Jobsicherheit, Gehalt

Jobsicherheit schlägt Gehalt: 58% der Arbeitnehmer priorisieren Stabilität

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 01:16 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Jobsicherheit ist Arbeitnehmern wichtiger als Vergütung. Autohersteller fordern längere Arbeitszeiten, während Homeoffice-Studien widersprüchliche Ergebnisse liefern.

Arbeitsmarkt im Wandel: Sicherheit vor Gehalt, Mehrarbeit bei VW & Mercedes
Ein gestresster Geschäftsangestellter sitzt nachts in einem modernen Büro, umgeben von Dokumenten und einem Bildschirmlicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Stabilität ist gefragt, während in Schlüsselindustrien eine Debatte über Mehrarbeit und Präsenzpflicht entbrennt.

Sicherheit verdrängt Gehalt als Top-Priorität

Arbeitsplatzsicherheit ist mit 58 Prozent das wichtigste Kriterium für Arbeitnehmer. Das zeigt das Randstad Employer Brand Research 2026, für das 4.331 Personen befragt wurden. Die Vergütung rutschte auf den vierten Platz ab.

Auch die Plattform kununu bestätigt den Trend. Wird die Jobsicherheit als nicht gegeben wahrgenommen, sinkt die Unternehmensbewertung auf durchschnittlich 2,2 Sterne. Dabei wird das Thema Gehalt auf der Plattform noch 70-mal häufiger thematisiert als Sicherheitsaspekte.

Parallel dazu steigen die krankheitsbedingten Fehlzeiten seit 2023 branchenübergreifend. Experten sehen Warnsignale: Häufungen von Abwesenheiten an Wochenendrändern oder nach organisatorischen Veränderungen. Die Produktivitätsverluste erreichen in betroffenen Betrieben teilweise sechsstellige Beträge pro Jahr.

Autoindustrie: Längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich

In der deutschen Automobilbranche zeichnet sich eine klare Tendenz ab. Der Analyst Ferdinand Dudenhöffer fordert für die Volkswagen AG die Einführung einer 40-Stunden-Woche bei gleichbleibendem Gehalt. Er regt sogar eine vorübergehende Aussetzung der Tarifautonomie an.

Hintergrund: Ein Absatzrückgang von neun Prozent im zweiten Quartal 2026. Schätzungen zufolge könnten bei VW bis zu 100.000 Stellen wegfallen. Vier Werke in Deutschland stünden zur Disposition.

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Auch Mercedes-Benz verschärft den Sparkurs. Das Unternehmen plant die Ausweitung der Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden bei gleichem Lohn. Homeoffice-Regelungen sollen gestrichen werden, stattdessen gilt eine Fünf-Tage-Präsenzpflicht. Betroffen sind rund 90.000 Beschäftigte.

Zudem soll eine geplante Sonderzahlung um ein Jahr verschoben werden. Die IG Metall kündigte bereits Widerstand an. Mercedes kämpft zudem mit fehlenden Batterien für das elektrische SUV-Modell GLC. Der Aktienkurs gab seit Jahresbeginn um 25 Prozent nach.

Politische Unterstützung kommt von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. „Die 35-Stunden-Woche passt nicht mehr in die aktuelle Zeit“, erklärte er heute. Er sprach sich für Mehrarbeit zum Erhalt von Arbeitsplätzen und für Karenztage im Krankheitsfall aus.

Homeoffice: Produktivität versus Kontrollzwang

Die Debatte um die Rückkehr ins Büro wird durch neue Studien flankiert. Eine Untersuchung unter Beteiligung der Techniker Krankenkasse zeigt: Ein Homeoffice-Anteil von bis zu 60 Prozent kann die Produktivität um 20 Prozent steigern.

Eine sechsjährige Studie der Wharton School kommt zu einem anderen Ergebnis. Die Ablehnung von Homeoffice durch Führungskräfte hängt demnach weniger mit mangelndem Vertrauen oder dem Wunsch nach sozialem Kontakt zusammen.

Vielmehr sei narzisstisches Verhalten bei Vorgesetzten ein statistischer Vorhersagefaktor. Diese Führungskräfte streben verstärkt nach Macht und unmittelbarer Kontrolle – und verweigern deshalb flexible Arbeitsmodelle.

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Leistungsdebatte erreicht den Spitzensport

Der Diskurs um Einsatzbereitschaft erreicht auch den Fußball. Heute kritisierte der frühere Weltmeister Pierre Littbarski die Arbeitseinstellung von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Er bemängelte eine unzureichende Beobachtung internationaler Wettbewerbe wie des Asien-Cups oder der Klub-WM.

„Mit einem Fokus auf Work-Life-Balance gewinnt man keine Weltmeisterschaft“, so Littbarski.

Parallel verdichten sich die Anzeichen für einen Wechsel an der Spitze der Nationalmannschaft. Der DFB erzielte heute in New York eine grundsätzliche Einigung mit Jürgen Klopp über einen Vertrag bis zur WM 2030. Das Jahresgehalt soll bei knapp über sieben Millionen Euro liegen.

Ein Hindernis: Klopps vertragliche Bindung an Red Bull als „Head of Global Soccer“. Eine angedachte Doppelrolle als Bundestrainer und Markenbotschafter stieß bei mehreren DFB-Landesverbänden auf Kritik. Funktionäre äußerten Bedenken wegen möglicher Interessenkonflikte und bezeichneten die Gehaltsstrukturen als unverhältnismäßig.

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