Infektionsbedingter Krebs: 2,3 Millionen Fälle weltweit in neuer IARC-Studie
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 10:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Untersuchungen der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), verdeutlichen den erheblichen Einfluss von Infektionen auf das weltweite Krebsgeschehen.
Einer im September 2026 in der Fachzeitschrift Lancet Oncology veröffentlichten Studie zufolge ließen sich im Jahr 2024 rund 2,3 Millionen neue Krebsfälle weltweit auf Infektionserreger zurückführen. Dies entspricht etwa 12 Prozent aller globalen Neuerkrankungen.
Die Hauptverantwortlichen unter den Krankheitserregern
Die Analyse, die auf Daten des IARC Global Cancer Observatory basiert, identifiziert fünf primäre Erreger, die für den Großteil der infektionsbedingten Fälle verantwortlich sind.
An erster Stelle steht das Bakterium Helicobacter pylori mit 760.000 Fällen, was vier Prozent aller weltweiten Krebserkrankungen ausmacht. Dicht darauf folgen humane Papillomviren (HPV) mit 750.000 Fällen, wobei die Typen 16 und 18 für etwa drei Viertel dieser Diagnosen verantwortlich zeichnen.
Weitere signifikante Treiber sind das Hepatitis-B-Virus (HBV) mit 360.000 Fällen, das Epstein-Barr-Virus (EBV) mit 260.000 Fällen sowie das Hepatitis-C-Virus (HCV) mit 160.000 Fällen. In die aktuelle Auswertung wurden erstmals auch HIV, das Merkel-Zell-Polyomavirus und EBV-assoziierter Magenkrebs einbezogen. Insgesamt stuft die IARC derzeit 13 Erreger als gesichert krebserregend ein, darunter neun Viren, ein Bakterium und drei Parasiten.
Regionale Disparitäten und wirtschaftliche Faktoren
Die Belastung durch infektionsbedingten Krebs ist global ungleich verteilt. Laut dem Bericht vom September 2026 entfallen 77 Prozent dieser Fälle auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Besonders betroffen ist Ostasien, wo 990.000 Fälle – etwa 42 Prozent der weltweiten Gesamtzahl – registriert wurden. Hier gelten vor allem Helicobacter pylori und Hepatitis B als Hauptursachen.
Jede achte Krebserkrankung weltweit geht laut einer aktuellen IARC-Studie auf Infektionen zurück — in Deutschland waren es 2024 rund 29.000 Fälle. Wer seinen persönlichen Schutzstatus kennt, kann das eigene Risiko aktiv senken. Der kostenlose Leitfaden zeigt, welche Erreger als gesichert krebserregend gelten und welche Vorsorge für Ihre Altersgruppe zählt. Kostenlosen Vorsorge-Leitfaden anfordern
Den höchsten relativen Anteil verzeichnet Subsahara-Afrika: Jede vierte Krebserkrankung ist dort auf Infektionen zurückzuführen, wobei HPV dominiert. Im Vergleich dazu liegen die Anteile in Westeuropa bei 5 Prozent und in Nordeuropa bei 4 Prozent. Für Deutschland weist die Statistik für das Jahr 2024 insgesamt 29.000 infektionsbedingte Krebsfälle aus, wovon 11.000 auf HPV und 9.700 auf Helicobacter pylori entfallen.
Präventionspotenzial durch Impfprogramme
Die Daten unterstreichen die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen. Am Beispiel der HPV-Impfung wird deutlich, wie effektiv Interventionen sein können. In England, wo die Impfung bereits 2008 eingeführt wurde, traten bei Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren keine Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs auf; statistisch wären 23 Fälle zu erwarten gewesen.
Australien verzeichnete seit dem Start seines Programms im Jahr 2007 einen Rückgang der HPV-Infektionen um 90 Prozent und strebt die Eliminierung von Gebärmutterhalskrebs bis 2035 an.
Allerdings variieren die Impfraten stark. Während Portugal und Schweden Quoten von rund 90 Prozent erreichen, liegen diese in Deutschland bei 15-jährigen Mädchen bei 55 Prozent und bei Jungen bei 36 Prozent. Ein Fachmann des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie bezeichnete den globalen Anteil von 12 Prozent als eine Untergrenze der tatsächlichen Belastung.
Methodik und langfristige Prognosen
Wissenschaftliche Experten bestätigten die hohe Qualität und Robustheit der von Harriet Rumgay und Gary Clifford mitverantworteten Studie, gaben jedoch zu bedenken, dass in einigen Weltregionen die Datenqualität geringer ausfalle. Die IARC führt solche Analysen bereits seit 1990 in unregelmäßigen Abständen durch.
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Trotz medizinischer Fortschritte prognostiziert das Team einen Anstieg der jährlichen Krebsneuerkrankungen von derzeit rund 20 Millionen auf bis zu 35 Millionen im Jahr 2050, was die anhaltende Relevanz präventiver Strategien gegen krebserregende Infektionen unterstreicht.
