Joghurt und Kekse: Zuckerlabel senkt die Nachfrage nach zuckerreichen Produkten
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 04:02 Uhr | Redaktion boerse-global.deTransparenz auf Lebensmittelverpackungen kann Kaufentscheidungen messbar verändern. Eine Untersuchung von Forschern der Pennsylvania State University, die im Fachjournal Agribusiness erschien und über die am 16. Oktober 2026 berichtet wurde, belegt diesen Effekt anhand der US-amerikanischen Kennzeichnungspflicht für zugesetzten Zucker.
Die Regelung verpflichtet große Lebensmittelhersteller seit dem Jahr 2020 und kleinere Produzenten seit 2021 dazu, den Gehalt an zugesetztem Zucker explizit auf der Nährwerttabelle auszuweisen.
Für die Untersuchung griffen die Wissenschaftler auf Scannerdaten von NielsenIQ aus den Jahren 2015 bis 2020 zurück. Der Datensatz umfasste 3.528 Märkte und verglich die Verkaufszahlen von 312 Joghurtprodukten aus sieben Marken sowie 430 Keksartikeln aus 15 Marken. Die Auswertung ergab, dass die verpflichtende Deklaration die Nachfrage nach Produkten mit besonders hohem Zuckergehalt spürbar dämpfte.
Deutliche Effekte auf den Gesamtzuckerkonsum
Ergänzend zu den Marktdaten entwickelte das Forschungsteam um Co-Autor Yizao Liu ein ökonomisches Simulationsmodell. Die Berechnungen verdeutlichen das Ausmaß der Steuerungswirkung: Ohne die Einführung des verpflichtenden Labels wäre der Gesamtzuckerkonsum der untersuchten Warengruppen deutlich höher ausgefallen. Bei Joghurtprodukten hätte die Zuckeraufnahme ohne Kennzeichnung rechnerisch um rund 4 Prozent höher gelegen, bei Keksen sogar um etwa 11 Prozent.
Das Modell lieferte zudem Erkenntnisse für fiskalische Steuerungsmaßnahmen. Eine gezielte Abgabe, die ausschließlich auf zugesetzten Zucker erhoben wird, erzielt laut den Modellberechnungen eine vergleichbare Wirksamkeit wie eine breit angelegte allgemeine Zuckersteuer.
Wer sich mit dem Einfluss von Zucker auf die Gesundheit befasst, sollte auch die Folgen für das Immunsystem im Blick behalten. Was Gelenkschmerzen, Blutzuckerspitzen und ständige Müdigkeit gemeinsam haben, erklärt dieser kostenlose Ratgeber zur entzündungshemmenden Ernährung. Den kostenlosen Kompakt-Guide jetzt herunterladen
Internationale Ansätze zwischen Steuern und Verbraucherinformation
Die Ergebnisse der Penn-State-Forscher fügen sich in die weltweite Debatte über effektive Maßnahmen gegen übermäßigen Zuckerkonsum ein. International setzen Regierungen auf unterschiedliche Strategien. Während Singapur primär auf Orientierungshilfen wie das Nutri-Grade-Label statt auf steuerliche Eingriffe setzt, führten andere Staaten verbindliche Abgaben ein.
Das Vereinigte Königreich etablierte im Jahr 2018 eine Steuer für Hersteller gesüßter Getränke. In der Folge passten Produzenten ihre Rezepturen an: So enthält dieselbe Limonadenmarke wie Fanta im Vereinigten Königreich 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter, während der Gehalt in Deutschland bei 7,6 Gramm liegt.
Gleichzeitig verweisen Fachleute auf die Bedeutung klarer Kriterien bei der Deklaration. Nach den Vorgaben der Europäischen Union darf ein Produkt die Angabe ohne Zucker nur tragen, wenn höchstens 0,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm oder Milliliter enthalten sind.
Neben der Wahl zuckerarmer Produkte können auch gezielte Lebensmittel im Alltag helfen, Entzündungsprozesse im Körper sanft zu regulieren. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, welche 12 natürlichen Lebensmittel wie Brokkoli oder Ingwer Ihre Vitalität unterstützen können. Gratis-Ratgeber mit 9 goldenen Ernährungsregeln sichern
Der Hinweis ohne Zuckerzusatz schließt lediglich zugesetzte Zucker oder Süßungsmittel aus, erlaubt jedoch den Verbleib natürlich vorkommender Zuckerarten wie Fruchtzucker oder Laktose, die gesondert ausgewiesen werden müssen.
Wie die US-Daten nahelegen, schaffen standardisierte Pflichtangaben zu zugesetzten Zuckern zusätzliche Transparenz, die Konsumenten unmittelbar bei der Produktauswahl unterstützt.
