Indien verbietet Usernamen: Telegram und Signal unter Druck
04.07.2026 - 08:45:13 | boerse-global.de
Die indische Regierung geht massiv gegen Messaging-Plattformen vor und verlangt von Telegram und Signal detaillierte Auskunft über ihre Sicherheitsvorkehrungen. Das Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie (MeitY) forderte die Anbieter am 2. Juli 2026 auf, ihre Schutzmaßnahmen gegen Betrug und Identitätsdiebstahl im Zusammenhang mit ihren Nutzernamen-Funktionen offenzulegen.
Schlag gegen die Anonymität
Die Behörden sehen in den Username-Funktionen ein erhebliches Sicherheitsrisiko. IT-Sekretär S Krishnan äußerte sich am 3. Juli 2026 besorgt: Diese Features birgen „erhebliche Risiken der Identitätstäuschung und Cyberkriminalität". Besonders Telegram müsse nun rechtfertigen, warum es die Funktion überhaupt behalten dürfe.
Der Schritt folgt einer Eskalation im Kampf gegen Cyberkriminalität. Die Zahlen sind alarmierend: 2025 verzeichnete Indien über 2,8 Millionen Beschwerden wegen Internetkriminalität – mit einem finanziellen Schaden von umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro. Bereits 2024 war die Zahl der gemeldeten Fälle um 18 Prozent auf etwa 102.000 gestiegen.
WhatsApp musste bereits zurückrudern
Nur einen Tag zuvor hatte das Ministerium WhatsApp angewiesen, die geplante Einführung einer eigenen Username-Funktion auf Eis zu legen. Der Facebook-Dienst, der in Indien über 500 Millionen Nutzer zählt, verteidigte sein Vorhaben mit konkreten Sicherheitsmaßnahmen: Hochkarätige Usernamen sollten nur an legitime Konten vergeben und Kontaktversuche begrenzt werden.
Doch die Regierung bleibt hart. Die betroffenen Unternehmen haben nur drei Tage Zeit, um auf die Anfragen zu antworten.
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Kleine Anbieter beugen sich bereits
Während die großen Plattformen noch um ihre Position kämpfen, hat der von Zoho unterstützte Messenger Arattai bereits reagiert: Er deaktivierte seine Username-Funktion freiwillig, um den Vorgaben der Regierung zu entsprechen.
Für Telegram kommt die Aufforderung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Dienst war bis zum 22. Juni 2026 landesweit gesperrt – Grund waren Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Leck von NEET-Prüfungsunterlagen. Dass nun auch Signal ins Visier gerät, überrascht Beobachter: Die Plattform galt bislang als weniger regulierungsbedürftig als ihre großen Konkurrenten.
Grundrechte versus Sicherheit
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Die Maßnahmen stoßen bei Digitalrechtlern auf scharfe Kritik. Die Internet Freedom Foundation (IFF) bezeichnete die Aufforderungen als „breites Schleppnetz" und bemängelt die fehlende rechtliche Grundlage. Die Anordnungen könnten geschützte Meinungsäußerungen und die Privatsphäre der Nutzer gefährden, indem sie die Anonymität untergrüben, die Usernamen ermöglichten.
Das Ministerium beruft sich auf den IT Act 2000 und die IT Rules 2021 als rechtlichen Rahmen. Die Plattformen müssten proaktiv Risiken wie Identitätstäuschung und Finanzbetrug minimieren – so die Begründung aus Neu-Delhi.
