IT-Sicherheit, KI-Einsatz

IT-Sicherheit: KI-Einsatz führt zu Burnout bei Fachleuten

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 22:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

KI-Angriffe nehmen zu, während Sicherheitsfachleute unter hoher Arbeitslast stehen. Studien zeigen Defizite im Management und langfristigen Kulturaufbau.

KI-Belastung in der Cybersecurity wächst – Risiken für Unternehmen
Ein dunkler, modern beleuchteter Serverraum mit Server-Racks in einer professionellen IT-Infrastrukturumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Verteidigung kritischer Infrastrukturen wie Krankenhäusern und Banken wird zunehmend zur psychischen Belastungsprobe für das IT-Sicherheitspersonal. Fachleute berichten von einer wachsenden Erschöpfung durch den Einsatz und die Abwehr Künstlicher Intelligenz.

Val Mairet, die zuvor als Sicherheitsingenieurin bei GitLab tätig war, beschreibt diese Entwicklung seit dem Jahr 2025 als eine Form von extremer Belastung durch den KI-Hype, die sie als KI-Wahnsinn charakterisiert.

Personelle Instabilität und operative Hürden

Die personelle Situation in der Cybersecurity-Branche gilt als angespannt. Neueinsteiger verbleiben oft nur 12 bis 18 Monate in ihren Positionen, wobei die Kosten für die Rekrutierung und Einarbeitung pro Stelle auf etwa 50.000 Euro geschätzt werden.

Ein wesentlicher Faktor für die Unzufriedenheit ist die ineffiziente Nutzung der Arbeitszeit: Cybersecurity-Analysten verbringen nach Branchenangaben etwa 40 Prozent ihrer Zeit mit der Konsolidierung von Daten. Diese manuelle Vorarbeit führt nicht nur zu Zeitverlusten, sondern birgt auch das Risiko von Fehlentscheidungen in der KI-gestützten Abwehr, wenn die zugrunde liegenden Daten fehlerhaft sind.

Gleichzeitig zeigen technologische Lösungen Potenziale zur Entlastung auf. Anbieter wie Anomali berichten von Zeitersparnissen zwischen 60 und 70 Prozent durch den Einsatz von Threat Intelligence. Dennoch bleibt der Druck hoch, da Angreifer ihre Methoden ebenfalls professionalisieren.

Diskrepanz zwischen Bedrohungslage und Management-Wahrnehmung

Studien des Unternehmens Darktrace verdeutlichen die Eskalation im digitalen Raum. Demnach beobachten 87 Prozent der Unternehmen einen Anstieg von KI-gestützten Angriffen.

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Während 96 Prozent der Firmen bereits KI in ihren eigenen Sicherheitswerkzeugen nutzen, äußern 92 Prozent Besorgnis über den Einsatz autonomer KI-Agenten durch Kriminelle. Besondere Risiken werden in sogenannten MCP-Angriffen (Multi-Component Phishing) und der unkontrollierten Nutzung von Schatten-KI gesehen.

Eine Befragung von Metacompliance unter 200 CISOs (Chief Information Security Officers) offenbart eine gefährliche Diskrepanz innerhalb der Führungsebene: 75 Prozent der Geschäftsführer unterschätzen die Risiken, die von Künstlicher Intelligenz ausgehen.

Etwa 40 Prozent der Sicherheitsverantwortlichen sorgen sich speziell um die Beschleunigung von Social-Engineering-Angriffen. Zudem gaben 76 Prozent der Befragten an, Schwierigkeiten mit den widersprüchlichen Anforderungen an ihre Rolle zu haben.

Langfristige Anforderungen an die Sicherheitskultur

Der SANS Security Awareness & Culture Report 2026 identifiziert KI als das zweitgrößte menschliche Cyberrisiko (42 Prozent), lediglich übertroffen von Social Engineering mit 77 Prozent. Klassische Risiken wie schwache Passwörter fallen mit 22 Prozent hingegen deutlich ab. Zu den kritischen Bereichen gehören die nicht autorisierte KI-Nutzung, das sogenannte Vibe Coding sowie der Einsatz von KI-Agenten.

Die Etablierung einer stabilen Sicherheitskultur erfordert laut dem Bericht erhebliche Ressourcen und Ausdauer. Für eine nachhaltige Verhaltensänderung der Belegschaft seien mindestens drei Vollzeitkräfte und ein Zeitraum von drei bis fünf Jahren notwendig.

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Der Aufbau einer echten Sicherheitskultur beanspruche im Schnitt 4,3 Vollzeitstellen über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren. Das durchschnittliche Gehalt für Experten in diesem Bereich liegt in Europa bei 106.896 US-Dollar, während es in Nordamerika 131.783 US-Dollar erreicht.

Technologische Bedrohungen und gesellschaftliche Folgen

Die Dringlichkeit wird durch Warnungen von über 100 Organisationen in einem Brief an OpenAI sowie durch Statistiken von Sicherheitsbehörden unterstrichen. Das FBI verzeichnete für das Jahr 2025 insgesamt 22.000 Anzeigen im Zusammenhang mit Cyberkriminalität, was zu Verlusten in Höhe von 893 Millionen US-Dollar führte.

Als größtes Risiko für Bürger werden Deepfakes eingestuft. Experten empfehlen zur Prävention Maßnahmen wie die Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA), Rückrufprotokolle oder die Vereinbarung privater Codewörter.

Auch für Ingenieure wird Cybersicherheit laut Einschätzung der Fraunhofer Academy zur Daueraufgabe. Neue Rollen wie Security Champions sollen helfen, den Herausforderungen durch Quantencomputer und die damit verbundene Bedrohung aktueller Verschlüsselungsverfahren zu begegnen.

Neben der Arbeitswelt wirkt sich die KI-Entwicklung auch auf die allgemeine mentale Gesundheit aus. Dr. Carolin Göhre von der Klinik Chiemseewinkel weist darauf hin, dass KI-Chatbots eine professionelle Psychotherapie nicht ersetzen können.

Zwar gaben in Befragungen 85 Prozent der depressiven Nutzer an, Gespräche mit Chatbots als hilfreich zu empfinden, doch bestehen erhebliche Risiken, insbesondere in Krisensituationen wie bei Suizidalität. Während 91 Prozent der 16- bis 29-Jährigen KI nutzen, bleibt die menschliche Expertise sowohl in der IT-Abwehr als auch in der psychologischen Betreuung unverzichtbar.

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