Job Scamming: Gemeldete Opfer steigen um 258 Prozent, warnt BioCatch
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 20:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kriminelle nutzen verstärkt soziale Netzwerke und Messenger-Dienste, um Opfer mit vermeintlich attraktiven Stellenangeboten zu täuschen. Wie aktuelle Berichte zeigen, dient die Masche des sogenannten Job Scamming oft dazu, persönliche Daten abzugreifen, Identitäten zu stehlen oder manipulierte Bankkonten für kriminelle Zwecke zu eröffnen. Die Polizei warnt vor den wachsenden Gefahren dieser Vorgehensweise.
Identitätsdiebstahl nach gefälschtem Bewerbungsverfahren
Ein konkreter Vorfall ereignete sich Ende September in Nordrhein-Westfalen. Ein 18-Jähriger aus Bielefeld hatte sich am 26. September 2026 online auf einen ausgeschriebenen Minijob beworben. Nachdem ihm ein Arbeitsvertrag vorgelegt und Testaufgaben gestellt worden waren, forderten ihn die vermeintlichen Arbeitgeber auf, sich per QR-Code in einer Postfiliale zu identifizieren.
Am 5. Oktober 2026 erhielt der junge Mann Post von einer Bank bezüglich eines Girokontos sowie eine unbestellte Visa-Karte. Die Betrüger hatten das Konto auf seinen Namen eröffnet. Der Betroffene wandte sich umgehend an das Kreditinstitut und deckte den Betrug auf.
Nach Angaben der Polizei Bielefeld sollten die erlangten Daten für die Kontoeröffnung und weitere Straftaten missbraucht werden. Die Behörde warnte eindringlich vor Identitätsmissbrauch zur Eröffnung von Bankkonten. Auch in Niedersachsen wurde eine Frau aus Gifhorn laut Berichten Opfer der Betrugsmasche.
Deutlicher Anstieg digitaler Betrugsfälle
Die Dimension des Phänomens spiegelt sich in aktuellen Branchendaten wider. Das Sicherheitsunternehmen BioCatch analysiert monatlich 19 Milliarden Nutzersitzungen und über 3.000 anonymisierte Datenpunkte je Sitzung.
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Laut Erhebungen des Unternehmens meldeten über 370 Finanzinstitute in 21 Ländern mit mehr als 760 Millionen Nutzern binnen zwölf Monaten 35 Prozent mehr Betrugsversuche, nachdem im Vorjahresbericht ein Zuwachs von 65 Prozent verzeichnet worden war.
Besonders stark legte das Job Scamming zu: Die Zahl der gemeldeten Opfer in diesem Bereich stieg laut BioCatch um 258 Prozent. Neun von zehn Betrugsversuchen gegen Bankkunden liefen dabei über Smartphones. Bei klassischem, nicht autorisiertem Betrug lag der Mobile-Anteil bei 75 Prozent.
Während laut Angaben von TechRadar ein Drittel aller Betrugsversuche auf Kaufbetrug entfällt, verursachte Investmentbetrug laut BioCatch durchschnittlich 6.600 US-Dollar Schaden je Fall – das Fünffache des Durchschnitts aller Betrugsarten.
Gefahren reichen bis zu Accountsperren und Verschleppung
Gefälschte Stellenangebote und manipulierte Nachrichten bergen oft weitreichende Risiken. In der Dominikanischen Republik berichteten Männer der Nachrichtenagentur AFP, sie seien mit falschen Jobangeboten nach Russland gelockt und auf Militärbasen gebracht worden. Einem 52-Jährigen namens Jesús Campusano war ein Schweißerjob in Kasan für mehrere Tausend US-Dollar in Aussicht gestellt worden.
Nach seiner Ankunft Ende Juli wurde ihm nach Angaben seiner Schwester der Pass abgenommen und eine Verlegung an die Front angedroht. Präsident Luis Abinader erklärte im Vormonat, die Regierung habe 20 mögliche Opfer identifiziert; ein Menschenrechtskoordinator schätzte die Zahl der Betroffenen auf bis zu 100.
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Parallel dazu manipulieren Angreifer Kommunikationskanäle auf Messengern für finanzielle Forderungen. So übernahmen Kriminelle nach einem Klick auf einen Abstimmungslink den WhatsApp-Account eines Kärntner Gastronomen und forderten dessen Kontakte auf, jeweils 955 Euro zu überweisen.
Mehr als 30 Personen kamen der Aufforderung nach, was zu einem Schaden im mittleren fünfstelligen Bereich führte. Das Landeskriminalamt Kärnten rät in solchen Fällen, verdächtige Absender direkt anzurufen und weder vorschnell Links zu öffnen noch Überweisungen zu tätigen.
Mehr zum Thema bei NDR: „Job Scamming: Frau aus Gifhorn wird Opfer von Betrugsmasche“
