeit traten den Angaben des Instituts zufolge bei 117 Frauen und 73 Männern Depressionen auf.
Geringeres relatives Risiko bei höherer Laufleistung
Die Auswertung der Daten ergab einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Ausdauerleistung und dem späteren Auftreten von Depressionen: Wer den 1,6-Kilometer-Lauf rund 1:15 Minuten schneller als der Durchschnitt absolvierte, wies im Erwachsenenalter ein um 15 Prozent geringeres relatives Depressionsrisiko auf.
Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei Frauen lag die Depressionsrate um 20 Prozent niedriger, verbunden mit einer Hazard Ratio von 0,80. Bei Männern fiel die Rate um 11 Prozent geringer aus. Der Effekt erwies sich bei Frauen damit als konsistent stärker.
Der Schutzeffekt zeigte sich besonders ausgeprägt in einem Zeitraum von 5 bis 10 Jahren nach den Ersttests. Obwohl er über die Zeit nachließ, blieb er über die gesamte Beobachtungsspanne von bis zu 34 Jahren nachweisbar. Für die reine Muskelkraft, gemessen über den Standweitsprung und die Handkraft, fand das Menzies Institute hingegen keinen klaren Zusammenhang mit dem Erkrankungsrisiko.
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Einordnung der Befunde
Studienleiter Kyle Smith von der University of Tasmania ordnete die Resultate zurückhaltend ein. Ausdauerfitness könne ein wichtiger Teil des Puzzles sein, ein kausaler Zusammenhang sei durch die Beobachtungsstudie jedoch nicht belegt.
Grant Tomkinson von der University of Adelaide betonte im Rahmen der Forschungsergebnisse, dass körperliche Fitness ein veränderbarer Faktor im Lebensstil sei. Die University of Adelaide hatte Ende September 2026 in einer Mitteilung auf die Arbeit aufmerksam gemacht.
Hintergrund der Untersuchung ist auch die hohe globale Krankheitslast durch psychische Leiden. Nach Angaben des Menzies Institute leben weltweit rund 322 Millionen Erwachsene mit Depressionen, was etwa jeder zwanzigsten Person entspricht. Frauen sind demnach rund 1,5-mal häufiger betroffen als Männer.

