Jüngere Generationen: Mehr Krankheitsjahre am Lebensende erwartet
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gesundheit jüngerer Arbeitnehmer verschlechtert sich – das untergräbt die Rentenpolitik. Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zeigt: Menschen zwischen 18 und 44 Jahren verbringen voraussichtlich mehr Lebensjahre in schlechter Gesundheit als frühere Generationen. Besonders auffällig: die Zunahme von Muskel-Skelett-Erkrankungen.
Immer mehr Beschäftigte erreichen die Rente nicht
Die Forscher analysierten Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), der SHARE-Studie und der AOK Niedersachsen aus den Jahren 2005 bis 2018. Das Ergebnis: Gesundheitliche Ungleichheiten verschärfen sich je nach Bildungsniveau. Menschen mit geringerer formaler Bildung könnten bereits mit einer höheren Krankheitslast in die Rente eintreten.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigt den Trend. Viele Beschäftigte in körperlich oder psychisch belastenden Berufen erreichen das reguläre Renteneintrittsalter nicht. Sie scheiden vorzeitig über die Erwerbsminderungsrente aus oder müssen den Beruf wechseln. Laut einem Gewerkschafts-Index bezweifeln etwa 40 Prozent der Arbeitnehmer, ihre Tätigkeit bis zur Altersgrenze durchzuhalten.
Jeder Zweite will früher in Rente
Ein Gesundheitsreport der DAK-Gesundheit zeigt für Niedersachsen: 54 Prozent der über 50-Jährigen planen, früher in Rente zu gehen. Bundesweit sind es 52 Prozent. Bei gesundheitlich Beeinträchtigten steigt der Anteil auf 57 Prozent. Nur 38 Prozent der Befragten wollen bis zur Regelaltersgrenze arbeiten – und das nur bei höherer Vergütung und besseren Arbeitsbedingungen.
Rentenkommission will Rente an Lebenserwartung koppeln
Die Gesundheit jüngerer Arbeitnehmer verschlechtert sich – das zeigt eine aktuelle Studie. Wer jetzt aktiv wird, kann Muskel-Skelett-Beschwerden vorbeugen und seine Arbeitskraft bis zur Rente erhalten. Jetzt kostenlosen Gesundheits-Ratgeber anfordern
Die Alterssicherungskommission reagiert mit weitreichenden Vorschlägen. Ab 2032 soll das Renteneintrittsalter an die statistische Lebenserwartung gekoppelt werden. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren soll gestrichen werden.
Als Ersatz ist eine „Schutzrente" geplant: Versicherte mit mindestens 35 Jahren könnten zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze abschlagsfrei aufhören – allerdings nur nach bestandener Gesundheitsprüfung. Die Kommission kalkuliert Einsparungen von rund 6,5 Milliarden Euro, wenn der Renteneintritt um ein Jahr verschoben wird.
Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), kritisiert den Widerstand gegen die Pläne. Unterstützung kommt vom Rentenkommissionsmitglied Jörg Rocholl und der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm. Rocholl warnt: Das Festhalten an aktuellen Regelungen koste jährlich Milliarden für die Kapitalrente.
Krankengeld bei Teilrente wird gestrichen
Der Bundestag hat bereits konkrete Schritte beschlossen. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 10. Juli 2026 sieht vor: Ab dem 1. Januar 2027 entfällt der Krankengeldanspruch, wenn eine Teilrente bezogen wird, die zwei Drittel der Vollrente übersteigt. Das soll jährlich rund 30 Millionen Euro sparen.
Immer mehr Beschäftigte erreichen das Renteneintrittsalter nicht. Mit der richtigen Vorsorge-Strategie können Sie Ihre Gesundheit und Ihre Rente absichern – bevor es zu spät ist. Vorsorge-Strategie jetzt sichern
Gleichzeitig zeigt der Mikrozensus 2025: Immer mehr Menschen arbeiten über das Rentenalter hinaus. 14 Prozent der 65- bis 74-Jährigen waren neben dem Rentenbezug erwerbstätig – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die meisten in geringfügigen Jobs, über ein Viertel selbstständig.
Die medizinische Entwicklung bleibt widersprüchlich. Kohortenstudien des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung zeigen: Herzinfarkte bei älteren Frauen nehmen deutlich ab, die Überlebenschancen steigen. Krebserkrankungen hingegen nehmen statistisch zu – wegen besserer Diagnosen und steigender Lebenserwartung. Doch die gewonnenen Jahre sind nicht zwangsläufig beschwerdefrei.
