Jo-Jo-Effekt, Fettzellen

Jo-Jo-Effekt: Fettzellen haben Gedächtnis für zehn Jahre

10.06.2026 - 07:29:17 | boerse-global.de

Studien zeigen epigenetisches Gedächtnis der Fettzellen und genetische Einflüsse auf die Wirksamkeit von Abnehm-Medikamenten.

Adipositas-Forschung: Neue Erkenntnisse zu Fettzellen und GLP-1
Jo-Jo-Effekt - Ein ausgewogenes, gesundes Hauptgericht mit Gemüse, magerem Protein und komplexen Kohlenhydraten auf einem modernen Teller. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere Studien liefern neue Einblicke – vom epigenetischen Gedächtnis der Fettzellen bis zu besseren Begleittherapien für GLP-1-Medikamente.

Warum Diäten oft scheitern

Forscher der ETH Zürich haben den Mechanismus hinter dem gefürchteten Jo-Jo-Effekt entschlüsselt. Ihre Studie, veröffentlicht am 8. Juni im Fachmagazin Nature, zeigt: Fettzellen besitzen ein epigenetisches Gedächtnis an früheres Übergewicht.

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Bestimmte Markierungen im Zellkern sorgen dafür, dass die Zellen nach einer Diät bei erneuter Kalorienzufuhr schneller in den alten Zustand zurückfallen. Das Problem: Fettzellen können bis zu zehn Jahre überleben – die Prägung bleibt lange bestehen.

Die Rolle der Kohlenhydrate

Parallel dazu rücken komplexe Kohlenhydrate wieder in den Fokus. Die tägliche Ballaststoffzufuhr ist im Vergleich zu früheren Generationen von rund 70 Gramm auf etwa 25 Gramm gesunken. Resistente Stärke – die etwa beim Abkühlen von gekochten Nudeln oder Kartoffeln entsteht – könnte helfen.

Der direkte Effekt auf die Kalorienbilanz ist zwar gering. Der Vorteil liegt laut Fachleuten vor allem in der Darmgesundheit und einem länger anhaltenden Sättigungsgefühl.

GLP-1-Medikamente: Nicht für alle gleich wirksam

Die Wundermittel der Gewichtsabnahme wirken nicht bei jedem. Forscher der Stanford University identifizierten genetische Varianten des Enzyms PAM, die bei etwa jedem zehnten Anwender die Wirkung von Semaglutid oder Tirzepatid abschwächen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nach sechs Monaten erreichten nur 12 Prozent der Betroffenen mit dieser Variante ihre Blutzuckerziele. Bei Patienten ohne die Mutation waren es immerhin 25 Prozent.

Das Problem der Muskelmasse

Ein bekanntes Problem der medikamentösen Therapie: der Verlust an Muskelmasse. Eine Phase-2-Studie in Nature Medicine zeigt nun einen Lösungsansatz. Der Antikörper Apitegromab konnte den Verlust an Magermasse deutlich reduzieren.

Während eine Kontrollgruppe unter Tirzepatid-Therapie 30,2 Prozent des Gewichts an Muskelmasse verlor, sank dieser Wert in der Apitegromab-Gruppe auf 14,6 Prozent – bei nahezu identischem Gesamtgewichtsverlust.

Krebsprävention als Nebeneffekt?

Die Wirkung der Medikamente könnte über die Gewichtsreduktion hinausgehen. Daten aus den Annals of Oncology deuten auf präventive Effekte hin. Bei adipösen Patienten ohne Diabetes war die Nutzung von GLP-1-Rezeptoragonisten mit einem um 41 Prozent geringeren Risiko für adipositasbedingte Krebsarten verbunden.

Besonders deutlich zeigte sich der Effekt bei Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse und der Gebärmutterschleimhaut.

Was auf den Teller kommt

Für die praktische Umsetzung empfehlen Fachleute bestimmte Lebensmittelkombinationen: gebratene Hähnchenbrust mit grünem Gemüse, Lachs mit Omega-3-Fettsäuren oder Eier mit gemischten Salaten. Der hohe Proteingehalt stabilisiert den Blutzucker und hilft, Muskelmasse zu erhalten.

Auch Mahlzeitersatzprodukte können helfen. Die Stiftung Warentest kürte in Ausgabe 1/2026 den Optifast Drink Vanille zum Testsieger mit der Note 2,4. Experten betonen jedoch: Solche Produkte müssen in ein Gesamtkonzept aus Ernährung und Bewegung eingebettet sein.

Bitterstoffe und Timing

Bitterstoffe aus Pflanzenextrakten wie Meisterwurz oder Schafgarbe könnten zusätzliche Unterstützung bieten. Forscher des Leibniz-Instituts an der TU München entschlüsselten den Wirkmechanismus: Die Stoffe steigern die Magensäureproduktion und fördern die Verdauung.

Auch das Timing der Wasseraufnahme spielt eine Rolle. Gezieltes Trinken vor den Mahlzeiten kann die Energieaufnahme senken – allerdings nur, wenn es kalorienhaltige Getränke ersetzt.

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Ketogene Ernährung für die Psyche?

Die Stanford University untersucht in Pilotstudien den Zusammenhang zwischen Stoffwechsel und psychischen Erkrankungen. Eine ketogene Ernährung mit einem Fett-zu-Protein-Kohlenhydrat-Verhältnis von 4:1 verbesserte psychiatrische Symptome bei Schizophrenie um 32 Prozent.

Bei bipolaren Störungen zeigten sogar 69 Prozent der Probanden signifikante Verbesserungen. Die Forscher führen dies auf eine Reduktion von Stoffwechselstörungen durch die Diät zurück.

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