Jensen Huang in Taiwan: NVIDIAs Kampf um die KI-Vorherrschaft
24.05.2026 - 23:30:37 | boerse-global.deDie Reise kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Die Nachfrage nach der neuen Vera-Rubin-Plattform übersteigt alle Erwartungen, und Huang spricht von einer „parabolischen" Entwicklung im KI-Markt. Noch vor der Computex 2026, die am 2. Juni beginnt, stehen entscheidende Gespräche mit den wichtigsten Fertigungspartnern an.
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Das Milliardenspiel um die Chip-Produktion
Der Zeitplan ist ambitioniert. Noch heute trifft sich Huang mit TSMC-Gründer Morris Chang, am Dienstag folgt ein formelles Gespräch mit TSMC-CEO C.C. Wei. Das Ziel: Die Produktionskapazitäten für das Vera-Rubin-System hochzufahren. Jedes dieser Systeme besteht aus rund zwei Millionen Einzelkomponenten – Huang spricht vom „größten Produktstart in der Geschichte Taiwans".
Die neue Architektur, die auf einem Sechs-Chip-System basiert, verspricht eine 3,5-fache Trainingsleistung und die fünffache Inferenzleistung im Vergleich zur Vorgängergeneration Blackwell. Um das zu stemmen, baut TSMC seine CoWoS-Verpackungskapazität massiv aus: von derzeit 35.000 Wafern pro Monat auf bis zu 140.000 Wafer bis Ende 2026. Die ersten Auslieferungen sind für das dritte Quartal 2026 geplant.
Rekordzahlen trotz Lieferengpässen
Die finanziellen Kennzahlen des Chipriesen sind atemberaubend. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 meldete NVIDIA einen Umsatz von umgerechnet rund 75 Milliarden Euro – ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Datacenter-Sparte trägt mit rund 69 Milliarden Euro etwa 90 Prozent zum Gesamterlös bei. Für das zweite Quartal werden rund 84 Milliarden Euro erwartet.
Ein strategischer Schritt: Seit dem 23. Mai wird „Gaming" nicht mehr als eigenständige Umsatzkategorie geführt. Die Sparte wurde in das Segment „Edge Computing" integriert. Damit unterstreicht NVIDIA, dass die RTX-Grafikkarten nicht länger reine Spiele-Hardware sind, sondern als Werkzeuge für lokale KI-Berechnungen positioniert werden.
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Das Speicher-Problem
Die Vera-Rubin-Architektur stellt auch die Speicherhersteller vor gewaltige Herausforderungen. NVIDIA-Finanzchefin Colette Kress bestätigte, dass das Unternehmen frühzeitig Massive Speicherbestellungen aufgegeben habe, um Lieferengpässe zu vermeiden. Der Bedarf ist enorm: Für 2027 prognostiziert NVIDIA einen LPDDR-Speicherbedarf von sechs Milliarden Gigabyte. Zum Vergleich: Apple und Samsung werden im selben Zeitraum voraussichtlich 2,9 beziehungsweise 2,7 Milliarden Gigabyte benötigen.
Konkurrenz schläft nicht
Während NVIDIA um seine Lieferketten kämpft, nutzen Wettbewerber die Gunst der Stunde. AMD hat am 23. Mai den Instinct MI350P PCIe-Beschleuniger vorgestellt – ein Dual-Slot-Gerät mit 144 Gigabyte HBM3E-Speicher. Zudem hat AMD die Serienproduktion seiner 2-Nanometer-EPYC-Venice-Prozessoren erreicht.
In China zeichnet sich ein noch grundlegenderer Wandel ab. NVIDIAs Marktanteil bei fortschrittlichen KI-Chips ist dort drastisch gesunken. Der chinesische Rivale Huawei hat die Serienproduktion des Ascend 950PR aufgenommen und wird für 2026 voraussichtlich umgerechnet rund elf Milliarden Euro mit KI-Chips umsetzen.
Die geopolitische Dimension
Erst Anfang Mai reiste Huang mit einer Handelsdelegation nach Peking. Dort bezeichnete er China als langfristige Wachstumschance im Wert von rund 46 Milliarden Euro – obwohl die aktuellen Exportkontrollen NVIDIA gezwungen haben, Marktanteile an einheimische Hersteller abzutreten. In Taiwan selbst ermitteln die Behörden derzeit wegen des mutmaßlich illegalen Exports von NVIDIA-Chips nach China.
Ausblick: Was bringt die zweite Jahreshälfte?
Am 27. Mai erfolgt der Spatenstich für NVIDIAs neue Firmenzentrale in Beitou-Shilin. Einen Tag später plant das Unternehmen ein „Trillion-Dollar-Banquet" – ein Gipfeltreffen mit Partnern, deren kombinierte Marktkapitalisierung umgerechnet rund 2,1 Billionen Euro beträgt.
Ob NVIDIA seine dominante Marktposition von knapp 95 Prozent halten kann, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden. Die Computex 2026 wird zeigen, ob der Chipriese die Produktionsziele für Vera Rubin erreicht – und ob die Lieferketten den gewaltigen Anforderungen standhalten.
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