Inklusive, Wohnformen

Inklusive Wohnformen: 137 barrierefreie Einheiten entstehen bis 2027

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 15:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue inklusive Wohnangebote entstehen in mehreren Städten: Sanierungen, barrierefreie Neubauten und gemeinschaftliche Modelle stärken Teilhabe.
Moderner, heller Innenhof einer barrierefreien Wohnanlage mit begrünten Flächen und architektonisch klaren Fassaden. Illustration mit AI erstellt.

Gemeinschaftliche und inklusive Wohnformen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Verschiedene Initiativen und Träger realisieren derzeit neue Wohnprojekte, um Menschen mit Autismus oder psychischen Beeinträchtigungen durch inklusive Wohnkonzepte eine stabilere Lebensumgebung und eine verbesserte gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Die Ansätze reichen von baulich angepassten Quartieren bis hin zu Projekten, die auf gegenseitige Unterstützung im Alltag setzen.

Sanierte Bestände und barrierefreie Neubauvorhaben

In Wien-Donaustadt wurde am 16. September 2026 das Caritas Haus Franciscus nach einer umfassenden Sanierung neu eröffnet. Die Einrichtung besteht bereits seit 30 Jahren für Menschen mit intellektueller und mehrfacher Behinderung.

Nach den Umbauarbeiten bietet sie Platz für 25 Bewohner in zwei Wohngemeinschaften, aufgeteilt auf 19 Einzel- und zwei Doppelzimmer. Finanziell gefördert wurde das Projekt durch den Fonds Soziales Wien, der sich auch an den Sanierungskosten beteiligte.

Einen baulichen Schwerpunkt auf Barrierefreiheit setzt auch die Baugenossenschaft Saarland eG im saarländischen Homburg. An der Gerberstraße/Ecke Gasstraße entsteht das „Quartier am alten Rathaus“, das vier Gebäudekomplexe mit insgesamt 137 Einheiten umfasst.

Alle Wohnungen sind barrierefrei angelegt, acht davon zusätzlich uneingeschränkt rollstuhlgerecht beziehungsweise behindertengerecht. Nach Angaben der Genossenschaft sollen die ersten 29 Wohnungen im Februar 2027 bezugsfertig sein, was mehreren Monaten vor dem ursprünglich geplanten Termin liegt.

Modelle für solidarisches und gemeinschaftliches Zusammenleben

Neben institutionellen Trägern entwickeln bürgerschaftliche Initiativen Wohnmodelle auf Basis von Nachbarschaftshilfe. Der Verein „Insgesamt“ plant in der Kölner Hansemannstraße in Ehrenfeld ein Mehrparteienhaus mit 15 Wohnungen für Menschen mit und ohne Behinderung.

Das Konzept sieht vor, dass sieben Bewohner ohne Beeinträchtigung Mietpreise des öffentlich geförderten Wohnungsbaus entrichten und im Gegenzug acht Bewohner mit Behinderung im Alltag unterstützen. Vorgesehen ist zudem ein 80 bis 90 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum.

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Allein im saarländischen Homburg entstehen 137 barrierefreie Einheiten, acht davon uneingeschränkt rollstuhlgerecht — die ersten 29 sollen im Februar 2027 bezugsfertig sein. Wer ähnliche Projekte plant, braucht klare Förderwege und eine belastbare Barrierefreiheits-Checkliste. Kostenlosen Leitfaden für inklusive Wohnprojekte anfordern

Für die Realisierung veranschlagt der Verein drei bis fünf Jahre sowie rund 500.000 Euro an Eigenkapital und Spenden; eine Informationsveranstaltung wurde für den 20. September im Bürgerzentrum Ehrenfeld angekündigt.

In Münster-Handorf bereitet die Wohn+Stadtbau GmbH im Baugebiet „Kirschgarten“ ein gemeinschaftliches Vorhaben vor. Geplant sind individuelle Wohneinheiten, ergänzt um eine Gemeinschaftswohnung und Gemeinschaftsräume im Rahmen eines Mieter-Investor-Modells.

Die Fertigstellung wird bis 2028 angestrebt, ein Informationstermin ist für den 2. Oktober angesetzt. Wie langfristige Projekte funktionieren können, zeigt das Cohousing-Modell Pomali im niederösterreichischen Wöbling. Dort leben 71 Menschen im Alter von 0 bis 87 Jahren in 29 Wohneinheiten, die im Rahmen des geförderten Wohnbaus errichtet wurden.

Kommunale Netzwerke und begleitende Wohnkonzepte

Dass solche Wohnformen auch auf kommunaler Ebene Gewicht erhalten, zeigte sich am 16. September 2026 beim KGSt-Forum in Leipzig. Dort wurden die Stadt Frankfurt und das „Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen“ mit dem Siegel „Bewährt vor Ort“ in der Kategorie „Verwaltung als Partnerin, Koproduktion vor Ort“ ausgezeichnet. Das Netzwerk wuchs seit 2015 auf fast 100 Initiativen an.

Ergänzend entstehen spezialisierte Angebote für kleinere Zielgruppen. In Aschersleben an der Juri-Gagarin-Straße bietet das betreute Wohnprojekt „Die Durchstarter“ zwölf Plätze mit pädagogischer Begleitung für junge Menschen, von denen eine erste Bewohnerin Ende August 2026 einzog.

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Gemeinschaftliches Wohnen scheitert selten an der Idee, sondern an Finanzierung und Rechtsform: Ein Kölner Projekt veranschlagt rund 500.000 Euro Eigenkapital und Spenden bei drei bis fünf Jahren Vorlauf. Der Leitfaden zeigt, wie Träger solche Modelle tragfähig aufsetzen. Checkliste für gemeinschaftliche Wohnmodelle sichern

In Berlin-Reinickendorf trafen auf dem Areal der Finsterwalder Straße 64 die ersten zwei von vier Tiny-House-Anhängern der Organisation Home & Care ein, die wohnungslosen Personen für eine geplante Nutzungsdauer von sieben Jahren Wohnraum und sozialpädagogische Betreuung bieten sollen.

In Niedersachsen ergänzt die Lebenshilfe Bremervörde/Zeven solche Ansätze durch einen kostenlosen Autismus-Treff, der regelmäßig jeden zweiten Mittwoch im Monat in der Autismus-Ambulanz Selsingen stattfindet.

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