Inklusion im Sport: 79% sehen Vereine als Integrationspotenzial
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 10:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Was 1951 als Arbeitsgemeinschaft Deutscher Versehrtensport zur Rehabilitation Kriegsversehrter begann, ist heute ein moderner Spitzen- und Breitensportverband mit 512.000 Mitgliedern in 6.100 Vereinen. Die Bilanz zum Jubiläum zeigt: Der Weg zur echten Inklusion ist noch lang.
Sportvereine als Integrationsmotor
Laut einer Studie der Aktion Mensch sehen 79 Prozent der Menschen mit Behinderung in Sportvereinen das größte Potenzial für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bei Menschen ohne Behinderung sind es 72 Prozent. Der Sport wirkt als Begegnungsraum weit über die reine Bewegung hinaus.
Staatsministerin Claudia Schenderlein würdigte den Verband für seine Verdienste. DBS-Präsident Hans-Jörg Michels betonte jedoch: Die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention sind auch 17 Jahre nach Inkrafttreten keine Selbstverständlichkeit. Noch immer treibt nicht jeder zweite Mensch mit Behinderung aktiv Sport. Die Hürden in der Zugänglichkeit und den lokalen Strukturen sind weiterhin hoch.
Sechs neue Trainer für Los Angeles 2028
Der DBS rüstet sich für die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Im Juni und Juli besetzte der Verband sechs neue Trainerstellen:
- Sitzvolleyball: Christoph Herzog
- Para Klettern: Celina Schenk
- Para Radsport: Marcel Berger
- Para Leichtathletik: David Wrobel
- Para Judo (Heidelberg): Said Mollaei
- Para Tischtennis (Düsseldorf): Dominic Meisel
Nur jeder zweite Mensch mit Behinderung treibt aktiv Sport – dabei sehen 79% der Betroffenen in Vereinen das größte Integrationspotenzial. Unser Leitfaden zeigt Ihnen in drei Schritten, wie Sie Zugänglichkeit verbessern und Fördermittel sichern. Jetzt Inklusions-Leitfaden anfordern
Das Bundeskanzleramt sichert die Finanzierung bis Ende 2028. Parallel zeigen Nachwuchsathleten wie Felix Schrader mit Medaillen beim U23-Weltcup im Rollstuhlfechten, welches Potenzial in der deutschen Paraszene steckt.
Goalball-Halle als Leuchtturmprojekt
Der Rostocker Goalball Club Hansa betreibt die europaweit einzige Goalballhalle mit fest installierten taktilen Linien. Der 2014 gegründete Verein stellt regelmäßig Nationalspieler und feiert Erfolge in der Champions League. Aktuell kämpft er um die Wiedererlangung des Status als Bundesstützpunkt. Für September 2026 ist die Teilnahme an der Champions-League-Endrunde geplant.
Auch im Breitensport entstehen neue Angebote. In Unterschleißheim bietet der Verein Insel-Zeit inklusives Stand-up-Paddling an. Spezielle Boards tragen Lasten bis 800 Kilogramm – auch für elektrische Rollstühle geeignet. In Hessen nutzt die Stadt Sontra Fördermittel aus dem Programm „Sport integriert Hessen“ und koordiniert über einen Sport-Coach Inklusionsprojekte wie Schwimmkurse und Turniere.
Pionierarbeit vor Ort
Hürden bei Zugänglichkeit und lokalen Strukturen bremsen die Inklusion – dabei fördert das Programm „Sport integriert Hessen“ gezielt Projekte wie Schwimmkurse und Turniere. Erfahren Sie, wie auch Ihr Verein von solchen Fördertöpfen profitiert. Fördermittelguide jetzt sichern
Der Behindertensport lebt von lokalen Initiativen. Im September 2026 erhält Werner Burkhardt den Sport-Ehrenbrief der Stadt Bayreuth. Der mehrfache Paralympics-Teilnehmer leitete fast drei Jahrzehnte lang den Rollstuhlsportverband Bayreuth – von 1996 bis 2025.
Projekte wie das „Inklusionsmobil“ oder die „SportWoche für Alle“ sollen die Basisarbeit weiter stärken. Doch der DBS bleibt deutlich: Der Abbau physischer und institutioneller Barrieren muss konsequent vorangetrieben werden.
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