Jo-Jo-Effekt, Forscher

Jo-Jo-Effekt widerlegt: Forscher entwarnen bei wiederholter Abnahme

14.06.2026 - 09:07:10 | boerse-global.de

Neue Ansätze setzen auf bewussten Genuss, während GLP-1-Medikamente Muskelabbau riskieren. Experten warnen vor Protein-Trend.

Abnehmen 2026: Genuss statt Verzicht und neue Risiken
Jo-Jo-Effekt - Eine einzelne, perfekt reife Himbeere liegt auf einer glatten Oberfläche, mit einem weichgezeichneten, warmen Hintergrund. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neurologische Erkenntnisse, medikamentöse Innovationen und individuelle Genussmuster bestimmen zunehmend die Debatte um nachhaltigen Gewichtsverlust.

Das „Himbeer-Prinzip“: Gezielter Genuss statt Verzicht

Dana Small, Neurowissenschaftlerin an der Yale University, propagiert einen ungewöhnlichen Ansatz: Bewusster Genuss statt strenger Verzicht. Die Psychiaterin, die selbst vor 16 Jahren die Diagnose Prädiabetes erhielt, spricht vom sogenannten „Himbeer-Prinzip“.

Ihrer Forschung zufolge hilft das bewusste Konsumieren von Lebensmitteln, die dem individuellen Geschmack entsprechen, das Gewicht langfristig zu stabilisieren. Rein auf Restriktion basierende Ernährungsweisen scheitern dagegen häufig. Small gilt in der Fachwelt als führende Expertin für die neurologischen Grundlagen von Ernährungsentscheidungen.

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Ab 40: Was sich im Körper verändert

Ab dem 40. Lebensjahr erschweren sinkende Muskelmasse und ein reduzierter Energiebedarf die Gewichtsreduktion. Fachleute empfehlen für diese Altersgruppe spezifische Anpassungen: ein eiweißreiches Frühstück, weniger Fertigprodukte und die bewusste Dokumentation der Nahrungsaufnahme.

Studien belegen: Wer ein Ernährungstagebuch führt, hat signifikant höhere Chancen auf erfolgreiche Abnahme. Krafttraining zum Erhalt der Muskulatur bleibt neben der Ernährung der entscheidende Faktor.

Abnehmspritzen: Erfolg mit Nebenwirkungen

GLP-1-Analoga wie Wegovy stehen im Fokus der medizinischen Bdette. In Deutschland sollen sie bald auch in Pillenform zugelassen werden. Doch die Forschung rückt die Nebenwirkungen in den Vordergrund.

Bis zu 40 Prozent des durch diese Präparate verlorenen Gewichts können auf Muskelmasse entfallen. Um dem entgegenzuwirken, untersuchen klinische Phase-2-Studien den Antikörper Apitegromab. Er könnte den Abbau von Muskelgewebe während einer Behandlung mit Wirkstoffen wie Tirzepatid verhindern.

Haiko Schlögl, Endokrinologe am Universitätsklinikum Leipzig, warnt jedoch: „Eingriffe in die körpereigenen Kontrollmechanismen sind stets mit Risiken verbunden.“ Muskelverlust lasse sich alternativ durch proteinreiche Ernährung und gezielten Sport vermeiden.

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Jo-Jo-Effekt: Entwarnung von der Forschung

In einer Analyse vom 13. Juni 2026 untersuchten die Experten Faidon Magkos und Norbert Stefan die weltweite Datenlage zum Jo-Jo-Effekt. Ihr Ergebnis: Es gibt keinen Beleg für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen wiederholter Gewichtszunahme und einer dauerhaften metabolischen Schädigung bei Adipositas.

Der Ruheenergieverbrauch bleibt demnach stabil. Die Vorteile jeder Gewichtsabnahme – Entlastung der Gelenke, verbesserte Blutzucker- und Blutdruckwerte – überwiegen die potenziellen Risiken einer erneuten Gewichtszunahme.

Protein-Boom: Wenn Selbstoptimierung krank macht

Parallel zum medizinischen Fortschritt beobachten Fachleute einen problematischen Trend: künstliche Proteinsubstitution, insbesondere bei jungen Männern. Sarah Grundnig, Leiterin einer Essstörungsklinik in Kärnten, berichtet, dass das Thema Selbstoptimierung zunehmend pathologische Züge annehme.

Sportmediziner wie Piero Lercher von der MedUni Wien kritisieren zudem, dass künstliche Proteinzusätze oft nur der Preissteigerung von Lebensmitteln dienten. Während die Österreichische Gesellschaft für Ernährung 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht empfiehlt, gesteht die Deutsche Gesellschaft für Ernährung Leistungssportlern bis zu 2 Gramm zu. Eine dauerhaft zu hohe Proteinzufuhr kann Organe wie Niere und Leber schädigen.

Die sozialen Kosten des Ernährungssystems

Neben gesundheitlichen Aspekten gewinnen ökonomische Rahmenbedingungen an Bedeutung. In Österreich beziffert der Verein ZUKUNFT:ESSEN die externen Kosten des Ernährungssystems auf jährlich 5 bis 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – verursacht durch Wasseraufbereitung, Klimaschäden und Gesundheitsbelastungen. Über 100 Experten fordern ein ressortübergreifendes Kompetenzzentrum für nachhaltige Ernährungssysteme.

In Deutschland wird die soziale Komponente gesunder Ernährung verstärkt diskutiert. Angesichts einer Armutsquote von 19,5 Prozent bei Menschen über 65 Jahren startete in Karlsruhe ein Pilotprojekt: Hausärzte können dort „soziale Rezepte“ für warme Mahlzeiten ausstellen, deren Kosten die Stadt trägt. Die Ergebnisse sollen in einen Aktionsplan für 2027 einfließen.

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