Indien stoppt Username-Funktionen: Regierung prüft WhatsApp und Telegram
Veröffentlicht am: 16.07.2026 um 03:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die indische Regierung prüft rechtliche Schritte gegen die Einführung von Username-Funktionen bei WhatsApp, Telegram und anderen Messengern. Grund sind wachsende Sorgen vor Cyberkriminalität.
Regierung fordert Stopp neuer Funktionen
Das indische Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie (MeitY) wertet derzeit die Antworten großer Messaging-Plattformen aus. Im Fokus: die geplanten oder bereits existierenden Username-Funktionen. Diese erlauben es Nutzern, miteinander zu kommunizieren, ohne ihre Telefonnummer preiszugeben.
Genau das bereitet den Behörden Kopfzerbrechen. Denn anonyme Profile könnten Betrügern Tür und Tor öffnen – für Identitätsdiebstahl, Phishing oder die sogenannten „Digital-Arrest"-Maschen, bei denen sich Kriminelle als Polizisten ausgeben.
Minister Ashwini Vaishnaw kündigte an, dass innerhalb von etwa 20 Tagen eine offizielle Mitteilung zu den geplanten Regeln erwartet werde. Die Regierung erwägt einen einheitlichen Rechtsrahmen für alle Kommunikationsdienste im Land.
WhatsApp lenkt vorerst ein
Besonders brisant: Am 1. Juli 2026 forderte MeitY den Meta-Konzern schriftlich auf, die Einführung seiner Username-Funktion in Indien zu stoppen. Vertreter von Meta trafen sich Anfang Juli mit Ministeriumsbeamten und reichten am 9. Juli eine formelle Antwort ein.
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Der Konzern versicherte, die Funktion nicht ohne Abschluss der Konsultationen auszurollen. Zwar bleibe die Telefonnummer für die Registrierung weiterhin Pflicht, doch Usernames – erkennbar am „@"-Zeichen – sollen als optionale Kennung dienen. Meta betonte zudem, über Systeme zur Betrugserkennung zu verfügen und bestimmte Namen für Unternehmen, Behörden und Prominente reservieren zu wollen.
Auch Telegram und Signal im Visier
Die Prüfung beschränkt sich nicht auf WhatsApp. Auch Telegram, das Usernames bereits seit Jahren anbietet, hat seine Stellungnahme eingereicht. Signal erhielt eine parallele Aufforderung und wartet noch auf eine Antwort. Die indische Firma Zoho hat die Username-Funktion in ihrer App Arattai nach Regierungsbedenken freiwillig deaktiviert.
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Die zentrale Frage der Behörden: Reichen das bestehende Informationstechnologiegesetz von 2000 und die IT-Regeln von 2021 aus? Oder braucht es neue Paragrafen und Sanktionen?
Ein Markt mit Milliarden Nutzern
Indien ist für Messaging-Dienste von enormer Bedeutung. Über 800 Millionen Konten sind im Land registriert. Allein WhatsApp soll zwischen 500 und 850 Millionen Nutzer haben. Die Entscheidung der Regierung könnte weltweit Signalwirkung entfalten.
Branchenbeobachter verfolgen gespannt, wie sich die geplanten Regeln auf die Privatsphäre-Funktionen der Dienste auswirken. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Die erwartete Mitteilung des Ministeriums soll jedoch Klarheit darüber schaffen, unter welchen Auflagen die Plattformen künftig in Indien operieren dürfen.
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