Internetsucht: Versuchung, nicht Stress, ist der Schlüsselfaktor
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 21:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen zum menschlichen Online-Verhalten liefern neue Erkenntnisse darüber, wie die Nutzung digitaler Angebote mit psychischen Belastungsfaktoren korreliert. Eine Studie der Universität Duisburg-Essen, die am 30. Juli 2026 in der Fachzeitschrift PLOS One veröffentlicht wurde, identifiziert die subjektiv empfundene Versuchung als den entscheidenden Faktor für eine problematische Internetnutzung. Entgegen verbreiteter Annahmen sind Stress oder die aktuelle Stimmungslage demnach nicht die alleinigen Auslöser für dieses Verhalten.
Langzeituntersuchung zum Online-Verhalten von Erwachsenen
Das Forschungsprojekt wurde von einem Team um die Forscherin Dr. Silke M. Müller geleitet, wobei Andreas Oelker als Erstautor fungierte. Die Untersuchung war zudem in die DFG-Forschungsgruppe FOR2974 unter der Leitung von Sprecher Prof. Dr. Matthias Brand eingebunden. Das Studiendesign umfasste einen Zeitraum von drei Jahren, in dem mehr als 1.200 Erwachsene befragt wurden.
Ein wesentlicher Teil der Methodik bestand in der intensiven Begleitung von 900 Probanden über eine Dauer von 14 Tagen. In diesem Zeitraum machten die Teilnehmer tägliche Angaben zu ihrem Stresslevel, ihrer allgemeinen Stimmung sowie zur Dauer ihrer Internetnutzung. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Erfassung des subjektiven Drangs, online zu gehen – der sogenannten Versuchung.
Die Rolle der Versuchung bei psychischer Belastung
Die Auswertung der Daten zeigt einen komplexen Wirkmechanismus zwischen externen Belastungsfaktoren und dem Nutzungsverhalten. Den Ergebnissen zufolge lösen akuter Stress und eine negative Stimmungslage zwar ein starkes Verlangen aus, das Internet aufzusuchen. Die Studie verdeutlicht jedoch, dass erst dieses Gefühl der Versuchung den Weg zur problematischen Nutzung ebnet.
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Zwar könne der Gang ins Internet kurzfristig als entlastend wahrgenommen werden und eine momentane Erleichterung verschaffen. Langfristig führe dieses Verhaltensmuster jedoch zu gegenteiligen Effekten. Die Forscher beobachten, dass eine gesteigerte Internetnutzung in der Folge das Stressempfinden erhöht und die allgemeine Stimmung verschlechtert.
Auswirkungen auf den Alltag und präventive Ansätze
Die problematische Internetnutzung hat laut der Studie messbare Konsequenzen für die Lebensgestaltung der Betroffenen. Es zeige sich eine Tendenz zur Vernachlässigung wichtiger Lebensbereiche. Dazu gehören neben beruflichen Verpflichtungen und der Ausbildung auch soziale Kontakte im physischen Raum.
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Aus den Erkenntnissen der Universität Duisburg-Essen leitet das Forschungsteam neue Ansätze für die Prävention ab. Da die Versuchung – also der subjektiv empfundene Drang – die zentrale Schnittstelle darstellt, liege der Schlüssel zur Vermeidung problematischer Muster in der individuellen Kompetenz, diese Impulse frühzeitig zu erkennen. Ziel präventiver Maßnahmen sollte es demnach sein, Strategien zu entwickeln, um der aufkommenden Versuchung gezielt zu widerstehen oder diese konstruktiv zu bewältigen, anstatt Stress unmittelbar durch digitale Nutzung kompensieren zu wollen.
Für weiterführende fachliche Informationen zu den Studienergebnissen steht die Universität Duisburg-Essen für Rückfragen zur Verfügung.
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