IQWiG-Report: Akupunktur bei Migräne nur bedingt wirksam
30.04.2026 - 03:16:06 | boerse-global.deDie deutsche Gesundheitspolitik steht vor einem Wendepunkt: Während das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die Wirksamkeit von Akupunktur bei Migräne stark einschränkt, beschließt die Bundesregierung massive Kürzungen bei alternativen Heilmethoden. Der am Dienstag veröffentlichte IQWiG-Abschlussbericht fällt in eine Zeit, in der sich die Schere zwischen evidenzbasierter Medizin und traditionellen Verfahren weltweit weiter öffnet.
Nur gegen zwei Medikamente zeigt Akupunktur Vorteile
Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) im Januar 2025 in Auftrag gegebene Bewertung kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Manuelle Akupunktur zur Migräneprophylaxe ist nur dann nachweislich wirksam, wenn sie direkt mit den Präparaten Flunarizin und Topiramat verglichen wird. Diese Schlussfolgerung stützt sich auf drei randomisierte kontrollierte Studien – zwei weniger als noch im vorläufigen Bericht Ende 2025 identifiziert wurden.
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Doch die eigentliche Botschaft des IQWiG ist eine andere: Die Akupunkturforschung hat den Anschluss an die moderne Neurologie verpasst. Stefan Sauerland, Abteilungsleiter beim IQWiG, stellt klar, dass Vergleichsstudien mit aktuellen Behandlungen wie Betablockern, Amitriptylin, Onabotulinumtoxin A oder CGRP-Antagonisten vollständig fehlen. Für die überwiegende Mehrheit der Migränepatienten – insbesondere jene, für die herkömmliche Medikamente nicht infrage kommen – gibt es daher keinen belegten klinischen Nutzen. In Deutschland bleibt Akupunktur zur Migräneprophylaxe weiterhin eine Selbstzahlerleistung (IGeL).
Weltweit gegenläufige Trends bei traditioneller Medizin
Während europäische Gesundheitsbehörden auf fehlende Daten verweisen, gehen andere Länder den umgekehrten Weg. Die Türkei veröffentlichte am Dienstag eine neue Verordnung, die den Zugang zu Traditioneller und Komplementärmedizin (GETAT) massiv ausweitet. Künftig dürfen in staatlichen und privaten Krankenhäusern mit mindestens 100 Betten GETAT-Einheiten eingerichtet werden. Zertifizierte Ärzte und sogar Zahnärzte können dann bis zu elf verschiedene Verfahren anbieten – darunter Akupunktur, Blutegeltherapie und Schröpfen. Grundlage sind 15 offizielle wissenschaftliche Leitlinien aus dem Sommer 2025.
Auch im asiatisch-pazifischen Raum gibt es Bewegung. Samoa eröffnete am Dienstag eine spezielle TCM-Klinik im Krankenhaus Tupua Tamasese Meaole in Apia. Gesundheitsminister Vaaaoao Salumalo Alofipo weihte die Einrichtung gemeinsam mit chinesischen Vertretern ein. Zeitgleich entstand in Thailand ein großes Zentrum für traditionelle und alternative Medizin in Chachoengsao, das acht Provinzen versorgen soll. Der Fokus liegt auf Kräutermedizin, Langlebigkeitstherapien und medizinischem Cannabis.
Scharfe Kontrollen gegen falsche Wunderheiler
Die wachsende Popularität alternativer Behandlungen lockt auch schwarze Schafe an. Ein medizinisches Tribunal in Leicester verhandelte Ende April den Fall des früheren Allgemeinmediziners Dr. Mohsen Ali. Der Arzt, dem bereits 2015 die Zulassung entzogen worden war, wurde nun endgültig aus dem Ärzteregister gestrichen. Seine Masche: Er verlangte von Patienten bis zu 15.000 Pfund für intravenöse Vitamin-C- und Knoblauchöl-Behandlungen und versprach eine angebliche Erfolgsrate von 90 Prozent. Eine Patientin mit Eierstockkrebs starb kurz nach Behandlungsende.
In China gehen die Behörden seit April verstärkt gegen sogenannte Online-Wunderheiler vor. Die Razzien richten sich gegen Organisationen, die Laien in nur drei Tagen zu angeblichen Gesundheitsexperten ausbilden, um überteuerte Wellness-Produkte zu verkaufen. Ein 68-jähriges Opfer verlor umgerechnet über 1.000 Euro. Seit März 2026 müssen Verkäufer ihre Gewerbelizenzen offenlegen, digitale Plattformen haften für betrügerische Aktivitäten. Die Strafen können bis zu 130.000 Euro betragen.
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Ampel-Koalition streicht Homöopathie aus Kassenleistungen
Die Debatte um den Nutzen alternativer Medizin hat die Spitze der deutschen Regierung erreicht. Am Mittwoch billigte das Bundeskabinett eine umfassende Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Gesundheitsministerin Nina Warken präsentierte ein Paket, das ein prognostiziertes Defizit von 15,3 Milliarden Euro durch Einsparungen von 16,3 Milliarden Euro im Jahr 2027 ausgleichen soll.
Herzstück des Sparpakets: Homöopathie und bestimmte Vorsorgeuntersuchungen fliegen aus dem GKV-Leistungskatalog. Zwar beträgt die erwartete Ersparnis durch den Homöopathie-Ausschluss nur rund 50 Millionen Euro – ein Bruchteil des Gesamtvolumens. Doch Befürworter wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) argumentieren, der Schritt sei aufgrund fehlender wissenschaftlicher Belege für die Wirksamkeit überfällig.
Die Reform bringt weitere Änderungen:
- Rezept-Zuzahlungen: Feste Gebühren für Medikamente steigen auf 7,50 Euro, maximal 15 Euro.
- Zweite Meinung: Vor Knie-, Hüft- oder Wirbelsäulenoperationen ist künftig eine zweite ärztliche Meinung Pflicht.
- Krankengeld: Ursprünglich geplante Kürzungen wurden teilweise zurückgenommen, einige Versionen sehen jedoch eine Reduzierung auf 65 Prozent des Bruttogehalts für bestimmte Gruppen vor.
- Familienversicherung: Ab 2028 wird die beitragsfreie Mitversicherung für kinderlose Ehepartner eingeschränkt.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, kritisierte am Dienstag das Tempo und die Bürokratie der Reform. Besonders die verpflichtende Zweitmeinung für rund 200.000 jährliche Hüft- und Knieoperationen sei praxisfern. Er forderte eine Konzentration auf die Patientenversorgung statt auf administrative Hürden und plädierte für eine steuerfinanzierte Krankenversorgung für Sozialhilfeempfänger.
Zukunft der integrativen Medizin: Zwei Wege zeichnen sich ab
Die Entwicklung der alternativen Medizin scheint sich in zwei Richtungen zu spalten: streng regulierte klinische Anwendungen und breitere Wellness-Angebote. In China bleibt die Integration von TCM und westlicher Medizin strategisches Ziel. Daten vom Dienstag zeigen, dass kombinierte Therapien bei bestimmten Lungenkrebsarten die Zweijahres-Rückfallrate um sechs Prozentpunkte senken und das Überleben um durchschnittlich 3,47 Monate verlängern können. Der 15. Fünfjahresplan der chinesischen Regierung (2026–2030) fördert explizit die weitere integrative Anwendung in der Onkologie und Prävention.
In Europa liegt der Schwerpunkt weiterhin auf evidenzbasierter Validierung. Der IQWiG-Bericht zur Akupunktur unterstreicht die wachsende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Studien, die traditionelle Methoden mit den neuesten pharmakologischen Durchbrüchen vergleichen. Mit der Umsetzung der GKV-Reform dürfte die Rolle der Alternativmedizin im öffentlichen Sektor weiter schrumpfen – die Beweislast und die Kosten verlagern sich zunehmend in den privaten Bereich und zu den einzelnen Patienten.
Parallel dazu schreitet die Forschung an spezifischen Pflanzenextrakten voran. Eine am Dienstag in Scientific Reports veröffentlichte Studie zeigt, dass eine Mischung aus Apfel-, Grünkohl- und Grüntee-Extrakten entzündungshemmende Wirkung bei Schuppenflechte haben könnte. Die Suche nach natürlichen Heilmitteln bewegt sich damit von der traditionellen Überlieferung hin zur Molekularbiologie.
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