Jo-Jo-Effekt: Lancet-Studie entkräftet Mythos vom Stoffwechsel-Schaden
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 04:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der medizinischen Fachwelt findet derzeit eine grundlegende Neubewertung des sogenannten Jo-Jo-Effekts statt. Eine im Juli 2026 in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlichte Untersuchung der Professoren Norbert Stefan und Faidon Magkos zeigt, dass das zyklische Ab- und Zunehmen bei Adipositas entgegen bisheriger Annahmen keine langfristigen gesundheitlichen Schäden nach sich zieht. Die Studie entkräftet damit die verbreitete Sorge, dass wiederholte Diäten den Stoffwechsel oder die Körperzusammensetzung dauerhaft negativ beeinflussen könnten.
Stabile Körperzusammensetzung trotz Gewichtsschwankungen
Ein zentraler Aspekt der wissenschaftlichen Analyse betrifft das Verhältnis von Muskel- zu Fettmasse. Die Forscher Norbert Stefan und Faidon Magkos stellten fest, dass dieses Verhältnis beim Gewichtszyklisieren konstant bleibt. Das bedeutet, dass der Körper beim erneuten Zunehmen nicht überproportional mehr Fett oder weniger Muskelmasse ansetzt, als vor der Gewichtsreduktion vorhanden war.
Diese Erkenntnis ist für die Behandlung von Adipositas von hoher Relevanz, da das Risiko eines dauerhaften Muskelverlusts durch Diäten oft als Gegenargument für Gewichtsreduktionsversuche angeführt wurde. Die Studienergebnisse legen stattdessen nahe, dass die Befürchtung einer metabolischen Verschlechterung durch den Jo-Jo-Effekt wissenschaftlich nicht belegt werden kann.
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Gesundheitlicher Nutzen zeitweiliger Gewichtsreduktion
Die Lancet-Studie betont ausdrücklich, dass sich eine Gewichtsabnahme auch dann lohnt, wenn es zu einer späteren Wiederzunahme kommt. Die Phase des reduzierten Körpergewichts bietet demnach signifikante gesundheitliche Vorteile, die über den Zeitraum der Diät hinauswirken können. In diesem Zusammenhang verweisen auch aktuelle Expertenbeiträge, wie etwa im Podcast Quarks Daily, auf die positiven Auswirkungen einer Gewichtsabnahme auf das Diabetes-Risiko und die psychische Gesundheit.
Diese Beobachtungen stützen die These, dass jede Phase eines niedrigeren Körpergewichts den Organismus entlastet und langfristige gesundheitliche Prävention darstellt. Die psychische Verfassung der Betroffenen profitiere ebenfalls von erfolgreichen Abnehmphasen, selbst wenn das Zielgewicht später nicht dauerhaft gehalten werden kann.
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GLP-1-Medikamente und die Rolle der Abnehmgeschwindigkeit
Ein weiterer Fokus der Untersuchung lag auf modernen Therapiemethoden. Die Studie analysierte die Wirkung von GLP-1-Medikamenten wie Wegovy und Mounjaro. Dabei zeigte sich eine markante Differenz zu herkömmlichen Methoden: Nach dem Absetzen dieser Medikamente erfolgte die Wiederzunahme viermal schneller als nach einer Gewichtsreduktion, die allein durch Diät und Bewegung erreicht wurde.
Hinsichtlich der Methodik zur Gewichtsreduktion formulieren die Forscher klare Empfehlungen. Als ideal gilt demnach eine langsame Gewichtsabnahme in einem Umfang von 0,5 kg/Woche. Dieser moderate Ansatz wird als besonders effektiv bewertet, um den Körper physiologisch nicht zu überfordern und die erreichten Erfolge besser kontrollieren zu können. Die Studie bietet somit eine fundierte Grundlage für eine differenziertere Beratung von Patienten mit Adipositas, bei der die Angst vor dem Jo-Jo-Effekt zugunsten der Vorteile einer zeitweiligen Gewichtsreduktion in den Hintergrund rückt.
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