Unterschiede, Geschlechtschromosomen

iScience-Studie: Nur 18,1 Prozent der Unterschiede liegen auf Geschlechtschromosomen

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 08:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Untersuchung mit sechs Zelllinien zeigt unterschiedliche Botenstoffprofile bei männlichen und weiblichen Makrophagen; nur 18,1 Prozent der abweichend aktiven Gene lagen auf Geschlechtschromosomen.

Studie: Männer- und Frauen-Makrophagen reagieren verschieden auf Entzündungsreize
Nahaufnahme einer Laborschale mit biologischen Zellkulturen unter sterilen Bedingungen in einem Forschungslabor. Illustration mit AI erstellt.

Eine in der Fachzeitschrift iScience veröffentlichte Studie liefert neue Hinweise darauf, dass sich Immunzellen von Männern und Frauen in ihrer Entzündungsreaktion grundlegend unterscheiden.

Wie scienmag.com berichtete, untersuchten die Forscher sogenannte Makrophagen – Fresszellen des Immunsystems, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSC) gewonnen wurden. Grundlage waren Zelllinien von drei gesunden Männern im Alter von 27 bis 36 Jahren und drei Frauen zwischen 20 und 49 Jahren, die serumfrei kultiviert wurden.

Unterschiede bereits im Ruhezustand

Bereits ohne äußeren Reiz zeigten sich laut der Studie Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Ruhende weibliche Makrophagen sezernierten demnach signifikant mehr des Botenstoffs MCP-1 als männliche Zellen. Auch die Werte für IL-1beta, IL-6, IL-10 und IFN-alpha2 lagen bei den weiblichen Zelllinien leicht höher, während IL-8 bei männlichen Zellen erhöht war – dieser Unterschied erreichte jedoch keine statistische Signifikanz.

Reaktion auf einen Entzündungsreiz

Interessanter wird das Bild laut der Studie, wenn die Zellen mit Lipopolysacchariden (LPS) stimuliert werden – einem bakteriellen Bestandteil, der eine Immunantwort auslöst.

Nach dieser Stimulation produzierten männliche Makrophagen signifikant mehr der entzündungsfördernden und -regulierenden Botenstoffe IL-1beta, TNF-alpha, IL-6, IFN-alpha2, IL-10 sowie IL-23. Weibliche Zellen hingegen bildeten unter denselben Bedingungen mehr IFN-gamma, IL-8 und IL-17A. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Männer und Frauen auf denselben Entzündungsreiz mit unterschiedlichen molekularen Signalwegen reagieren.

Genetische Hintergründe nur teilweise erklärend

Um die Ursachen dieser Unterschiede einzugrenzen, analysierten die Forscher die Genaktivität der Zellen nach der LPS-Stimulation. Von insgesamt 304 Genen, die sich zwischen den Geschlechtern unterschiedlich stark exprimierten, lagen laut der Studie nur 18,1 Prozent auf den Geschlechtschromosomen.

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Im Ausgangszustand vor der Stimulation lag dieser Anteil bei unter 3 Prozent, wobei die meisten der unterschiedlich aktiven Gene auf Chromosom 1 zu finden waren. Das deutet darauf hin, dass die Geschlechtsunterschiede in der Entzündungsreaktion nicht allein durch Gene auf X- und Y-Chromosom erklärt werden können, sondern auch andere Teile des Erbguts eine Rolle spielen.

Zudem wiesen männliche Makrophagen laut der Studie mehr des Proteins NOX1 auf, das an der Bildung reaktiver Sauerstoffspezies beteiligt ist und damit ebenfalls Entzündungsprozesse beeinflussen kann.

Grenzen der Untersuchung

Die Autoren der Studie weisen selbst auf Einschränkungen ihrer Arbeit hin. Untersucht wurden lediglich sechs iPSC-Linien, was die statistische Aussagekraft begrenzt. Zudem wurde die Immunantwort nur zu einem einzigen Zeitpunkt nach der LPS-Stimulation erfasst, sodass Aussagen über den zeitlichen Verlauf der Reaktion fehlen.

Auch der Menopausenstatus der weiblichen Spenderinnen war den Forschern nicht bekannt – ein Faktor, der hormonell bedingte Unterschiede in der Immunantwort zusätzlich beeinflussen könnte.

Bedeutung für Forschung und Behandlung

Solche Erkenntnisse sind relevant für ein Forschungsfeld, das bislang lange von männlich geprägten Studienmodellen dominiert wurde. Entzündungsprozesse spielen bei zahlreichen chronischen Erkrankungen eine zentrale Rolle, von Autoimmunerkrankungen bis zu chronischen Schmerzsyndromen, die bei Frauen und Männern unterschiedlich häufig auftreten oder unterschiedlich verlaufen.

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Ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden zellulären Mechanismen könnte langfristig dazu beitragen, Diagnostik und Therapieansätze stärker geschlechtsspezifisch auszurichten. Angesichts der kleinen Stichprobengröße der aktuellen Untersuchung dürften weitere Studien mit größeren Zellkohorten nötig sein, um die beobachteten Unterschiede zu bestätigen und ihre klinische Relevanz einzuordnen.

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