Indien sperrt WhatsApp-Benutzernamen: Sicherheitslücken bei Modi & Co.
04.07.2026 - 13:13:57 | boerse-global.de
Kriminelle verschaffen sich Zugriff, versenden dann Geldforderungen an die Kontakte der Opfer. Betroffen sind sowohl Privatpersonen als auch Politiker.
Politiker im Visier der Hacker
Anfang Juli wurde das Konto von Ashok Das geknackt, einem Abgeordneten aus dem indischen Bundesstaat Odisha. Die Täter kontaktierten ihn angeblich im Auftrag der Versammlung, um offizielle Dokumente zuzustellen. Sie schickten einen Link. Nach dem Klick übernahmen sie das Konto und verschickten Notfallmeldungen mit der Bitte um Geld an seine Kontakte. Das erstattete Anzeige bei der Cyber-Polizei.
Ähnlich lief es in Chhindwara. Ein Nutzer erhielt eine APK-Datei, getarnt als digitale Hochzeitseinladung. Nach dem Download und der Installation war sein WhatsApp-Konto gekapert. Auch hier forderten die Betrüger Geld von den gespeicherten Kontakten. Die Polizei konnte durch schnelles Eingreifen – Deaktivieren der Datenverbindung, Entfernen der Schadsoftware – den Betrug stoppen und den Account retten.
Indien stoppt Benutzernamen-Feature
Diese Vorfälle überschneiden sich mit einer Entscheidung der indischen Regierung. Sie setzt die geplante Einführung von Benutzernamen bei WhatsApp vorerst aus. Das Feature sollte es Nutzern ermöglichen, ihre Telefonnummer zu verbergen und über frei wählbare Namen (3 bis 35 Zeichen) zu kommunizieren.
Interne Tests zeigten jedoch Sicherheitslücken. Tester konnten Benutzernamen von prominenten Persönlichkeiten registrieren – darunter Premierminister Narendra Modi und bekannte Filmstars. Auch der Gründer der Kryptobörse Binance konnte seinen Wunschnamen nicht reservieren. Die Behörden warnten vor Identitätsdiebstahl und forderten von Meta eine detaillierte Sicherheitserklärung. Meta betonte, das System sehe Barrieren für prominente Namen vor und werde schrittweise eingeführt.
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Cyberkriminalität wird professioneller
Die Fälle sind Teil eines Trends zur Professionalisierung digitaler Betrugsmaschen. Das Central Bureau of Investigation (CBI) nahm drei Personen fest. Ihnen wird ein „Digital Arrest Scam“ mit einem Schaden von rund 2,07 Crore Rupien (ca. 230.000 Euro) vorgeworfen. Die Festnahmen erfolgten nach Durchsuchungen Ende Juni in Odisha und Rajasthan.
Auch in Deutschland gab es massive Schäden:
- In Wülfrath verlor ein 82-Jähriger eine mittlere fünfstellige Summe. Eine angebliche Bankmitarbeiterin erlangte Fernzugriff auf seinen Computer.
- Ein 85-Jähriger aus Schöppenstedt wurde Opfer eines Schockanrufs. Ein falscher Polizist täuschte einen tödlichen Unfall der Tochter vor. Das Opfer übergab rund 40.000 Euro Bargeld.
- Eine Frau aus Weida verlor zwischen 20.000 und 25.000 Euro durch gefälschten Software-Support nach einem Klick auf ein Werbebanner.
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Die Internet Freedom Foundation (IFF) kritisierte die Ausweitung staatlicher Regulierungen für Benutzernamen auf Telegram und Signal als rechtlich bedenklich. Experten weisen darauf hin, dass allein 2025 in Indien über 28 Millionen Beschwerden im Bereich Cybercrime registriert wurden. Das unterstreicht die wachsende Bedeutung robuster Sicherheitsmechanismen für Messenger.
