Industrieroboter in Deutschland: 24.800 Neuinstallationen, acht Prozent weniger
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die ökonomischen Folgen zunehmender Automatisierung stehen im Mittelpunkt der fünften Fachkonferenz CORA 2026, die am 28. und 29. September 2026 am ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft in Kiel stattfindet.
Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der Universität Hamburg ausgerichtet und von Marianne Saam organisiert. Sie dient als Austauschforum für Datennutzer und den Hauptdatenanbieter International Federation of Robotics (IFR).
Der Branchenverband stiftet im Rahmen der Tagung zudem einen Preis für die beste wissenschaftliche Arbeit, der mit einem freien Zugang zur Premium-Ausgabe des Berichts World Robotics 2026 verbunden ist.
Neuer weltweiter Rekord bei Industrierobotern
Die Konferenz trifft auf ein Umfeld tiefgreifender struktureller Verschiebungen im internationalen verarbeitenden Gewerbe. Wie aus den Erhebungen der IFR hervorgeht, stieg die Zahl der neu installierten Industrieroboter im Jahr 2025 weltweit um elf Prozent auf über 600.000 Einheiten. Damit kletterte der globale Gesamtbestand auf über fünf Millionen Einheiten, was einem Zuwachs von neun Prozent entspricht und einer Verdopplung des Bestands innerhalb von sieben Jahren gleichkommt.
Treiber dieser Entwicklung bleibt vor allem China. Mit 354.000 Neuinstallationen im Jahr 2025 entfielen rund 59 Prozent aller weltweit aufgestellten Einheiten auf den chinesischen Markt, was einem Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Zudem überholten die USA mit fast 38.500 Neuinstallationen und einem Zuwachs von zwölf Prozent erstmals Japan, wo die Neuinstallationen um 19 Prozent auf 36.219 Einheiten sanken. Für das laufende Jahr 2026 prognostiziert der Verband einen weltweiten Anstieg der Neuinstallationen um neun Prozent auf rund 655.000 Roboter, bevor das Volumen bis 2029 auf rund 806.000 Einheiten anwachsen soll.
Experten analysieren derzeit die größte Industrierevolution seit Jahrzehnten und die damit verbundenen globalen Marktveränderungen. Dieser kostenlose Report fasst zusammen, wie KI und Robotik ganze Branchen umkrempeln und wer von dieser Entwicklung profitiert. Robotik und KI: Einblick in die Profiteure der neuen Industrieära
Rückgang in Deutschland und europäische Trends
In Deutschland entwickelte sich der Markt 2025 hingegen rückläufig. Mit 24.800 neu installierten Industrierobotern verzeichnete das Land ein Minus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch blieb Deutschland der größte Markt in Europa und zeichnete für 41 Prozent aller Neuinstallationen innerhalb der Europäischen Union verantwortlich. Im globalen Vergleich belegte die deutsche Industrie Rang fünf hinter China, den USA, Japan und Südkorea.
Die IFR führt den Rückgang in Deutschland unter anderem auf schwache Absatzzahlen bei Elektrofahrzeugen sowie auf wirtschaftliche und politische Unsicherheiten zurück.
Besonders spürbar war die Zurückhaltung im Automobilsektor, auf den 2025 noch 5.800 neue Einheiten entfielen. Dies entspricht einem Anteil von 23 Prozent an den deutschen Neuinstallationen, während dieser Wert im Jahr 2020 noch bei 40 Prozent gelegen hatte. Auch in der Metallverarbeitung sowie in der Chemie- und Kunststoffindustrie waren die Zahlen rückläufig.
IFR-Präsidentin Jane Heffner erklärte, dass sich die Automation zwar weiterhin auf hohem Niveau bewege, der Rückgang jedoch die schwache Nachfrage im verarbeitenden Gewerbe widerspiegele. Für 2026 rechnet der Verband mit einem weiteren Rückgang in Deutschland, bevor ab 2027 wieder mit Zuwächsen, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, zu rechnen sei.
Wer sich mit der industriellen Modernisierung befasst, erkennt schnell, dass alte Industriestrukturen weltweit ins Wanken geraten. Ein aktueller Report zeigt auf, welche Unternehmen den Wandel durch Robotik und künstliche Intelligenz bereits erfolgreich vollzogen haben. Kostenlosen Report zur industriellen Revolution herunterladen
Produktivitätswirkungen im Fokus der Forschung
Die Debatte über die ökonomischen Wirkungen dieser Technologien wird auch durch aktuelle wissenschaftliche Analysen gestützt. Ein Arbeitspapier des Internationalen Währungsfonds vom 25. September 2026 zeigt auf, dass fortschrittliche Technologien wie künstliche Intelligenz die aggregierte Arbeitsproduktivität langfristig um bis zu 3,8 Prozent steigern könnten.
Frühere Automatisierungswellen und damit verknüpfte Patentaktivitäten hätten bereits zwischen 2000 und 2017 für einen Zuwachs der Leistung pro Arbeitskraft von 0,8 bis 1,2 Prozent gesorgt. Die Ausgestaltung dieses Wandels und die Geschwindigkeit, mit der Betriebe und Beschäftigte neue Technologien adaptieren, bilden zentrale Diskussionspunkte der Kieler Fachtagung.
