iPhone-Schutz: Magnet Forensics behauptet Umgehung des 72-Stunden-Neustarts
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 03:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Schulungsvideo des Forensik-Unternehmens Magnet Forensics, das dem Portal 404 Media vorliegt, sorgt für Aufsehen in der IT-Sicherheitsbranche. Wie 404media.co berichtete, behauptet das Unternehmen darin gegenüber Ermittlern, dass seine Werkzeuge GrayKey Preserve und Evidence Preservation Mode den sogenannten AFU-Zustand eines iPhones – "After First Unlock", also nach dem ersten Entsperren – auch nach einem Neustart oder Stromverlust erhalten könnten. Das Video soll Anfang 2025 entstanden sein.
Was die Software angeblich leistet
Laut dem Video sollen die Tools verhindern, dass zwischengespeicherte Standortdaten sowie kürzlich gelöschte iMessages und Fotos automatisch verfallen, wie engadget.com berichtete.
Nach dem ersten Zugriff auf ein Gerät würden zudem Mobilfunkverbindung, Bluetooth und WLAN deaktiviert, berichtete appleinsider.com. Diese Schritte sollen offenbar verhindern, dass das Gerät sich selbstständig in einen schwerer auszulesenden Zustand versetzt oder Daten per Fernzugriff gelöscht werden.
Allerdings liefert das Schulungsmaterial laut 404 Media keinerlei technische Erklärung dafür, wie genau diese Umgehung funktionieren soll. Die Behauptung bleibt damit bislang eine reine Aussage des Herstellers, ohne dass der zugrunde liegende Mechanismus offengelegt wird.
Apples Schutzmechanismus im Hintergrund
Im Zentrum der Debatte steht eine Sicherheitsfunktion, die Apple mit iOS 18.1 eingeführt hat: der Inaktivitätsneustart. Diese Funktion startet ein iPhone nach 72 Stunden ohne Entsperrung automatisch neu und versetzt es dadurch in den sogenannten BFU-Zustand ("Before First Unlock"), der für forensische Werkzeuge deutlich schwerer zugänglich ist.
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Laut semasocial.com wurde der Inaktivitätsneustart bereits im November 2024 zu iOS hinzugefügt. Genau diesen Schutzmechanismus soll die Software von Magnet Forensics nun angeblich aushebeln können.
Offene Fragen zur technischen Plausibilität
Die Sicherheitsforscherin Jiska Classen äußerte sich gegenüber 404 Media skeptisch zur fehlenden technischen Erklärung und vermutet als mögliche Erklärungsansätze entweder eine Manipulation der internen Systemuhr des Geräts oder das gezielte Abschalten von Löschprozessen im Betriebssystem.
Beide Mechanismen würden erklären, warum ein Gerät trotz Ablauf der 72-Stunden-Frist nicht in den BFU-Zustand wechselt – blieben aber bislang reine Spekulation.
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Wie gadgetreview.com betonte, ist die technische Behauptung von Magnet Forensics bislang nicht unabhängig bestätigt worden. Es existiert demnach keine öffentlich nachvollziehbare Analyse, die belegt, dass die beworbenen Funktionen tatsächlich wie beschrieben arbeiten.
Keine Stellungnahme der Beteiligten
Sowohl Apple als auch Magnet Forensics äußerten sich laut 404 Media nicht zu den im Schulungsvideo erhobenen Behauptungen. Damit bleibt unklar, ob es sich um eine tatsächliche Schwachstelle in Apples Sicherheitsarchitektur handelt oder ob die Darstellung im Schulungsmaterial übertrieben oder irreführend ist.
Für Nutzer und Sicherheitsexperten bedeutet dies vorerst, dass die Wirksamkeit des Inaktivitätsneustarts als Schutzmechanismus gegen forensischen Zugriff nicht abschließend bewertet werden kann, solange keine unabhängige technische Überprüfung der Magnet-Forensics-Behauptungen vorliegt.
